Home
http://www.faz.net/-gyf-750ae
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Wall Street Journal Apple testet Fernseher-Prototypen

Ein Fernseher von Apple war bisher ein Phantom, das trotz vieler Gerüchte nie in den Apple Stores auftauchte. Jetzt liefert ein Bericht des „Wall Street Journal“ Hinweise auf erste konkrete Testläufe mit asiatischen Zulieferern.

© AFP Vergrößern Die Gerüchte werden konkreter: Das Wall Street Journal meldet, dass Apple bereits einen eigenen Fernseher testet.

Der Apple-Fernseher, über den schon lange spekuliert wird, nimmt laut einem Zeitungsbericht langsam Gestalt an. Der amerikanische Konzern teste mit asiatischen Zulieferern mehrere Entwürfe, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch. Der Auftragsfertiger Foxconn, der für Apple die iPhones und iPads baut, arbeite dafür mit dem japanischen Elektronik-Konzern Sharp zusammen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

„Es ist noch kein offizielles Projekt. Es befindet sich in einer frühen Testphase“, wurde eine der Quellen zitiert. Mehr noch: Apple habe schon seit einigen Jahren Prototypen mit Zulieferer getestet, hieß es.

Gerüchte, dass Apple mit einem eigenen Fernsehgerät in die Wohnzimmer will, gibt es schon lange. Der Bericht des „Wall Street Journal“ ist der bisher stärkste Hinweis darauf, dass die Spekulationen stimmen könnten. Als größtes Hindernis gelten Rechte-Verhandlungen mit der Fernsehbranche, die in weiten Teilen an dem klassischen linearen Sende-Programmschema festhält und um ihre heutigen Geschäftsmodelle fürchtet.

Keine Hinweise auf konkreten Termin der Markteinführung

Der vor gut einem Jahr verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hatte die Gerüchte selbst befeuert als er seinem Biografen Walter Isaacson erzählte, er habe eine Idee, wie man die Bedienung von Fersehgeräten neu gestalten könnte.

Schon 2007 startete Apple die Settop-Box Apple TV, die Inhalte aus der iTunes-Plattform und dem Netz auf den Fernseher bringt. Apple verkauft davon einige Millionen Geräte im Jahr und bezeichnete die Box bisher als „Hobby“. Deshalb fiel es auf als der heutige Apple-Chef Tim Cook in einem Interview mit dem amerikanischen Sender NBC Fernsehen zum Bereich von „intensivem Interesse“ erklärte. Heutzutage fühle man sich um 20 bis 30 Jahre in die Vergangenheit versetzt, wenn man den Fernseher einschalte, begründete Cook den Bedarf an Veränderungen.

Der Bericht des „Wall Street Journal“ enthielt keinen Hinweis auf einen möglichen Termin für eine Markteinführung. Der Analyst Gene Munster von der Finanzfirma Piper Jaffray, der für seinen Glauben an einen Apple-Fernseher gelegentlich belächelt wird, rechnet derzeit mit einem Start frühestens im Herbst 2013. Allerdings musste Munster seine Prognosen auch schon nach hinten schieben.

Geschäft mit extremem Preisdruck

Apple würde mit einem eigenen Fernsehgerät in einen Markt mit niedrigen Renditen, scharfer Konkurrenz und derzeit schwacher Nachfrage einsteigen. Vor allem die großen japanischen Hersteller wie Sony, Sharp und Panasonic fahren aktuell hohe Verluste ein. Sharp musste bereits warnen, dass die kritische Finanzlage die Existenz des Unternehmens gefährdet.

Es ist auch unklar wie Apple in dem von einem extremen Preisdruck geprägten Geschäft die üblichen gehobenen Preise durchsetzen will. Auch der deutsche Hersteller Loewe, der sich auf hochpreisige Premium-Geräte spezialisiert, kämpft derzeit ebenso wie die Japaner mit Verlusten.

Auch Google und Microsoft versuchen sich im Fernsehbereich

Beflügeln dürfte die vermeintlichen Pläne von Apple eine aktuelle Umfrage von Alpha Wise und Morgan Stanley. Demnach wären 11 Prozent der Verbraucher an einem Fernsehgerät von Apple „sehr interessiert„, weitere 36 Prozent wären „interessiert“. Außerdem gaben die Befragten an, dass sie im Durchschnitt 20 Prozent mehr für einen Fernseher von Apple zahlen würden, als für andere Geräte. Die Umfrage, bei der 1568 amerikanische Haushaltsvorstände befragt wurden, bezog sich speziell auf Smart TV, also Geräte, die neben der Nutzung als Fernseher etwa auch zum Surfen im Internet genutzt werden können. 

Apple ist nicht das einzige IT-Unternehmen, das im Fernsehbereich experimentiert. So versucht Google, auf der Plattform Google TV Online-Inhalte mit klassischem Fernsehen zu verbinden und startete eine Programm-Offensive mit Dutzenden Themenkanälen beim Videodienst YouTube. Und Microsoft baut die Spielekonsole Xbox mit Bezahlvideos und Abodiensten wie Xbox Music zur Unterhaltungszentrale aus.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Werbung im Netz Lesen Sie bitte auch unsere Anzeigen

Die Werbefinanzierung von Inhalten im Netz ist manchen ein Dorn im Auge. Aber nicht sie ist der Sündenfall, sondern die neoliberale Haltung, Nutzer grundsätzlich nur als Konsumenten zu betrachten. Mehr Von Evgeny Morozov

16.12.2014, 20:16 Uhr | Feuilleton
High Tech in Amerika Die App-Verrückten

Sind die USA noch Supermacht? In der Technologie scheint die Antwort klar: Firmen wie Facebook, Google, Microsoft und Apple sorgen teils seit Jahrzehnten für eine Technik-Vormacht - und das weltweit. Mehr

05.12.2014, 12:05 Uhr | Technik-Motor
China Onkel Xi und seine Blogger

Im chinesischen Internet melden sich immer mehr Patrioten zu Wort, welche die Regierungspolitik preisen. Anders als früher muss Peking sie dafür nicht mehr bezahlen. Mehr Von Petra Kolonko, Peking

13.12.2014, 21:08 Uhr | Politik
Die Forderung nach neuen Spielregeln für Google

Bei einem Streitgespräch mit Google-Chef Eric Schmidt forderte Sigmar Gabriel, die Marktmacht des amerikanischen Internet-Giganten zu begrenzen. Mehr

15.10.2014, 09:18 Uhr | Politik
Geschenketipps Zuhören, Weihnachtsmann!

Nur noch wenige Tage bis zum Fest. Deshalb hier noch einmal ein paar Geschenketipps für Weihnachten: von Kopfhörer bis Fernseher. Vielleicht hat sich das lange Warten gelohnt. Mehr Von Marco Dettweiler und Wolfgang Tunze

17.12.2014, 09:30 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.12.2012, 12:00 Uhr

Models wie Eisbergsalat

Von Hans-Heinrich Pardey

Erstens lässt sich die Lieblingsfotozeitschrift von hinten erkennen. Und zweitens wird sie meist auch von dorther aufgeblättert, weil da gleich das Inhaltsverzeichnis der beiliegenden DVD kommt. Mehr

Hinweis
Die Redaktion