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EM 2016 : Videoauge, sei wachsam

Alles im Blick: Die Kameras im Stadion sind unauffällig verteilt und so geschickt angebracht, dass jeder Winkel eingesehen werden kann. Bild: dpa

Überwachungskameras sind ein wichtiger Teil im Sicherheitskonzept, nicht nur rund um die Europameisterschaft. Moderne Geräte spüren selbständig Verdächtige auf und verfolgen sie.

          Wenn viele der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich entgegenfiebern, hat das nicht nur sportliche Gründe. Großereignisse wie dieses sind für die Sicherheitsorgane eine Herkulesaufgabe. Angst vor Attentaten in Menschenmassen und Ausschreitungen von Hooligans lassen die Betreiber von Stadien, Flughäfen und Bahnhöfen mit neuester Technik aufrüsten. Gewissheit, dass nichts passieren wird, gibt es nicht. Aber man kann die Sicherheit so weit wie möglich erhöhen.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Teil des Gesamtpakets rund um die Fußballarenen ist neben Eintrittskontrolle, Feuerschutz, Fluchtwegen und Lautsprecherdurchsagen vor allem eine intensive Beobachtung aller Vorgänge - nicht nur auf den Rängen, sondern auch in den Räumen, den Gängen und vor dem Stadion. Zu diesem Zweck finden sich so gut wie überall Überwachungskameras, die inzwischen so klein geworden sind, dass sie kaum noch auffallen. In einem Fußballstadion können mehr als 200 davon installiert sein, das ist auch im Fall der EM-Spielorte von Stadion zu Stadion unterschiedlich. Was wo eingebaut ist, behandeln die Stadionbetreiber als Betriebsgeheimnis.

          60 Mitarbeiter überwachen vom Bildschirm aus das Stadion

          Wie wir uns an einem der EM-Spielorte in Frankreich überzeugen konnten, ist im mit Bildschirmen gespickten Sicherheitsraum jeder Bereich einzusehen, 60 Mitarbeiter der Security arbeiten dort während des Spiels. Die Polizeikräfte im Nebenraum können auf die gleiche Technik zurückgreifen. Auf Kundenwunsch werden allerdings manchmal einzelne Bereiche von der Überwachung ausgenommen, etwa die Zugänge zu den Toiletten.

          Die Technik liefern einige wenige Anbieter, darunter Axis, Dallmeier und Bosch. Sie können über eine gemeinsame Schnittstelle in Systeme der anderen Hersteller integriert werden, soweit sie den Onvif-Standard verwenden (Open Network Video Interface Forum). Bosch hat nicht nur ein komplettes Sicherheitspaket aus einer Hand im Programm, sondern kann auch unterschiedliche Aufgaben wie Einbruchmeldetechnik, Zutrittskontrolle und Videoüberwachung vernetzen.

          Kamera mit Rundumblick

          Eine moderne Videoüberwachungskamera verfügt über eine eigene Intelligenz, die in der Lage ist, unterschiedliche Szenen nach festgelegten Regeln selbständig zu verwerten. Wie eine herkömmliche Kamera sieht solch ein modernes Gerät nicht immer aus, manche Modelle ähneln eher einem Mini-Ufo, kaum größer als ein Rauchmelder, oder dem hängenden Blinklicht einer Alarmanlage. Da sie unterschiedliche Talente haben und sich ergänzen, ist eine kombinierte Anwendung zweckmäßig.

          Die Ufos bilden je nach Modell einen Rundumblick ab - bis zu 360 Grad ohne toten Raum. Sie dienen der großflächigen Überwachung und werden einfach mit einem Klickmechanismus installiert. Das Spitzenmodell von Bosch hat einen zwölf Megapixel starken Bildsensor und nimmt 30 Bilder in der Sekunde auf. Neben dem Rundumblick lassen sich gleichzeitig mehrere Bildausschnitte unabhängig heranzoomen, das Gesamtbild wird dabei immer mit übertragen und steht somit auch für spätere Recherchen in den Aufzeichnungen zur Verfügung. Die Verzerrung des Fisheye-Objektivs wird durch die Software korrigiert, das Bild wirkt wie ein ganz normales Video.

          Der Benutzer kann zwischen verschiedenen Beobachtungsmodi wählen, die der optimierten Szenendarstellung dienen - etwa Innen- oder Außenbereich, Gegenlicht und Flutlicht. Solche Kameras erfassen sich bewegende Objekte, die intelligente Videoanalyse ist ins Gerät selbst integriert. Der Vorteil dieser Lösung ist die geringere Datenübertragungsrate; das Netz wird weit weniger belastet, da Videodaten nur bei Bedarf gesendet werden. Dem gleichen Zweck dient eine Software, die zwischen relevanten Informationen und Bildrauschen unterscheidet. Das Rauschen wird schon während der Bilderfassung in der Kamera unterdrückt und die Bitrate so gesenkt.

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