15.05.2003 · Das komplizierte Wechselspiel von Pop3 und SMTP bei der E-Mail
Von Fritz JörnElektronische Post ist inzwischen in aller PC. Über Modem, ISDN oder ADSL ist man nicht nur freiwillig mit dem weltumspannenden Internet verbunden, sondern bekommt darüber Nachrichten, und zwar oft ungefragt. Viele verlassen sich dabei ganz auf die Mailprogramme der Dienstleister im Netz, seien das AOL, T-Online oder andere, lokalere Anbieter. Die allgemeine Deregulierung hat es nun so weit gebracht, daß man beim E-Mail-Verkehr genau zwischen dem Verkehrsträger und dem Postfachhalter im Netz unterscheiden muß, und in seinem eigenen PC zwischen der Einwahlsoftware ins Netz und der Postbearbeitungssoftware, dem sogenannten Mailer - die kann als "Webmail" sogar ganz im Netz ablaufen. Man mag über T-Online ins Netz gehen, seine Post aber bei GMX haben, man kann mit Microsoft-Postbearbeitungssoftware wie Outlook Briefe verfassen und ordnen und dann über T-Online versenden. Die vielen Kombinationsmöglichkeiten verwirren, haben aber spezifische Vorzüge, wenn sie - was nicht immer der Fall ist - überhaupt gehen.
Post Office und simpler Sender
Da kann man mit dem T-Online-Mailprogramm seine T-Online-Mail machen. Mit dem T-Online-Mailer wird die dann aber immer voluminös, denn "nur Text" läßt sich nicht senden; es werden immer ganze HTML-(Internet-)Seiten versandt, bunt und fett beschrieben vielleicht, und mit möglichen Bildchen dazwischen. Der Empfänger sieht das alles vielleicht weniger gern oder bekommt es sicherheitshalber gar nicht. Ähnlich ist das mit AOL, wo etwa die Zahl der Anhänge begrenzt wird. Wählt man ein netzfremdes Mailprogramm, meist Outlook von Microsoft, dann läßt sich wiederum mehr einstellen, als dem Laien lieb sein kann. Zum Lesen der Post aus dem Netz muß man das Post Office Protocol nutzen und zum Senden wenigstens das Simple Mail Transfer Protocol (ein neueres Protokoll, das Internet Message Access Protocol IMAP, wird selten unterstützt). Diese altgedienten Protokolle, Pop3 und SMTP genannt, enden netzseitig in Servern.
Der Pop-Server dient einem die Eingangspost an, der SMTP-Server nimmt frische zum Versand entgegen. In den alten Zeiten kam es bloß darauf an, eingegangene Post nicht dem Falschen zukommen zu lassen. Also muß man sich beim Pop-Server elektronisch ausweisen, mit Name und Kennwort. Der SMTP-Sendemechanismus nahm dagegen an, was daherkam - und erlitt bei der Flut kostenloser Massenmails damit Schiffbruch. Heute gibt es SMTP-Server, die ebenfalls eine Anmeldung erwarten. Die meisten vermuten allerdings, daß der Kunde bereits vorher neugierig beim Pop-Server im Vorzimmer seine Post aus dem Fach geholt hat. Signalisiert dem SMTP-Server der Pop-Server, ein bestimmter Kunde sei jetzt da, so öffnet er schon mal seine Klappe zum Versenden von dessen neuen Nachrichten. Die "Klappe" bleibt vielleicht ein halbe Stunde offen, danach wird angenommen, der Kunde hätte diesmal wohl nichts zu senden gehabt. Mancher SMTP-Sender prüft noch über die Internet-Protokoll-Nummer, ob der Kunde nicht inzwischen das Postamt verlassen hat und jetzt möglicherweise ein anderer an seiner Statt sendet. Das aber hat sich nicht bewährt, denn nach Leistungsabbrüchen und neuer Einwahl ändert sich die IP-Adresse auch. Am genauesten nimmt es der SMTP-Server von T-Online: Da muß sich ein normaler T-Onliner schon direkt über das T-Online-Netz eingewählt haben, damit er Hinausmailen darf. Auch bei AOL ist das so. Gerade so als hielte der Schreiber E-Mail für einen Stafettenlauf, erfolgt die abweisende Nachricht "we do not relay", "wir geben hier nichts weiter", wenn man versucht, aus Netz A beim Server von B seine Post loszuwerden. Das verhindert gänzlich anonymen Versand und ist eigentlich ganz gut so. Mailbetreiber ohne eigenes Einwahlnetz wie Web.de oder GMX können sich das freilich nicht leisten.
Eine weitere, verwirrende Folge des Pop-SMTP-Zusammenspiels ist die Öffnung von SMTP erst nach der Pop-Autorisierung. Wenn Outlook immer zunächst sendet und dann erst abfragt, so ist das genau verkehrt herum. Dann kann passieren, daß das Versenden abgelehnt wird, versucht man denselben Vorgang aber gleich wieder, so, o Wunder, klappt es, weil dank Abrufbesuchs der Pop-Server inzwischen dem SMTP-Server das sprichwörtliche grüne Licht gegeben hat. Ganz Gefinkelte richten sich darum gleich zwei Konten in ihrem Outlook ein, gleichen Inhalts, aber unterschiedlichen Namens. Das erste wird zum Holen, das zweite anschließend standardmäßig zum Senden verwandt.
Ausblick mit eigener Ablage
Pop-Server lassen zu, die Nachrichten nur zu lesen und nicht gleich am Server zu löschen, etwa, wenn man unterwegs ist. Umgekehrt können offensichtliche Dummheiten ungelesen am Server gelöscht werden. Manche bieten Virenschutz und Junk-Mail-Filter, ersterer gut und letzteres mit wenig Erfolg. Ja, und man kann sich nur den ersten Teil einer Nachricht holen, etwa mobil. Ob das alles klappt, hängt nicht zuletzt vom Mailprogramm ab, das manche Einstellungen zuläßt und viele eher nicht. So kann man Outlook 2002 dazu abrichten, immer erst den Pop-Server anzusteuern; klappt aber eine Aussendung dennoch nicht, so tut Outlook 2002 bis zum nächsten Abruf so, als wäre alles in Ordnung gewesen. Ältere "Ausblicke" sind da gleich ehrlicher.
Immer unverständlich wird uns bleiben, warum Outlook das Microsoft-Windows-Ablage- und -verzeichnissystem des PC neu erfinden mußte. Ein Fach mit Post im eigenen Outlook läßt sich keineswegs in ein ordinäres Unterverzeichnis kopieren, da muß schon ein grenzüberschreitender Export passieren. Archivierte Mails werden in einem eigenen PST-Verzeichnis am Ende der Welt hinter sechs Schrägstrichen gemeinsam untergepflügt (PST steht nicht für pst oder Post, sondern für personal storage).
Da immer mehr Korrespondenz über E-Mail geht, sollte man sich, bevor man sich an eine bestimmte Adresse und ein bestimmtes Abrufverfahren bindet, die Varianten wohl überlegen. Schon jetzt aber mag manche elektronische Korrespondenz dem ewigen Vergessen überlassen sein, so wie SMS.