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Yamaha Disklavier Enspire : Da spielt der Pianist nicht mit

Bild: F.A.Z., Yamaha

Das Disklavier Enspire von Yamaha wird zum Alleinunterhalter. Es spielt autonom. Und die Begleitmusik strömt aus der vernetzten Stereoanlage.

          Als wäre ein Piano, das wie von Geisterhand die Tasten drückt und virtuos vor sich hin spielt, nicht schon verrückt genug, lässt sich das Disklavier Enspire von Yamaha in der neuesten Generation nun auch über eine W-Lan-Verbindung ins heimische Netzwerk einbinden. So wird der unsichtbare Pianist an der Stereoanlage von Schlagzeug, Bass oder Gitarre begleitet. Was sich nach technischer Übertreibung japanischer Art anhört, klingt in Wirklichkeit musikalisch ausgewogen. Damit das Disklavier diese Funktion bekommen konnte, musste Yamaha auf die Produkte aus zwei unterschiedlichen Bereichen zurückgreifen: Musikinstrumente und Audiogeräte.

          Mit dem Disklavier begann Yamaha vor 29 Jahren seine klassischen Klaviere und Flügel elektronisch zu erweitern. Es folgte fünf Jahre später das Silentpiano, auf dem man über den Kopfhörer nahezu lautlos für die Umgebung spielen kann. Solche Instrumente haben mittlerweile auch Bechstein, Kawai oder Schimmel im Angebot. Die jüngste Erfindung von Yamaha in diesem Bereich der Hybrid-Pianos ist Transacoustic. Damit kann der Musiker die Lautstärke seines Instruments regeln sowie den Klang 19 anderer Tasteninstrumente wie E-Piano, Cembalo oder Orgel simulieren. Das Disklavier ist wohl das Instrument mit dem größten Unterhaltungswert, da es selbst unmusikalische Menschen nutzen können, weil es von allein spielt. Es kann zudem als Silentpiano genutzt werden. Und alle elektronisch modifizierten Klaviere und Flügel sind natürlich auch klassische Instrumente.

          Servomotoren heben die Tasten an

          Um die Idee des Disklaviers umsetzen zu können, muss zunächst ein Pianist an einem dieser Instrumente Stücke einspielen, die aufgenommen und gespeichert werden. Selbst das muss man nicht selbst machen. Es gibt schon viele Aufnahmen von bekannten Musikern, darunter Jamie Cullum oder Sarah McLachlan, die für Yamaha ihre Lieder eingespielt haben. 500 Songs sind bei jedem Disklavier installiert, Tausende weitere können auf Yamaha Musicsoft heruntergeladen oder mit dem Dienst Disklavier Radio zum Teil in CD-Qualität gestreamt werden. Man könnte sich also morgens einen Kanal oder eine Liedersammlung auswählen und das Enspire bis zum Abend im Hintergrund durchspielen lassen.

          Abnahme der Bewegung ist stufenlos

          Wie beim Silentpiano und Transacoustic werden auch beim Disklavier alle Bewegungen der Klaviatur, also das vollständige Spiel des Pianisten, mit den gleichen Sensoren aufgezeichnet. Um die Bewegung der Tasten möglichst exakt registrieren zu können, sitzen an deren Vorderseite Plastikplättchen, die mit einem Grauverlauf ausgestattet sind. Auf diese Sensoren ist jeweils das Licht eines Laserstrahls gerichtet, das unterschiedlich stark reflektiert und durchgelassen wird. Die gemessene Lichtmenge gibt Auskunft darüber, wie schnell eine Taste gedrückt wurde. In Flügelmodellen sind zusätzlich auch die Hämmerchen mit diesen Sensoren ausgestattet. Die elektronische, kontaktfreie Abnahme der Bewegung ist stufenlos und wird von einem Computer erledigt.

          Das Disklavier ist vollständig in die Musiccast-Umgebung eingebunden und über eine neue App steuerbar

          Um die Bewegung für das Spiel wie von Geisterhand reproduzieren zu können, müssen diese Informationen digitalisiert werden. Dazu zerlegt man jeden einzelnen Tastenverlauf in 1024 Lautstärkestufen, die ausreichen müssen, um die Originalbewegung hinreichend exakt zu beschreiben. Das Disklavier hat also gespeichert, wie die Tasten und Pedale bei einem bestimmten Stück gedrückt wurden. Nun muss das Enspire nur noch eigenständig die Tasten bewegen. Diesen Part übernehmen Servomotoren, die mit einem Stößel die Tasten mit dem entsprechenden Anschlag von hinten hochheben. Wenn das Instrument in Aktion ist, lässt sich schön sehen, dass Yamaha nicht nur die Anschlagsdynamik misst, sondern auch mit welcher Geschwindigkeit der Musiker die Tasten losgelassen hat.

          Die ganze digitale Technik sitzt für den Nutzer unsichtbar unterhalb des Flügels oder im Klavier in einer kleinen schwarzen Kiste. Unterhalb des Klaviaturelements sitzt eine zweite Einheit, die Bedienelemente wie Ein-und-Aus-Schalter, Kopfhörerausgang oder Lautstärkeregler enthält. Die eleganteste Art, das Disklavier zu bedienen, ist jedoch die neue App namens Enspire-Controller. Und hier kommt nun ein Produkt aus Yamahas Audiobereich zum Einsatz, mit dem sich erst das Disklavier vernetzen und mit dem Smartphone oder Tablet steuern lässt.

          Begleitung kommt aus der Stereoanlage

          Vor knapp einem Jahr hat Yamaha sein eigenes Multiroom-System namens Musiccast mit 23 neuen Audioprodukten vorgestellt. Es funktioniert wie die Systeme von Sonos, Raumfeld oder Sony auch. Geräte wie Verstärker, Lautsprecher oder Soundbar sind über das heimische W-Lan miteinander vernetzt, sie werden über eine App gesteuert, und der Nutzer streamt seine Musik in verschiedene Räume. Es ist wohl kein Zufall, dass Yamaha im Zuge der „Runde 2“ von Musiccast ein weiteres Gerät vorgestellt hat, das den Einsatz des Multiroom-Systems auch für fremde Verstärker oder Boxen erlaubt. Denn der Netzwerkspieler WXC-50 macht aus jeder beliebigen Hifi-Anlage eine musiccastfähige Komponente, indem man die kleine Kiste etwa mit den Eingängen des Verstärkers verbindet. Spätestens dann sind alle Voraussetzungen geschaffen, damit das Disklavier nicht allein das Wohnzimmerkonzert bestreiten muss, sondern auch von anderen Instrumenten über die Lautsprecher der Stereoanlage begleitet werden kann.

          Es sind im Übrigen nahezu alle Klaviere und Flügel von Yamaha als Disklavier gegen Aufpreis erhältlich. Die günstigste Variante ist das U1 für rund 17 000 Euro. Wer zu Hause den Konzertflügel CFX haben will, der von allein spielt, bekommt ihn für 166 000 Euro. Doch wer braucht so etwas eigentlich? Das könnten wohlhabende Menschen sein, die sich sowieso einen Flügel als Statussymbol ins Haus stellen, Hochschulen, die es für pädagogische Zwecke nutzen, und Hotels, die sich keinen Pianisten mehr leisten wollen.

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