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Wireless HD Scharfe Großbilder über den privaten Flurfunk

04.02.2009 ·  Eine eindrucksvolle Vorführung: Jemand kappt das Kabel zwischen Bluray-Player und Fernseher. Und siehe da: Der Film läuft weiter, als sei nichts geschehen - dank Wireless HD. Der Drahtlos-Standard ist so gut wie serienreif.

Von Wolfgang Tunze
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Noch vor einem Jahr bemühte die Industrie auf der amerikanischen Fachmesse CES plakative Symbolik: Toshihiro Sakamoto, Panasonics Konzernlenker für alles, was mit Audio und Video zu tun hat, griff auf offener Präsentationsbühne zu einer handelsüblichen Heckenschere, kappte damit ein dickes Kabel, und siehe da: Der Film aus dem Bluray-Player lief weiter über die Mattscheibe, als sei nichts geschehen. Der gewünschte Lerneffekt fürs internationale Fachpublikum: Es geht auch ohne Strippen, und das ist im Fall der Übertragung von Bild und Ton auf HDTV-Niveau alles andere als selbstverständlich.

Den unfreiwilligen Beweis für die Imponderabilien des Drahtlos-Transfers trat damals Samsung an - mit einer ähnlich inszenierten Demonstration, die dem staunenden Auditorium die Übertragung von Videos aus einem High-Definition-Kamkorder an einen Fernseher demonstrieren sollte. Künstlerpech: Hier blieb die Mattscheibe erst einmal dunkel.

Bricht das Bild zusammen, wenn der Hund durch den Übertragungsweg läuft?

Heute, ein Jahr später, hätten solche Pannen kaum noch eine Chance, denn die Technik ist serienreif. Unter dem Namen Wireless HD hat ein Konsortium aus fast allen bedeutenden Unternehmen der Elektronikindustrie, unter ihnen die Unterhaltungselektronik-Größen Panasonic, Sony, Toshiba, Samsung und LG, pünktlich zum Beginn des Jahres die Spezifikationen eines Standards festgezurrt, nach dem es möglich sein wird, Bild und Ton mit bis zu vier Gigabit je Sekunde durchs Wohnzimmer zu funken, später sollen sogar bis zu 20 Gigabit möglich sein. Das reicht zur unkomprimierten, also in der Qualität völlig ungeschmälerten Übertragung von Videos mit bis zu 1080 Zeilen im Vollbild-Modus (Fachkürzel: 1080p).

Das System arbeitet mit extrem hohen Sendefrequenzen um 60 Gigahertz, einem Spektrum, in dem sich bisher keine Konkurrenz tummelt, die den Medientransfer stören könnte. Funkwellen dieser Frequenzlage breiten sich allerdings schnurgerade aus wie Lichtstrahlen; bricht also das Bild zusammen, wenn der Hund oder der Hausherr durch den Übertragungsweg läuft und somit für Funkschatten sorgt? Damit ebendies nicht passiert, arbeitet Wireless HD mit etlichen Antennen, die den Funkverkehr auf viele Wege verteilen. Der aktuelle Wireless-HD-Chip von Sibeam etwa hat 36 Antennenausgänge, künftige Halbleiterlösungen sollen mit 18 Antennen-Pins auskommen. Die Reichweite des Wireless-HD-Funks beträgt etwa zehn Meter.

Natürlich darf auch der notorisch geforderte Kopierschutz nicht fehlen

Das neue Drahtlos-System kann bis zu sechs Geräte gleichzeitig mit dem Bildschirm verbinden, zum Beispiel Bluray-Player, Spiele-Konsolen, Multimedia-PCs oder MP3-Player. Der Fernseher spielt dabei üblicherweise die Rolle des Koordinators, der Prioritäten vergibt und Datenströme zuteilt. Wireless HD unterstützt auch, genau wie die digitale Kabelverbindung HDMI, das Daten-Protokoll CEC. Das bedeutet praktisch: Fernbedienungsbefehle lassen sich zwischen den Geräten austauschen, selbst dann, wenn unterschiedliche Fabrikate im Spiel sind. Im Idealfall genügt also ein einziger Handsender, um den Gerätepark einer ganzen Heimkino-Anlage zu steuern. Und natürlich darf auch der von den Hollywood-Studios notorisch geforderte Kopierschutz nicht fehlen: Wireless HD kann, ebenso wie HDMI, die Bild- und Tonsignale verschlüsselt übermitteln.

Panasonic hat auf der CES 2009 bereits einen ersten Serienfernseher mit Wireless HD gezeigt, einen 54-Zoll-Boliden mit dem Namen TC-P54Z1. Er wird uns voraussichtlich in modifizierter Form im Spätsommer als Neuheit der Internationalen Funkausstellung begegnen. Bis dahin hat das Wireless-HD-Konsortium noch einen strammen Arbeitsplan: Derzeit stehen umfassende Interoperabilitätstests auf dem Plan, sprich Prüfverfahren, die klären müssen, ob sich wirklich jedes Gerätemodell mit allen anderen verträgt. Toshiba und LG zeigten auf der CES Fernsehgeräte, die exemplarisch demonstrierten, wie sich die neue Technik künftig im Wohnzimmer etablieren könnte.

Nichts als purer Funkverkehr

Die Wireless-HD-Modelle beider Hersteller hatten sich vom gesamten Ballast der Videosignal-Aufbereitung und der Schnittstellen-Verwaltung befreit und die gesamte einschlägige Elektronik in ein externes Gehäuse delegiert. Zwischen dieser Schachtel und der Mattscheibe gibt es nichts als puren Funkverkehr. Nach diesem Konzept stört kein einziges Kabel den dekorativen Auftritt der immer schlanker werdenden Flachbild-Schönheiten. Somit dürfte Wireless HD künftig nicht nur Beiträge zu Bedienkomfort und Bewegungsfreiheit leisten, sondern durchaus auch zur Wohnästhetik im fortgeschrittenen Digitalzeitalter.

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