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Veröffentlicht: 30.10.2014, 17:09 Uhr

Tonformat Auro 3D Das Heimkino vor neuen Höhenflügen

3D-Sound ist künftig das Maß aller Dinge im Heimkino. Dolby hat mit seinem Tonformat „Atmos“ bereits zeigen können, wie es sich anhört. Nun kommt mit Auro 3D ein Konkurrenzprodukt.

von Wolfgang Tunze
© Hersteller Ein Software-Update macht ihn fit für Auro 3D: Marantz-Receiver SR7009

Vor zwei Jahren begann der Kino-Ton, den Luftraum zu erobern: Dolby hatte den klassischen Kino-Sound mit seiner Multikanaltechnik für rechts, links, Mitte und Surround um die Höhendimension erweitert. Als Dolby Atmos hielt die neue Technik Einzug in die Kinosäle, seit ein paar Wochen ist sie auch als Ausstattungsmerkmal von Heimkino-Receivern im Wohnzimmer zu haben. Jetzt tritt Konkurrenz auf den Plan: Wilfried Van Baelen, Chef der belgischen Galaxy Studios, hat mit Auro 3D ein System entwickelt, das ebenfalls akustisch in die Höhe strebt und mit seinem speziellen technischen Charme nicht nur den Film, sondern auch die Welt der Musik-Reproduktion bereichern könnte. Kompatibilität zu den Spezifikationen der Bluray Disc zählt ebenso zu seinen Vorzügen wie die ausschließliche Verwendung von unkomprimierten, hochaufgelösten PCM-Tonspuren. Marantz und Denon, die beiden Heimkino-Spezialisten mit tiefen Wurzeln in der HiFi-Historie, haben das Potential erkannt und bieten für ihre Receiver-Flaggschiffe Software-Updates an, die Auro 3D an Bord holen.

Die Höhendimension braucht man für cineastische Effekte: Hubschrauber oder lärmende Piepmätze, die eine virtuelle Schleife über die Köpfe der Zuschauer hinweg fliegen, verleihen dem Kino-Erlebnis die Würze. Aber das ist nur die halbe Wahrheit über den 3D-Klang: Erst die Abbildung der Höhe macht die Illusion vom natürlichen Hören wirklich komplett. Das lässt sich leicht demonstrieren - mit einer geeigneten Mehrkanal-Aufnahme, die auch Lautsprecher unter der Hörraum-Decke ansteuert. Sie plaziert nicht nur den Glockenschlag einer entfernten Turmuhr in die richtige Ebene. Sie verleiht auch den Umgebungsgeräuschen, etwa Verkehrslärm oder Stimmengewirr, das natürliche Volumen. Werden die Höhenkanäle abgeschaltet, zeigt sich ihr Beitrag zum Klanggeschehen verblüffend deutlich. Denn dann klingt plötzlich alles wie eingeebnet, flach und längst nicht so plastisch und lebendig. Diese Art der Desillusionierung erinnert an andere demonstrative Rückschritte in der Wiedergabe-Evolution - etwa an das Umschalten von Surround-Sound auf Stereo oder von Stereo auf Mono.

Die „Stimme Gottes“

Auro 3D hat bereits begonnen, in die Kinos einzuziehen. Im Wohnzimmer verlangt es nach ziemlich anspruchsvollen Lautsprecher-Anordnungen. Die „kleine“ Konfiguration 9.1 etwa ergänzt eine klassische 5.1-Surround-Anlage um vier Lautsprecher für die Höhendimension. Ein 10.1-System fügt noch einen weiteren Lautsprecher direkt unter der Zimmerdecke vorn in der Mitte hinzu, die „Stimme Gottes“. Sie reproduziert Toneffekte, die direkt von oben kommen, etwa Überflug-Geräusche. Auro 3D generiert solche Raumeffekte ausschließlich über die Mehrkanal-Abmischung im Studio. Dolby Atmos setzt darüber hinaus „Klangobjekte“ ein, also spezielle Tonspuren, die über Metadaten den Wiedergabekanälen frei zugeordnet werden. Das macht die Technik komplizierter; die Auro-Lösung, darauf sind ihre Protagonisten stolz, braucht weder in der Produktion noch in der Wiedergabe-Elektronik zusätzliche Hardware.

Und noch einen anderen Vorzug heben die Belgier hervor. Sie arbeiten mit unkomprimierten Tonspuren, die sich komplett in die Tonkanäle etablierter Medien, etwa der Bluray Disc, einfügen lassen. Und das geht so: Von den 24 Bits hochauflösender Tonspuren verwendet das Auro-3D-System vier Bits als Metadaten, übrig bleiben immer noch üppige 20 Bits für den Ton. Dann mixt die Auro-Technik je zwei dieser Spuren in einen einzigen Kanal und verwendet die Metadaten, um die beiden Tonspuren im Wiedergabegerät mit den Mitteln höherer Mathematik exakt wieder auseinanderzudröseln, ohne auch nur ein einziges Bit zu unterschlagen. So lassen sich zu Beispiel in die 5.1-Kanal-Tonspuren einer Bluray Disc die Informationen für einen 10.1-Mix in Auro 3D unterbringen. Und in die zusätzlichen Stereo-Spuren der Scheibe passt dann noch ein klassischer 5.1-Mix.

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Damit steht die Technik nicht nur für ein hohes Maß an Kompatibilität. Die Qualität ihrer Audio-Datenströme prädestiniert sie auch für hochkarätige Musikaufnahmen. Wir fühlen uns an das Jahr 2003 erinnert: Damals hatten die Detmolder Tonmeister Dabringhaus und Grimm erstmals Klassik-Aufnahmen in 3D produziert, indem sie den Center- und den Subwoofer-Kanal einer 5.1-Tonspur für zwei Höhenkanäle umfunktionierten. 2+2+2 nannten sie ihr System. Diese Produktionen gelten noch heute als Höhepunkte in der Geschichte der Musikkonservierung, nur setzte sich 2+2+2 nicht recht durch - wohl auch, weil es nicht kompatibel genug zum Heimkinobetrieb der beteiligte Mehrkanal-Komponenten war.

Eine Auro-Heimkino-Anlage dagegen erlaubt den fliegenden Wechsel von der Symphonie zum Spielfilm - ganz ohne Lautsprecher-Umbau und ohne Wechsel der Elektronik-Konfiguration. Die Münchener Multimedia-Künstler Giorgio und Martin Koppehele haben es erkannt - und ihre jüngste Bluray-Produktion Lichtmond 3 mit 9.1 Kanälen in Auro 3D produziert. Das Ergebnis ist eine unglaublich faszinierende Reise in audiovisuelle Fantasy-Welten. Passende Hardware für die fachgerechte Wiedergabe solcher Werke gibt es schon, sie brauchen nur noch ein Software-Upgrade, das Anfang Dezember zum Download bereitstehen soll. Für die Nachbehandlung eignen sich der AV-Receiver SR7009 und der Vorverstärker AV7702 von Marantz sowie die beiden Receiver-Modelle AVR-X5200W und AVR-X4100W von Denon.

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