25.01.2005 · MP3 war gestern. Aktuelle Geräte für die Jackentasche zeigen nun auch Fernsehfilme und Videos auf kleinen Displays: Alleskönner für Fotofreunde und Spiele-Freaks.
Von Michael Spehr2004 war das Jahr des i-Pod, sagen viele Experten. Der elegante, weiße Musikspieler von Apple wurde zum Kultobjekt und zum begehrten Statussymbol. Was kommt 2005? Wie es mit der Unterhaltungselektronik für die Westentasche weitergeht, zeigen kleine Unternehmen wie Archos und i-River. Hier gehen findige Tüftler einen Schritt weiter: Wenn der Musikspieler ohnehin eine Festplatte hat oder mit Speicherkarten erweiterbar ist, dann spendiere man ihm ein größeres Farbdisplay, und schon taugt der Apparat auch zur Wiedergabe von Foto und Film.
Wie sich die Audio-CD mit dem MP3-Verfahren auf einen Bruchteil ihres ursprünglichen Speicherplatzes eindampfen läßt, kann nämlich auch der Kinofilm äußerst platzsparend komprimiert werden: In den Formaten MPEG 4 oder DivX brauchen anderthalb Stunden Bewegtbild nicht mehr als 700 Megabyte. Hat der Porti eine Festplatte mit 20 bis 80 Gigabyte Fassungsvermögen, kann man dort statt Tausender Musikstücke etliche Kinohits unterbringen.
Noch nicht hosentaschentauglich
Wegen ihres Displays sind die filmfähigen Portis ein bißchen größer und schwerer als reine Musikspieler. Ein typischer Vertreter ist die PMP-Reihe von i-River, die mit Festplattenkapazitäten von 20 bis 40 Gigabyte bis zu 160 Stunden Film speichert. Das robuste Gerät hält man mit beiden Händen, und was dann auf dem 9-Zentimeter-Bildschirm in einer Auflösung von 320x240 Pixel erscheint, ist ganz ordentlich. Zu Hause läßt sich der Porti an das Fernsehgerät anschließen, von dort aufnehmen kann er allerdings nicht.
Hier ist der Archos AV 400 besser ausgerüstet. Die mitgelieferte Docking-Station verbindet ihn schnell mit dem Fernsehgerät oder Satellitenempfänger. Bis zu 20 Aufnahmen lassen sich programmieren, insgesamt passen auch hier viele hundert Stunden Film auf die Festplatte, die je nach Modell zwischen 20 und 100 Gigabyte hat. Am Fernsehapparat erreicht die Wunderkiste eine Bildauflösung von bis zu 704x480 Pixel. Das schafft derzeit kein anderes Produkt. Daß der i-River und der Archos mit rund 300 Gramm nicht gerade hosentaschentauglich sind, wird der ambitionierte Videofan gern verzeihen. 500 bis 700 Euro muß man für diese Top-Produkte auf den Tisch legen.
Es geht auch günstiger
Nicht immer sind teure Geräte angesagt. Schon für 130 Euro ist man mit dem Mustek PVR-A1 dabei. Auch er zeichnet das laufende Fernsehprogramm auf und eignet sich dank eingebautem Mikrofon sogar als digitales Diktiergerät. Zudem ist der PVR-A1 mit 110 Gramm geradezu ein Leichtgewicht. Trotzdem bietet das Display 320x240 Pixel, allerdings nur mit einer Diagonale von 6 Zentimeter.
Wo geht man hier Kompromisse ein? Der Mustek hat keine Festplatte und kaum Speicher (nur 32 Megabyte). Musik und Film werden von Secure-Digital- oder Multimedia-Karten abgespielt, die man extra dazukaufen muß. Eine Karte mit 1 Gigabyte im Secure-Digital-Format kostet rund 80 Euro, und darauf paßt gerade mal ein Kinohit.
Ideal und illeagal
Wer seinen Film von der DVD auf den mobilen Videoplayer packen will, muß einigen Aufwand treiben. Das Eindampfen ins DivX- oder MPEG-4-Format übernimmt spezielle PC-Software, die den meisten Geräten beiliegt. Die Umrechnung kann kompliziert sein und dauert - je nach Rechnerausstattung - einige Stunden. Zudem sind hier die Bestimmungen des Urheberrechts zu beachten: Ein gegebenenfalls auf der DVD vorhandener Kopierschutz darf nicht umgangen werden.
Kein Wunder also, daß es sich viele Nutzer ganz einfach machen: Nemo und seine Freunde findet man auch im Internet kostenlos in den Tauschbörsen, fix und fertig aufbereitet im feinsten DivX-Format und schnell geladen. Daß der Zugriff auf die Tauschbörsen illegal ist, wird ignoriert. Die mobilen Videoplayer sind die ideale Hardware für illegale Software, munkeln Experten, und sie haben damit recht: Ohne Kazaa und Konsorten gäbe es diese Geräte nicht.
Zusatznutzen für Fotografen
Wer einen DivX-Film auf der Festplatte hat, überspielt ihn mit einem USB-2.0- oder Firewire-Kabel auf die Festplatte der mobilen Player oder beschreibt die Speicherkarte. Weil Speicherkarten auch in der Digitalfotografie zum Einsatz kommen, gibt es einige Portis mit Zusatznutzen für Fotografen. Der Epson P2000 und die Giga-Vu-Pro-Modelle des Herstellers Jobo nehmen gern einen Zweitjob als mobiles Bildarchiv an.
Aufnahmen von der Digitalkamera, sogar deren Rohdaten, lassen sich auf der großen Anzeige genau in Augenschein nehmen. Epson hat dafür eine eigene Displaytechnik mit der imponierenden Auflösung von 212 Punkten pro Zoll entwickelt. Jobo verspricht, daß seine Giga-Geräte eine 6-Millionen-Pixel-Aufnahme in weniger als einer Sekunde anzeigen. Auch hier gibt es einen Zoom zur akribischen Kontrolle der Fotos und sogar Kamerafunktionen wie ein Histogramm oder eine Tonwertanzeige. Ferner hat Jobo für seine Player einen Wireless-Adapter im Angebot, der für einen schnellen drahtlosen Datenaustausch mit dem PC sorgt.
Der tragbare Multimedia-Player der Zukunft
Einen anderen Weg beschreiten DivX-Videoplayer, die von einer selbstgebrannten CD abspielen. Der Imp-1100 von i-River sieht wie ein gewöhnlicher CD-Porti aus, hat aber auf seiner Oberseite ein briefmarkengroßes Display, das DivX- und MPEG-4-Filme auf der Silberscheibe zeigt. Natürlich gibt die flache Flunder für 200 Euro auch reguläre Audio- und MP3-CDs wieder.
Eines der interessantesten Kombigeräte für mobiles Videovergnügen kommt im Frühjahr von Sony: Die Playstation Portable ist nicht nur eine Spielekonsole für unterwegs. Sie gibt auch Musik und Videos wieder, fügt sich dank Wireless-Lan in Netzwerke mühelos ein und nutzt das neue Speichermedium "Universal Media Disc" (UMD) mit einem Fassungsvermögen von bis zu 1,8 Gigabyte. Das Display im 16:9-Format gibt bis zu 16 Millionen Farben wieder und erreicht eine Auflösung von 480x272 Pixel. In Japan startete die Playstation Portable vor Weihnachten mit einem Preis von umgerechnet 150 Euro - und war am ersten Tag ausverkauft. Wie der Walkman vor 25 Jahren zum Standard für mobile Audiowiedergabe wurde, könnte die PSP der tragbare Multimedia-Player der Zukunft sein.
Was bei mobilen Videoplayern wichtig ist
1. Die Filmdaten für den Videoplayer befinden sich auf einer Speicherkarte, wie sie auch in Digitalkameras zum Einsatz kommt, oder auf einer eingebauten Festplatte. Beide Techniken haben Vor- und Nachteile. Speicherkarten lassen sich schnell wechseln, bieten indes nicht soviel Kapazität wie eine Festplatte. Die wiederum ist etwas anfälliger und braucht mehr Strom.
2. Für ein ordentliches Bild sollte man auf die Diagonale des Displays und die physikalische Auflösung achten. 320x240 Pixel sind für den Einsatz unterwegs ganz in Ordnung. Ans Fernsehgerät angeschlossen, erreicht man auf diese Weise ungefähr die Qualität einer Videoaufzeichnung auf Kassette.
3. Damit das Filmvergnügen unterwegs kein jähes Ende findet, sollte der Akku möglichst viel Energie bereithalten. Drei Stunden Spielzeit darf man erwarten, einige Player bieten bis zu 10.
4. Technikfreaks achten beim Kauf eines neuen Players auf die technische Ausstattung: MP3-Musik sollte der neue Begleiter abspielen, einige Geräte bringen auch ein Mikrofon für eigene Aufnahmen mit. Wenn der Player auch vom Fernsehgerät aufnehmen kann, erspart man sich mühseliges Konvertieren des Filmmaterials.