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Sonos Mit dem Zeigefinger ins tönende Netz

03.10.2009 ·  Sonos hat die Steuerung seiner genialen drahtlosen Musikanlage veredelt - und gleich noch soziale Musik-Netzwerke erschlossen. Für die beiden Player-Modelle gibt es eine neue Fernbedienung namens Controller 200.

Von Wolfgang Tunze
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Wir könnten diesen Beitrag recht kurz halten: Jetzt hat Sonos sein Musiksystem um eine tolle neue Fernbedienung ergänzt. Punkt, Ende. Aber das wäre schade: Zum einen möchten wir die Gelegenheit nutzen, das originelle und in dieser Form bisher einzigartige Gesamtkonzept einer drahtlos-futuristischen HiFi-Anlage in Erinnerung zu rufen. Wir hatten es im August 2007 erstmals vorgestellt; seither hat sich der Hersteller ein paar zusätzliche Finessen einfallen lassen. Darüber hinaus greift der Begriff Fernbedienung viel zu kurz: Der elegante Handsender erschließt so nebenbei die musische Seite sozialer Netzwerke im Internet - einen schier grenzenlosen digital-akustischen Erlebnispark.

Aber der Reihe nach: Das kalifornische Unternehmen Sonos peilt all jene maßvoll technikaffinen Zeitgenossen als Kundschaft an, die ihre Musik zwar längst in Archiven wie iTunes oder gar auf Netzwerkfestplatten horten, ansonsten aber den Computer lieber aus den Wohngemächern heraushalten. Dazu bietet Sonos Abspielstationen an, sogenannte Zonen-Player, die alle im Heimnetz verfügbaren Musikarchive anzapfen. Von diesen Apparaten lassen sich beliebig viele im Haus verteilen. Sie kommunizieren untereinander drahtlos, nach einem eigenen Technikstandard, der Konfigurationen überflüssig macht. Nur eines der Wiedergabegeräte braucht eine Ethernet-Verbindung zum herkömmlichen Heimnetzwerk, um über diese Brücke an die Musik zu gelangen - nicht nur an jene Tonschätze, die auf heimischen Festplatten rotieren, sondern auch an die ganze Radiovielfalt im Internet.

Die Installation, eine Sache von Minuten

Sonos bietet zwei verschiedene Zonen-Player an: den Z90 (einzeln um 350 Euro), der den Ton analog über Cinch-Anschlüsse oder digital ausgibt und zur Wiedergabe einen separaten Verstärker als Mitspieler braucht, und den Z120 (um 500 Euro), der mit eingebauten digitalen Endstufen die Lautsprecher direkt ansteuern kann und auf Wunsch auch noch Kontakt zu einem aktiven Subwoofer aufnimmt. Beide Player können über Cinch-Eingänge außerdem noch analoge Zuspieler in die vernetzte Anlage einbinden.

Wer mag, kann die beiden Player-Modelle zusammen mit der neuen Fernbedienung namens Controller 200 für knapp 1000 Euro als Starter-Paket 250 erstehen. Als Einzelbaustein kostet das Steuergerät um 350 Euro. Die Installation ist eine Sache von Minuten. Der Computer, ob Mac oder PC, kann sich aus diesen Prozeduren allerdings nicht ganz heraushalten: Er muss die Sonos-Bausteine auf die Fährte der gespeicherten Musik setzen, und dazu lässt er eine Software laufen, die alle nötigen Such- und Konfigurationsaufgaben automatisch erledigt und gleich noch schaut, ob die Firmware der Sonos-Komponenten auf dem neuesten Stand ist. Bis zu 16 Festplattenarchive auf unterschiedlichsten Geräten lassen sich so in die virtuelle Sammlung einbinden, und an der synchronen oder individuellen Wiedergabe können sich bis zu 32 Abspielstationen beteiligen, falls das private Domizil einen eher großzügigen Grundriss hat.

Der Apple-Lösung wie aus dem Gesicht geschnitten

Die neue Fernbedienung bewahrt dennoch den Überblick. Nur drei Tasten reichen ihr für das Nötigste: Ton aus, Lautstärke, Home. Die Home-Taste führt zur Generalübersicht auf dem spielkartengroßen farbigen Touchscreen. Sie lädt ein, auf „Bibliothek“ zu tippen, um die Festplattenarchive aufzurufen, auf „Radio“, um Tausende Internetsender zur Auswahl zu stellen, auf „Eingang“, um angeschlossene Analogzuspieler zu aktivieren, auf zuvor angelegte „Sonos-Playlisten“ oder auf die Internet-Musikdienste von „Last.fm“.

Was immer der Handsender dann aufruft, sortiert nach Genres, Alben, Interpreten, Radio-Regionen und anderen kontextbezogenen Kriterien: Die Navigation ist das reine Vergnügen. Ein Wisch mit dem Finger, und eine endlose Liste flitzt über die Bedienoberfläche. Das alles gemahnt an die Bedien-Usancen des iPhones, und die Anlehnung an Apple-Ideen setzt sich fort: Gilt es zum Beispiel, Klartext in eine Suchmaske einzugeben, poppt eine virtuelle Tastatur auf, die der Apple-Lösung wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Und: Für das iPhone gibt es sogar eine Sonos-Software, die Apples Telefon in eine komfortable Fernbedienung mit gleicher Funktionalität verwandelt.

Wer sich registriert, hat Zugriff auf ein mächtiges Angebot kostenfreier Musik

Zu den pfiffigsten Errungenschaften aber zählt die Einbindung in den Internetdienst „Last.fm”. Wer sich hier registriert und auf der Website ein paar Lieblingsinterpreten verrät, hat über die Sonos-Anlage nicht nur Zugriff auf ein mächtiges Angebot an kostenfreier Musik. Er bekommt zum Beispiel auch zur Auswahl zugespielt, was zu seinem persönlichen Musikgeschmack passen könnte. Die Empfehlungsfunktion lässt sich auf bidirektionalem Weg für den sozialen Austausch im Netz ausbauen: Schaltet der Sonos-Handsender die „Scrobble“-Funktion frei, registriert „lastfm.de“ auf anonymer Basis alles, was die Anlage abspielt, und leitet daraus Empfehlungen für andere Mitglieder der digitalen Community ab, die sich durch ähnliche Musikvorlieben hervortun. Das alles beschreibt schlechterdings nur in groben Zügen, was man mit Sonos und seinem neuen Steuermann anstellen kann, wenn der Tag lang ist. Unser erster Eindruck: Diese Musikanlage mäht mit ein paar Fingertipps alle Zugangsgrenzen zum Universum der digitalen Musik nieder. Und weil sie auch noch sehr gut klingt, begeistert sie einfach rundum - auch wenn sie ein bisschen teurer ist als Opas HiFi von der Stange.

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