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T+A Caruso Westfälischer Heldentenor mit acht Ecken

28.06.2009 ·  iPod-Zubehör und Web-Radios traten bisher nur allzu oft als Plastik-Kameraden an, die man nicht ernsthaft auf die Menschheit loslassen kann. Dann nahm sich T+A der Digitalthemen an. Was dabei herauskam, heißt programmatisch Caruso.

Von Wolfgang Tunze
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Wir spielen einmal unsere Vorurteile durch: Wahre HiFi-Fans gehören reiferen Jahrgängen an, goutieren neben erlesenen Klängen gern mittelschwere Rotweine, pflegen liebevoll ihren in Jahrzehnten gewachsenen audiophilen Hausaltar und verdrehen die Augen, wenn nassforsch-juvenile Zeitgenossen sie für neumodische Dinge wie iPod-Dockingstationen, Internet-Radio oder Netzwerk-Spielereien erwärmen wollen. Die imaginierten Herren mit dem Silberhaar werden womöglich noch zu Lebzeiten umdenken, und dafür könnte ein westfälisches Stimmwunder den Ausschlag geben.

Es stimmt schon: iPod-Zubehör und Web-Radios traten bisher nur allzu oft als Plastik-Kameraden an, die man nicht ernsthaft auf den distinguierten Teil der Menschheit loslassen kann, selbst wenn sie eigentlich ganz passabel klingen. Aber dann nahm sich die Herforder High-End-Manufaktur T+A der zeitgeistgetriebenen Digitalthemen an. Was dabei herauskam, heißt programmatisch Caruso, hat die Form eines kompakten Würfels und trägt die Insignien einer Edel-Komponente, wie man sie von diesem Hersteller erwarten darf: Dicke, matt silbern schimmernde Aluminium-Platten bilden die Gerätebasis und das Oberdeck, ein schmuckloses Bedienfeld mit zierlichen runden Tasten gemahnt an die puristischen Gestaltungstraditionen des Hauses.

Alle Ingredienzen einer kompletten HiFi-Anlage

Für das Innenleben und die technischen Funktionen des schmucken Kubus gibt es keinen kurzen Begriff. iPod-Dockingstation? Sicher, die Anschlussmulde auf der Deckfläche lässt daran keinen Zweifel. Aber der kantige Tenor kann noch viel mehr. So vereint er alle Ingredienzen einer kompletten HiFi-Anlage: ein Radio-Empfangsteil für UKW-Sender, ein CD-Laufwerk, das auch DVD-Filme und Fotosammlungen abspielt, einen Verstärker, der digital tickt und 150 Watt Leistung hat, und schließlich noch drei Lautsprecher.

Zwei davon sitzen links und rechts hinter den schwarzen Lochblechen der Front; sie bestreiten als Breitbandchassis die mittleren und hohen Frequenzen. Für die tiefen Töne ist ein 16 Zentimeter großer Subwoofer zuständig, der den Schall nach unten abstrahlt; ein zierliches Fußgestell hält das Gerät und damit auch die Bassmembran in gebührendem Abstand von der Aufstellungsfläche. Soll das ganze Ensemble auch noch Weckdienste übernehmen? Kein Problem, ein Timer startet das Programm zur vorgegebenen Zeit.

Alles ist ihm recht, sofern es keinen Kopierschutz trägt

Selbst damit ist die Liste der Einbauten noch nicht vollständig. Denn der westfälische Caruso ist auch ein Netzwerker: Über Ethernet-Kabel oder W-LAN-Funk spielt er Musiksammlungen ab, die auf einem PC oder einer Netzwerk-Festplatte lagern. Wer zur Verwaltung digitaler Tonschätze das bewährte iTunes verwendet, installiert auf seinem Rechner zusätzlich ein kleines Serverprogramm namens Twonky Media, und schon findet sich Caruso in den Verzeichnissen des Musikarchivs zurecht. Und weil es vom Heimnetzwerk ins World Wide Web nur ein kleiner Schritt über einen Router ist, empfängt die kompakte Anlage auch Tausende von Internet-Radiostationen. Ein spezieller Dienst hält die passenden Adressen automatisch bereit.

Über einen USB-Anschluss auf der Gerätefront nimmt der Kasten zudem noch Kontakt zu einem Speicherstick oder einer Festplatte auf, um dort gespeicherte Musikkonserven zur direkten Wiedergabe anzuzapfen. Was die digitale Fasson der Musikstücke betrifft, so ist der Caruso nicht wählerisch: Ob MP3, AAC aus der Apple-Welt, Windows Media Audio aus dem Microsoft-Universum, Ogg-Vorbis, verlustfrei komprimiertes FLAC oder unkomprimierte Wave-Dateien – alles ist ihm recht, sofern es keinen Kopierschutz trägt.

Komplizierter wird es mit zusätzlichen Lautsprecherboxen

Einrichtung und Verkabelung der Anlage gehen flott von der Hand: Plausible Menüs helfen, die Netzwerkverbindungen zu konfigurieren; meist erschöpft sich die Arbeit darin, das Passwort für ein geschütztes W-LAN einzutippen. Die Verbindung zu einem Bildschirm stellt man am besten über drei Cinch-Buchsen her, die ein analoges Komponentensignal an die Mattscheibe liefern – kein Hexenwerk. Etwas komplizierter wird es mit zusätzlichen Lautsprecherboxen.

Soll zum Beispiel ein externer Subwoofer die Basswiedergabe unterstützen, so bietet das Bedienmenü mehrere Übergangsfrequenzen zur Auswahl an, jeweils passend zu unterschiedlichen Lautsprechergrößen. Und sollen zwei Stereoboxen mitmischen, so kann man die eingebauten Schallwandler entweder komplett zum Schweigen bringen, oder die Elektronik weist ihnen die Funktion von Center-Lautsprechern zu, die zwischen rechtem und linkem Kanal für eine stabile Mitte sorgen.

Keine Explosionen und Action-Getöse

Wir haben beim Probehören ganz auf zusätzliche Boxen verzichtet, um Carusos Talente pur zu erforschen. Und wir waren, gelinde gesagt, verblüfft: Der Herforder Würfel spielt für Genießer, mit sauberen, unverfälschten Klangfarben, einem Stereopanorama, das seine physischen Begrenzungen weit überschreitet, schöner, präsenter Stimmwiedergabe und klarer Sprachverständlichkeit. Dazu verhelfen ihm unter anderem die Rechentalente eines digitalen Signalprozessors, der die natürlichen Unzulänglichkeiten der eingebauten Breitbandchassis kompensiert und für die luftige Weite des Klangbilds sorgt.

Der Prozessor kann sogar segensreich wirken, wenn Caruso als Tischgerät agiert und folglich seine Unterlage zu unerwünschtem, sonorem Mitschwingen anregt. Synthetische Surround-Effekte verkneift sich der Chip; aber auch in Stereo klingt der Ton zum Videobild tadellos und überzeugend. Natürlich: Für Explosionen und Action-Getöse reichen die Basskräfte des eingebauten Tieftöners nicht aus, aber ein Caruso muss solche groben Tonlagen auch nicht unbedingt beherrschen. Als subtiler Musikant jedenfalls hat er uns ebenso erfreut wie als vielseitiger High-Tech-Adept, und so finden wir auch den Preis von 1750 Euro durchaus standesgemäß.

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