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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Sony Vaio PCV-W1 Alleskönner mit Maus, Tastatur und Fernbedienung

 ·  Der PC nimmt Anlauf aufs Wohnzimmer

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Wieder einmal soll der Computer ins Wohnzimmer einziehen. Solche Ankündigungen sind nicht neu, aber jetzt geht es wirklich zur Sache. Zum einen entwickeln sich ganz neue Bauformen für den PC, etwa die Barebones: Computer in einem schicken, vorzeigbaren Brotkasten-Gehäuse mit besonders leisem Lüfter. Sie nutzen Standard-Komponenten, gehen aber viel effizienter mit dem Raum um. Dann kommt die passende Software dazu: Microsoft präsentiert die "Media Center Edition" von Windows XP, eine Ergänzung des Betriebssystems für alles Multimediale wie Fernsehen, Fotos und Musik. Konsequenterweise gehört zu diesen Wohnzimmer-PCs auch gleich eine Fernbedienung. "Das können wir auch ohne Microsoft", mag sich nun Sony gedacht haben und geht mit seinem Vaio PCV-W1 die Verbindung aus Computer und Unterhaltungselektronik an.

Auf den ersten Blick sieht der neue Vaio wie ein großes TFT-Display mit angeflanschter Tastatur aus. Auf den zweiten Blick entdeckt man die PC-Komponenten hinter dem 39x23-Zentimeter-Display im Breitbild-Format. In dem rückwärtig verstauten Kasten steckt ein Pentium-4-Prozessor von Intel mit 2,8 Gigahertz, der über 512 Megabyte Arbeitsspeicher und eine 160-Gigabyte-Festplatte befiehlt. An der rechten Seite ist ein DVD-RW-Laufwerk verstaut, zudem findet man analoge Audio- und Videoeingänge, einen Schacht für den unvermeidlichen Memorystick, USB, Ethernet, Firewire, Modem und einen Antenneneingang für analoges Fernsehen. Wireless-Lan fehlt. Vorn am Display ist die Tastatur befestigt. Man kann sie flach nach oben klappen, dann schalten sich PC und Fernseher aus, oder zusammenklappen, dann tauchen Bedienelemente für den TV-Empfänger auf. Leider läßt sich die Tastatur nicht abnehmen: So hockt man bei der Nutzung des PCs ziemlich dicht am Bildschirm.

Apropos PC: Unter Windows XP gibt es hier keine Überraschungen, der Sony verhält sich wie jeder andere Computer. Erst mit den multimedialen Komponenten entstehen neue Anwendungen. So kann man etwa auf Knopfdruck das Programm des eingebauten TV-Tuners für analoges Fernsehen auf der Festplatte aufzeichnen, einzelne Sendungen wie bei einem Videorekorder aufnehmen, das Ganze anschließend schneiden und auf DVD brennen. Oder man nimmt während einer laufenden Fernsehsendung Standbilder auf, bearbeitet und speichert sie im Programm zur Fotoaufbewahrung und druckt sie eventuell noch aus. Solche Synergieeffekte sind ohnehin der größte Vorzug dieses Geräts. Allerdings stößt man an Grenzen: DVDs kann man nur ansehen, nicht aber mit Bordmitteln auf Festplatte speichern oder kopieren. Musik wird mit der "Sonic Stage" verwaltet, eine Software, die auch bei neuen Mini-Disc-Playern von Sony zum Einsatz kommt. Sie fällt negativ durch ihre komplizierte Bedienung sowie unerträgliche Kopierschutz-Kapriolen auf.

Die Bedienung der Komponenten TV, Video, DVD ist zudem alles andere als einheitlich. Für die DVD-Wiedergabe kommt die Software Power-DVD von Cyberlink zum Einsatz, für die Wiedergabe von eigenen Aufnahmen ein Sony-Programm. Menüs, Befehle und Funktionen sind uneinheitlich. Mal gibt es große Symbole am oberen Bildschirmrand, dann Programme, die sich gar nicht mit der beiliegenden Fernbedienung steuern lassen. Tasten, die in einem Modul belegt sind, wechseln sich mit funktionslosen in einem anderen Menü ab. Da erscheint bei "Sonic Stage" ein "Menü" auf dem Bildschirm, und wenn man die Menü-Taste der Fernbedienung drückt, passiert nichts. Das kann einen zur Raserei bringen. Kurzum: Was die Medienausstattung betrifft, hat sich Sony für ein bunte Software-Mischung entschieden, die in der Praxis nicht überzeugt. Als Multimedia-Maschine für den anspruchsvollen Nutzer taugt der Vaio PCV-W1 nicht. Wie sieht es aber aus, wenn man den Apparat für 2000 Euro als Luxus-Fernseher mit gehobener Ausstattung im Wohnzimmer plaziert?

Da muß man sich zunächst einmal an das laute Gebläsegeräusch des Lüfters gewöhnen, wenn man den Vaio startet. Es nimmt zwar dann gleich wieder ab, ist aber weiterhin stets vernehmbar. Störend ist das Rauschen vor allem, wenn man den Vaio als Musikmaschine nutzt, die zum Beispiel während der Arbeit am PC nebenbei läuft: Bei geringer Lautstärke beeinträchtigt das Nebengeräusch den Genuß arg.

Die TV-Programme sind bei der ersten Inbetriebnahme zügig programmiert und in der gewünschten Reihenfolge sortiert. Spontaner Mittschnitt oder Timer-Aufnahmen sind einfach bewerkstelligt. Das Fernsehbild ist in Größe und Format variabel und in der Qualität akzeptabel, kann aber mit dem eines ordentlichen TV-Geräts nicht mithalten, für den Klang gilt ähnliches. Wenn der Vaio den Fernseher dennoch aus dem Wohnzimmer verdrängen soll, stellt sich die Frage, wohin mit ihm. Es müßte ein wohnliches Plätzchen für den Filmeabend sein, an dem aber zugleich Tastatur und Maus einsetzbar sind, sonst bliebe ja das hochwertige PC-Innenleben ungenutzt. Schwierig. Schon deshalb ist der Kombi-Sony eher PC mit integriertem Zweitfernseher fürs Arbeits- oder Jugendzimmer als Erstfernseher fürs Wohnzimmer.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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