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Sony MP3-Player Es muss nicht immer ein iPod sein

 ·  Taschenspieler gibt es nicht nur von Apple, auch wenn einige Produkte dem iPod ähneln. Sonys Variante funktioniert auf der Basis von Googles Android 4. Ein Test.

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© Hersteller Vergrößern Nur beim Klang kann der Sony-Player NWZ-F805 dem iPod paroli bieten

In diesen Tagen blickt alle Welt mal wieder in Richtung Apple. Zugegeben, wir machen da keine Ausnahme, erlauben uns aber, auch den Rest der Elektronikwelt nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Zum Beispiel jene Taschenspieler für Musik und Videos, die dem iPod touch ziemlich ähnlich sehen, vergleichbare Funktionen bieten, aber eben nicht nach den Vorgaben von Apples Betriebssystem iOS ticken, sondern auf der Basis von Googles Android 4. Sonys Walkmänner, jedenfalls die größeren unter ihnen, gehören dieser Spezies an. Wir haben uns exemplarisch mit dem Modell NWZ-F805 beschäftigt, einem Player mit 16 Gigabyte Speicher an Bord, der für etwa 220 Euro zu haben ist.

Ein Vergleich mit der jüngsten, erst kürzlich erschienenen iPod-Generation wäre nicht ganz fair: Die Neulinge im Apple-Programm gibt es nur in Versionen von 32 Gigabyte an, und sie bewegen sich preislich in einer deutlich höheren Liga. Aber die vierte Generation des iPod touch, die im Apple Store immer noch ihre Stellung hält, gibt einen geeigneten Sparringspartner her: Die 16-Gigabyte-Version kostet dort 209 Euro, Pluspunkt für Apple. Im Gewicht unterscheiden sich der Walkman und der iPod nicht nennenswert: 101 Gramm wiegt der eine, 100 der andere.  Und die Dimensionen? Der Walkman ist um vier Millimeter länger, eine Winzigkeit schmaler und dicker - das alles macht den Kohl nicht fett.

Die Ähnlichkeit der Konzeptionen ist unverkennbar

Gravierender sind schon die Unterschiede der beiden Touchscreen-Bildschirme. Sonys Walkman zeigt auf seinem 9,9 Zentimeter großen Display 800 × 480 Bildpunkte, der iPod dagegen bringt auf seinem 10,6 Zentimeter großen Schirm 960 × 640 Pixel unter. In ihren Basisfunktionen ähneln die beiden Kontrahenten einander: Beide haben natürlich Archiv- und Abspielsoftware für die Musikwiedergabe im Repertoire, geben Fotos und Videos in MPEG-4 oder H.264 wieder, halten über W-Lan Kontakt zum Internet und kontaktieren Peripheriegeräte über Bluetooth, bieten Browser-, E-Mail- und Kalenderprogramme, geben mit Kartendiensten Orientierung und beziehen weitere Apps aus einem ganzen Angebots-Universum - der iPod über den App Store, der Walkman über das Android-Gegenstück Google Play.

Online-Musik bezieht der iPod vorzugsweise über den iTunes-Vertrieb, Sony bietet sein Portal Music Unlimited als tönende Quelle an. Es funktioniert ein bisschen anders als Apples Download-Kaufladen: Music Unlimited ist ein Abo-Streaming-Dienst. Gegen regelmäßige Gebühren kann man nach Herzenslust Musik aus dem Internet saugen, entweder für den direkten Genuss oder zur Speicherung auf dem Abspielgerät. Das günstigere, „Zugriff“ genannte Abo ist auf stationäre Geräte wie PCs, Macs und die PlayStation zugeschnitten.

Es kostet 4,99 Euro im Monat. Für das „Premium“-Abo, das auch alle mobilen Android-Geräte, iPhones und iPod-Touch-Modelle versorgt, verlangt Sony nicht ganz unbescheidene 9,99 Euro. Music Unlimited kann zudem alle schon im digitalen Haushalt vorhandenen Musikbibliotheken mit der „Cloud“ synchronisieren, so ähnlich, wie Apple es macht. Die Idee: Das ganze Privatarchiv soll überall verfügbar sein, ganz ohne umständliche Überspielaktionen zwischen den einzelnen Geräten. Die Ähnlichkeit der Konzeptionen zwischen iPod-Touch und Walkman ist zwar unverkennbar, es gibt aber doch größere Unterschiede im Detail.

So hat der Walkman einen GPS-Sensor an Bord, um Kartendienste und Navigationssoftware zu unterstützen. Der iPod kann sich nur grob an W-Lan-Hotspots orientieren. Sonys Player kann zudem UKW-Radio empfangen, mit dem iPod kann man nur über das Internet Radio hören. Dafür punktet der Apple-Knirps mit seiner eingebauten Kamera, die sogar HD-Vidoes mit 720 Zeilen drehen kann. Sony hat auf die Kamerafunktion komplett verzichtet.

Alles in allem, so würde unser vorläufiges Fazit lauten, hat der Apple mit seiner feineren Verarbeitung, seinem deutlich höher auflösenden, größeren Bildschirm, seiner Kamera und seinem etwas günstigeren Preis die Nase vorn; Sonys Hörfunk-Ausrüstung und der GPS-Sensor machen die iPod-Vorteile nicht wett. Wäre da nicht ein letztes Vergleichskriterium: der Klang. Sony stattet seinen Walkman mit dem besseren Kopfhörer aus. Das In-Ear-Modell der Japaner tönt deutlich klarer, differenzierter und basskräftiger als der Billig-Ohrhörer, den Apple den Käufern seines iPod-touch zumutet.

Dieser Aspekt gehört mit in die Preiskalkulation: Wer die musikalischen Fähigkeiten des iPod-touch auskosten will, kommt um die Anschaffung eines Extra-Hörers nicht herum. Auch den Sony-Spieler könnte man natürlich noch akustisch veredeln, aber für den Anfang macht der Serien-Hörer seine Sache gut genug.

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