Das Kürzel HD verbreitet sich inflationär: Als Abkürzung für High Definition, also hoch aufgelöste Bewegtbilder mit mindestens 720 Zeilen, schmückte es anfangs nur die größten unter den Flachbildschirmen und mobile Profi-Videokameras. Jetzt filmen selbst Knirpse für die Hosentasche in High Definition; demnächst kommt sogar ein erstes HD-Handy in die Läden. Wir fragen uns: Können die beiden Buchstaben auch unter solchen Umständen noch halten, was sie an Qualität versprechen?
Der Winzling Vado HD von Creative ist eine Bewegtbild-Kamera zum Preis von etwa 220 Euro. Sie ist nicht größer als ein Durchschnittshandy von 2006. Das schmucklose, anthrazitfarbene Kästchen hat an seiner Rückseite eine etwas vorstehende Linse, auf seiner Front einen 5-Zentimeter-Bildschirm und ein Tastengeviert für die Navigation. Unter einem Akkudeckel sitzt ein Lithium-Ionen-Speicher, der für zwei Stunden Aufnahmearbeit ausreicht.
Transfer dank digitaler Schnittstelle wesentlich besser
Alle Filme landen in einem 8 Gigabyte großen, fest eingebauten Speicher, der bis zu zwei Stunden Aufnahmen in der bestmöglichen Qualität fasst. Über drei Schnittstellen gelangt das Bildmaterial an die Außenwelt: An eine Klinkenbuchse kann ein Kabel andocken, das Bild und Ton analog an einen Fernseher überträgt, eine HDMI-Schnittstelle erledigt den Transfer digital und damit deutlich besser, und in einer Gehäusenische hält sich ein USB-Stecker am kurzen Kabelstummel bereit.
Als Rechenknechte kommen sowohl Windows-PCs als auch Macs in Frage. Auf den Apple-Rechnern klappt die Wiedergabe mit Quicktime, unter Windows installiert die Kamera den nötigen Codec des Video-Kompressionsstandards H.264 und macht damit den Windows-Media-Player fit fürs Abspielen. Die Wiedergabe funktioniert aber auch mit Vado Central, einer Windows-Software, die der eingebaute Speicher zur Installation anbietet. Sie wartet nicht nur mit einfachen Schnittfunktionen auf, sondern auch mit einer Upload-Taste, die ausgewählte Clips mit einem Mausklick auf die Seiten von Youtube hochlädt.
Unangemessene Schärfe, flaue Konturen
Aber mit echten Kamkordern kann die Videoschachtel schon deshalb nicht mithalten, weil ihr weitwinklig ausgelegtes Linsensystem von denkbarer Schlichtheit ist: Die Lichtstärke bewegt sich auf dem Niveau dessen, was wir von Kamera-Handys her kennen, einen optischen Zoom gibt es nicht, einen Bildstabilisator schon gar nicht. Aber immerhin hat das Gehäuse ein Stativgewinde, etwa zur Fixierung auf einem kleinen Taschen-Dreibein. Im HD-Modus filmt die Kamera mit 1280 mal 720 Bildpunkten, entweder mit etwa 8 Megabit je Sekunde oder, stärker komprimiert, mit ungefähr der halben Datenrate. Ein dritter Modus sorgt für Aufnahmen in Standard-Auflösung mit 640 mal 480 Pixeln.
Die pure Pixelflut der HD-Aufnahmen kann zwar einen großen Bildschirm angemessen füllen, aber die Schärfe, die man von ihr erwartet, stellt sich nicht ein. Konturen wirken eher flau - so als hätte das Halbleiter-Innenleben der Kamera sie hochgerechnet statt wirklich eingefangen. Und die Farben wirken übersättigt - zu kräftig, um wahr zu sein. Jeder erwachsene HD-Kamkorder macht seine Sache wesentlich besser, und auch die bewegten Bilder digitaler Fotokameras sehen meist deutlich klarer aus. Wunder also kann man vom Vado HD nicht erwarten, aber immerhin: Er taugt als allzeit bereites Mini-Utensil für dokumentarische Schüsse aus der Hüfte, und der kurze Weg ins Youtube-Schaufenster hat durchaus seinen eigenen Reiz.
Megapixel für Kleingeist
(CoolP)
- 26.03.2009, 16:41 Uhr
