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Unterhaltungselektronik : Horchposten im Wohnzimmer

Ungestörte Fernseh-Idylle in den sechziger Jahren. Bild: Picture-Alliance

Internetfähige Fernsehgeräte hören in den Raum hinein. Das gesprochene Wort kann übertragen werden - das macht die Technik umstritten. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.

          Das waren noch Zeiten, als die ganze Familie sich um das Lagerfeuer Fernsehen versammelte. Alle hatten sich lieb, selbst der Guckkasten im Wohnzimmer war ein netter Kerl. Heute ist vom einstigen Idyll nicht viel übrig. Und das liegt nicht allein an fragmentierter Freizeitgestaltung: Der Bildschirm ist auf dem besten Wege, seinen Ruf zu ruinieren. Denn immer wieder tauchen Enthüllungen auf, die ihm Spionage in den eigenen vier Wänden nachsagen. So haben moderne Smart TVs eingebaute Mikrofone, die sie unter anderem zur Steuerung über das gesprochene Wort nutzen, und über ihre Verbindung zum Internet können sie den so eingefangenen Text an Server funken, die ihnen bei der Analyse helfen – so ähnlich, wie Smartphones es machen. Was bleibt da noch privat im Wohnzimmer?

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Parker Higgins, ein amerikanischer Bürgerrechtsaktivist, befeuerte in der vergangenen Woche via Twitter schlimmste Befürchtungen. Er hatte in den Lizenzbestimmungen aktueller Samsung-Fernsehgeräte eine Passage gefunden, die an Orwells düsteren Roman 1984 erinnert. Samsung erläutert: „Bitte beachten Sie, dass Ihre gesprochenen Worte, die persönliche oder andere sensible Informationen beinhalten, unter jenen Daten sein werden, die aufgenommen und an einen Drittanbieter übertragen werden, wenn Sie die Spracherkennung nutzen.“ Leiten Samsungs Fernseher also das gesamte akustische Privatleben an Big Brother weiter – und darf man folglich nicht mehr im eigenen Wohnzimmer reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist?

          Erst nach einem Code-Wort wird genau hingehört

          Solche Sorgen sind zum Glück überzogen, denn Higgins hat, vielleicht um der Dramatik willen, etliche Technik-Details weggelassen. So übertragen die Samsung-Fernseher gesprochene Anfragen nur dann an die externe Spracherkennung, wenn man zuvor eine entsprechende Taste auf der Fernbedienung gedrückt hat. Einfache verbale Steuerbefehle, etwa zur Einstellung der Lautstärke oder zum Wechsel des Fernsehprogramms, kommen ohne Datenübertragung aus: Das Gerät erkennt mit Bordmitteln, was sein Herr und Meister von ihm will, und es hört auch dann erst richtig hin, wenn man ihm zuvor ein Code-Wort zugerufen hat, zum Beispiel „Hi, TV“ oder „Smart-TV“. Wer die ganze Sache dennoch suspekt findet, kann die Spracherkennung auch komplett abschalten.

          Was bringt die Spracherkennung überhaupt – und welche Möglichkeiten eröffnet sie für die Zukunft? Das lässt sich am Beispiel des Samsung-Dienstleisters erörtern: Der koreanische Hersteller arbeitet mit Nuance zusammen, dem führenden Unternehmen für Spracherkennungssysteme in allen erdenklichen Anwendungsbereichen. Die Amerikaner forschen seit mehr als 20 Jahren an der Erkennung des gesprochenen Wortes, typischerweise dem Diktat. Wie von Geisterhand setzt etwa die PC-Software Dragon Naturally Speaking das gesprochene Wort in einen nahezu fehlerfreien Text um. Millionen von Ärzten und Anwälten diktieren mit diesem System direkt in den PC. Wenn der Mensch vor dem Computer, im Auto oder am Telefon zu einem Spracherkenner spricht, wandelt das Mikrofon die Luftdruckschwingungen in elektrische Schwingungen, die digitalisiert werden. Nach dieser Prozedur wird das Signal mehrstufig erkannt, wobei akustische und linguistische Verfahren zum Einsatz kommen. Aus Lauten werden Wörter.

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