22.07.2004 · Wenn das Leben im Sommer draußen stattfindet, darf dabei gern gute Musik im Spiel sein. Kleine Portis, Mini Disc und sogar das Handy spielen digitale Musik. Wir haben uns die wichtigsten Produkte angesehen.
Von Michael SpehrSommer, Sonne, Strand: Jetzt, in den schönsten Wochen des Jahres, findet das Leben wieder draußen statt. Gute Musik darf bei den Aktivitäten an der frischen Luft gern dabeisein, und schon hat der potentielle Käufer neuer Hardware die Qual der Wahl: Welche portablen Gerätschaften dürfen mit in den Sommerurlaub? Wie kommt die Musik von der Plattensammlung in den tragbaren MP3-Spieler? Wir haben uns die wichtigsten Produkte angesehen.
Die einfachste und günstigste Lösung für das mobile Musikvergnügen ist noch immer der bewährte CD-Porti, ein kleiner tragbarer Spieler, der kaum größer als die Silberscheibe selbst ist. Schon für 50 Euro bekommt man ein Markengerät von Sony, etwa den D-EJ 761 mit einem kleinen Ohrhörer und einer ausdauernden Batterie für 50 Stunden Spielzeit. Einfach zu Hause ins Plattenregal greifen, schon ist die Sammlung für den Sommer perfekt. Der eigene Sampler mit den selbstgebrannten Hits 2004 ist für die meisten Portis ebenfalls kein Problem: Sie verstehen das CD-RW-Format, also die am Computer selbstgebrannte Scheibe. CD-Portis für ein bißchen mehr Geld spielen zusätzlich das datenreduzierte MP3-Format. Es dampft die Musik auf ein Zehntel des ursprünglichen Speicherplatzes ein. Dann passen zwölf bis 14 Stunden auf eine Silberscheibe, die freilich am Computer erstellt sein will. Wie man aus der Musik-CD eine eigene MP3-Kollektion macht, darauf kommen wir später noch zurück. Der Hersteller Panasonic hat eine ganze Reihe MP3-fähiger CD-Portis im Angebot. Für etwa 80 Euro bekommt man beispielsweise den SL-MP80EG.
Alle mobilen CD-Player haben ein gemeinsames Handicap: Die großen rotierenden Tonträger lassen sich durch Erschütterungen leicht aus dem Takt bringen. Abhilfe schaffen eingebaute Chips, die mit einer Zwischenspeicherung der Musik unliebsame Aussetzer verhindern. Der Stand der Technik sind derzeit Überbrückungszeiten von bis zu 300 Sekunden, wie sie beispielsweise Sony mit der G-Protection-Technik verspricht. Ein weiterer Nachteil der Portis ist ihre sperrige Bauform. Beim Joggen oder Strandlauf machen die 200 Gramm schweren Scheibendreher keine gute Figur. Draußen sind kleinere Apparate von Vorteil. Die Grenzen der Miniaturisierung zeigen Player, die rein elektronisch arbeiten und die Musik in einem Festspeicher oder auf wechselbaren Speicherkarten ablegen, wie sie auch in Digitalkameras zum Einsatz kommen. Diese vielseitigen Geräte gibt es in allen nur denkbaren Bauformen: als Lippenstift oder im Feuerzeug-Look, quadratisch und flach wie eine Sonderbriefmarke oder als USB-Stick zum Andocken an den Computer. Der Thompson Lyra PDP 2225 für weniger als 150 Euro ist ein typischer Vertreter dieser Gattung. Nur 6 × 6 Zentimeter groß und 50 Gramm leicht, bietet er 128 Megabyte internen Speicher, der sich zusätzlich durch Multimedia- und Secure-Digital-Karten aufstocken läßt. Ein Radioempfänger sorgt zudem für Unterhaltung, wenn die Kost von der Konserve erschöpft ist. Weil sich bei diesen Geräten nichts mechanisch bewegt, sind sie unempfindlich gegen Stöße und Erschütterungen. Was die Bestückung mit Musik betrifft, zeigen sich die Speicherkarten-Portis ebenfalls von ihrer schönsten Seite: Einfach nur die MP3-Dateien via USB auf die Speicherkarte oder in den Porti schaufeln, schon geht's los. Ein typisches MP3-Lied braucht etwa 3 Megabyte. Ärgerliche Gängelungen durch ein sogenanntes Rechte-Management und beschränkte Nutzungsmöglichkeiten gibt es in der Regel nicht. Einen Nachteil haben die besonders kleinen Apparate indes doch: Weil der Platz für eine ausgefeilte Elektronik fehlt, stellt der Klang verwöhnte Ohren nicht unbedingt zufrieden.
Wer höchste Ansprüche an seinen mobilen Begleiter hat, kommt um die Mini Disc nicht herum. Die Technik gibt es seit mehr als zehn Jahren, und die Tonträger (1 Euro) sind mit einem Durchmesser von 6,4 Zentimeter schnell im Reisegepäck verstaut. Bislang paßten mehr als fünf Stunden auf die Mini-Scheibe. Sie wird magnetooptisch beschrieben. Seit Anfang des Jahres gibt es eine Erweiterung des Systemstandards namens Hi-MD. Auf die neuen Discs paßt ein Gigabyte, und das reicht für mehr als 30 Stunden Musik. Die Mini Disc nutzt nicht MP3, sondern das proprietäre Atrac-Format zur Datenreduktion. Es gibt verschiedene Stufen der Kompression.
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So kann jeder selbst wählen, ob ihm eine lange Spieldauer oder hohe Qualität wichtig ist. Ferner ist es möglich, die Musik zu bearbeiten: Mehrere Stücke lassen sich zu einem verbinden, und umgekehrt läßt sich eine lange Aufnahme in kürzere Sequenzen aufteilen. Die Daten werden auf der Mini Disc wie auf einer Computerfestplatte verwaltet. Gelöschter Platz ist sofort frei für neue Stücke. Gute Mini-Disc-Spieler erreichen CD-Qualität. Selbst wenn man den Porti an die heimische HiFi-Anlage anschließt, ist kaum ein Unterschied zwischen CD-Original und Mini-Disc-Kopie zu hören. Wer sich für diesen Standard entscheidet, sollte unbedingt einen Porti kaufen, der auch aufnehmen kann. Vorbespielte Titel gibt es nicht. Erfolgt der Musiktransfer analog oder digital an der HiFi-Anlage, ist eine besonders hohe Qualität sichergestellt.
Auch am Computer kann man seinen Mini Discler mit der passenden Musik bestücken, sofern das Gerät Hi-MD oder den älteren Net-MD-Standard beherrscht. Hier übernimmt eine Software den Datentransfer und die Umkodierung ins Atrac-Format. Die ältere "Open Jukebox" für Net-MD-Apparate gängelt leider ihre Nutzer aus Kopierschutzgründen. Titel von der CD müssen umständlich in den Porti "ein- und ausgebucht" werden. Erst bei der Hi-MD hat Systemerfinder Sony erkannt, daß solche Schikanen nicht mehr zeitgemäß sind, und die Zügel etwas gelockert. Erste Wahl ist die Mini Disc ferner für aktive Menschen, die ihre eigene Musik in bester Qualität aufnehmen wollen: Wer im Chor singt und ein Instrument spielt, kann mit einem guten Mikrofon Aufzeichnungen auf hohem Niveau erstellen.
Wenn es noch mehr Musik sein darf, schlägt die Stunde der mobilen Festplattenrekorder, die zwar nicht die akustischen Qualitäten der Mini Disc erreichen, indes als Datensammler auftrumpfen. Der Urahn dieser Technik ist der Ipod von Apple, der in seinen Anfangszeiten mit einem damals aberwitzig großen Speicher von 5 Gigabyte imponierte. Heute hat der Ipod bis zu 40 Gigabyte an Bord. Das ist Platz für Zehntausende von Musiktiteln oder 800 komplette CDs, umgewandelt ins MP3-Format. Rund 500 Euro kostet das Kultgerät in der höchsten Ausbaustufe. In diesen Tagen ist auch der Ipod-Mini auf dem Markt, der zwar "nur" 4 Gigabyte mitbringt, aber schon für weniger als 300 Euro zu haben ist. Wie bei Sonys Mini Disc ist es nicht möglich, MP3-Dateien direkt auf das Gerät zu schieben. Man muß die mitgelieferte und mit manchen Eigenheiten behaftete Software nutzen, die es nicht nur für den Macintosh, sondern auch für den Windows-PC gibt: CD einlegen, auf die Konvertierung warten (3 Minuten) und anschließend landet alles via USB oder Firewire auf dem Ipod. Daß der Kleine so viel Platz bietet und man seine Lieblingshits immer wieder neu und individuell zusammenstellen kann, schätzt man schnell. Selbst die umfangreichste Sammlung nimmt die Festplatte mühelos auf. Man kann jede wache Minute seines Urlaubs mit Musik unterlegen, ohne auch nur ein Stück wiederholen zu müssen.
Die Ipod-Idee wird von anderen Herstellern fleißig kopiert. Besonders eindrucksvoll ist der Muvo2 von Creative. Nur 6 × 6 Zentimeter klein, speichert er bis zu 4 Gigabyte auf einem Microdrive, also einer Mini-Festplatte, die auch in Digitalkameras eingesetzt wird. Mit USB 2.0 wandert die Musik in Windeseile vom PC zum Muvo2, ein Übertragungsprogramm ist nicht erforderlich. Nur 250 Euro kostet der Winzling, weniger übrigens als das nackte 4-Gigabyte-Microdrive von Hitachi, das im Innern werkelt. Der PMP-140 vom Hersteller i-River geht noch einen Schritt weiter: Hier dient der mobile Apparat auch als Wiedergabemaschine für Videos aller Art. Auf einem 8-Zentimeter-Flüssigkristalldisplay kann man unterwegs die Filme des Sommers sehen. Indes hat der Ipod einen klaren Vorteil gegenüber solchen Kopien: Er verträgt sich bestens mit Apples neuer Musikplattform im Internet. Wer im "Itunes Music Store" die aktuellen Lieder für 99 Cent erwirbt, kann sie problemlos auf den Musikbegleiter packen. Für Nachschub ist also immer gesorgt.
Allerdings muß für diese Prozedur ein PC mitsamt WWW-Zugang vorhanden sein. Wie schön wäre es doch, wenn man gleich am Strand die neue Platte der Lieblingsgruppe aus dem Netz fischen könnte. Mit moderner Kommunikationstechnik werden diese Wünsche schon heute wahr. Kunden des Mobilfunknetzbetreibers O2 können mit dem Siemens-Handy SX 1 jederzeit ihre Lieblingstitel aus 100 000 verschiedenen Stücken aus dem Netz ins Telefon laden. Im "O2 Music Shop" läßt sich ein Titel bis zu 30 Sekunden lang unentgeltlich probehören. Das Übertragen des gesamten Stücks kostet zwischen 99 Cent und 1,99 Euro. Die Downloadkosten für die rund 1,2 Megabyte großen Dateien sind in diesen Preisen schon enthalten. Anschließend legt man die im MP3-ähnlichen Format AAC+ komprimierten Titel auf der Speicherkarte des Handys ab oder überträgt sie später zum heimischen PC. Vodafone hat mit "Mobile Music" ein ähnliches Angebot, und bei T-Mobile gibt es die "Mobile Jukebox". Hier erhält man für 1,49 Euro je Titel allerdings nur einen neunzigsekündigen Remix des Songs und nicht das gesamte Stück. Auf das Siemens-Handy passen derzeit ungefähr 120 Titel, aber viele andere Mobiltelefone sind ebenfalls als Musikmaschinen für unterwegs gut gerüstet, wenn man sie am heimischen PC mit Musik füttert: Beim Nokia 6230 packt man die Lieder auf eine Speicherkarte, und beim K700i von Sony Ericsson ist der fest eingebaute Speicher 40 Megabyte groß: genug für eine Stunde Musik.
Eigene MP3-Dateien für die mobilen Geräte zu erstellen ist übrigens kein Hexenwerk. Im Internet nach MP3s zu suchen ist zwar beliebt, aber illegal. Wer sich auf Tauschbörsen einläßt, muß neuerdings mit juristischen Attacken von Musikmanagern rechnen, die ihre Kunden verklagen, statt sie zu umwerben. Nicht nur deshalb sollte man die Finger von dubiosen Angeboten lassen: Auch die Qualität der illegalen Internet-Stücke ist häufig unzureichend. Am eigenen PC lassen sich CDs schnell, problemlos und vor allem ganz legal auf MP3 eindampfen. Man braucht dafür nur die passende Software. Gratis ist beispielsweise der Audiograbber für Windows (www.audiograbber.de), der mit wenigen Mausklicks die Daten von der Silberscheibe holt und in verschiedene Formate konvertiert. Neben MP3 beherrscht er WMA, den Windows Media Audio Codec und das besonders angenehm klingende Format Ogg Vorbis. Für guten Klang sollte man ein paar Euro aus der Urlaubskasse abzwacken und die mitgelieferten Ohrenstöpsel ersetzen. Ordentliche Kopfhörer für den Einsatz unterwegs können das mobile Musikvergnügen erheblich steigern. Empfehlenswert ist beispielsweise der Klassiker "Portapro" des Herstellers Koss für 80 Euro.