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Sony Bloggie 3D Schnappschüsse mit Tiefenwirkung

Bloggie 3D heißt die neue zweiäugige Minikamera von Sony. Sie lichtet die Welt mit zwei Objektiven ab, hat das Rüstzeug für den Schnappschuss mit stereoskopischer Tiefenwirkung und macht Fotos und Videos in 3D.

© Hersteller Vergrößern Zweiäugig für 3D-Schüsse: Bloggie 3D MHS-FS3

Noch vor ein paar Monaten hieß das Synonym für den kurzen Prozess in der digitalen Bilderwelt fast selbsterklärend „The Flip“. Das Konzept im Telegrammstil: die Winzig-Kamera aus der Hemdtasche holen, zum Auslösen auf den einzigen vorhandenen Knopf drücken, mit dem eingebauten USB-Klappstecker Kontakt zum Computer herstellen, die selbst geschossenen Bilder und Filme angucken. Oder mit drei Mausklicks ins Internet laden. Doch die „Flip“ ist Geschichte: Sie geriet unter die Fittiche des Netzwerk-Riesen Cisco, dem nichts Besseres einfiel, als ihre Fertigung alsbald einzustellen.

Aber die Idee hat überlebt, fast alle großen Unterhaltungselektronik-Hersteller bauen heute kongeniale Kamerazwerge. Das jüngste Modell stammt von Sony, hört auf den Namen Bloggie 3D MHS-FS3 und lichtet die Welt mit zwei Objektiven ab, sie hat das Rüstzeug für den Schnappschuss mit stereoskopischer Tiefenwirkung. Die Bloggie soll die großen Bildschirme von 3D-tauglichen Fernsehern füllen. Sie scheint dafür gerüstet: Im 3D-Modus, das behaupten die Datenblätter, produziert sie stereoskopische Fotos mit der vollen HD-Auflösung von 1920×1080 Bildpunkten. 3D-Videos kommen ebenfalls in diesem Pixelraster auf die Bildfläche; allerdings teilten sich die stereoskopischen Bilderpaare die horizontale Auflösung nach dem Prinzip der „Side-by-Side“-Kodierung - also: die Motive für das rechte und das linke Auge werden zur Übertragung an den Fernseher seitlich zusammengestaucht und zu einem Bild nebeneinander montiert, zur Wiedergabe dann wieder getrennt und auf Normalmaße gestreckt.

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Übertragung ins Netz mit nur wenigen Klicks

Für den zweidimensionalen Betrieb versprechen die technischen Daten ebenfalls Bewegtbilder mit vollem HD-Pixelraster und 60 Vollbildern in jeder Sekunde, digitale Fotos können sogar stolze fünf Megapixel umfassen. Natürlich beherrscht die Mini-Kamera auch knappere Auflösungen für den Export ins Internet - bis hin zum Raster 480×640 Pixel: In diesem Format liefert sie Bewegtbilder ab, wenn sie ihre Umgebung live als Webcam abfilmt. Die Übertragung ins Netz gelingt mit nur wenigen Klicks: Die mitgelieferte Software (für Mac und Windows) bietet eine Motivübersicht an, und mit einem finalen Klick entscheidet der Bloggie-Knipser, ob seine Werke in Facebook, Youtube, Flickr oder Picasa landen sollen.

Eingebaute Speicherchips mit einem Volumen von 8 Gigabyte dienen der Bloggie als Zwischenlager. Zur Verbindung mit den Fernseher bringt sie einen Mini-HDMI-Anschluss mit, und als Energiequelle nutzt sie einen eingebauten Lithium-Akku. Die Bedienung der Bloggie ist kinderleicht: Für Video- und Foto-Schüsse gibt es separate Auslösertasten, drei weitere Tasten verraten ihre Funktionen in den Kontexten der Bildschirm-Anzeigen. Im 3D-Modus schaltet das sechs Zentimeter große Display automatisch auf 3D-Anzeige um; die Darstellung wirkt ein bisschen grob, vermittelt aber immerhin eine Anmutung von der Tiefenwirkung der späteren Videokonserve.

Scharfe Fotos mit sauberer Detailzeichnung

Im praktischen Einsatz zeigt die Bloggie Eigenschaften, wie man sie von der Kamera-Abteilung guter Smartphones kennt: Die Linsen arbeiten mit weitwinkliger Festbrennweite, eine Zoomfunktion beruht auf dem Prinzip der digitalen Ausschnittvergrößerung. Der Autofokus funktioniert nicht so flott wie der einer erwachsenen Fotokamera, verzögert also die Foto-Auslösung, trifft dann aber sicher. Und der Bildstabilisator wirkt spürbar, aber nicht so stark wie in einem großen Kamkorder. Auch in der Disziplin Bildqualität muss man im Vergleich zu größeren Aufnahme-Kalibern Kompromisse hinnehmen: Im Dämmerlicht gewinnen Rauschen und Konturenschwäche rasch die Oberhand. Anständiges Licht vorausgesetzt, leistet der Bloggie-Knirps aber Beachtliches: Scharfe Fotos mit sauberer Detailzeichnung sind Ehrensache. HD-Videos, die den Namen wirklich verdienen, füllen selbst große Bildschirme mit klaren Konturen und realistischen Farben.

Jede Mange Spaß machen natürlich die 3D-Schüsse. Sie wirken besonders eindrucksvoll, wenn man die Sony-Empfehlungen einhält: Der Mindestabstand zum Motiv sollte zwei Meter betragen, sonst springen Bild-Details ungenießbar heftig aus dem Bild heraus in Richtung Betrachter. Im Extremfall entstehen sogar Doppelkonturen, die Augen bringen die beiden Detailbilder nicht mehr zur Deckung.

Und: Alle Bestandteile des Motivs, die weiter als fünf Meter entfernt liegen, wirken nicht mehr allzu plastisch. Mit etwas Übung erkannt man die Voraussetzungen für wirkungsvolle 3D-Inszenierungen intuitiv. Und was sich dann auf dem Bildschirm zeigt, lohnt die Investition in die Taschenkamera allemal: 250 Euro kostet die kleine Sony.

Quelle: F.A.Z.

 
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