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Sennheiser Orpheus im Test : Der teuerste Kopfhörer der Welt

Bild: F.A.Z., Marco Dettweiler

Sennheiser wollte den besten Kopfhörer der Welt bauen. Das hat geklappt. Es ist leider auch der teuerste geworden. Sind 50.000 Euro der Preis für den perfekten Klang?

          Sennheisers neuer Kopfhörer HE 1060 kostet inklusive Verstärker 50.000 Euro. Dafür bekommt man einen Porsche Boxster. Während der Autofahrer mit seiner Anschaffung die Überholspur mieten, in Urlaub fahren oder die Kurven im Taunus kennenlernen kann, produziert der Kopfhörer von Sennheiser für seinen Besitzer lediglich Schallwellen. Nun mag nicht jeder Autos. Manche Menschen mögen die Musik so sehr, dass sie ihr Geld nicht in ein teures Transportmittel investieren und es lieber in eine edle HiFi-Anlage stecken. Dann sind 50.000 Euro gar nicht mal so viel. Das Geld ist schnell ausgegeben für Lautsprecher mit Verstärker und Wandler im High-End-Bereich. Und damit ist Sennheisers Paket vergleichbar.

          Wenn es Musikliebhabern nur um den Klang geht und sie auf die körperliche Erfahrbarkeit von Schallwellen verzichten können, ist ein Kopfhörer sogar die bessere Wahl, weil die Investitionen geringer sind. Der Eintritt in den Club der exzellenten Klänge beginnt bei 1000 Euro für einen Beyerdynamic T1. Für die Premiummitgliedschaft kann man 3500 Euro (Hifiman 1000) oder gar 5000 Euro (Stax SR-009) ausgeben. Selbst wenn man einen teuren Verstärker für den Kopfhörer dazurechnet, sind die Preise für Top-Modelle von jenen 50.000 Euro noch weit entfernt, die Sennheiser nun verlangt. Kann vor allem der Klang des HE 1060 so viel besser sein?

          Nur ein Teil des Orpheus: der offene Kopfhörer Bilderstrecke

          Sennheiser ist davon überzeugt und hat einige deutsche Journalisten zu sich in die Wedemark eingeladen, um exklusiv den neuen Orpheus Probe hören zu können. Orpheus? Richtig, das war doch was. Sennheiser hatte schon einmal den besten und teuersten Kopfhörer der Welt gebaut. Im Jahr 1991 verließen lediglich 300 Exemplare die Fertigungshallen in der Wedemark, 20 000 D-Mark mussten die Besteller dafür zahlen, unter ihnen war auch Paul McCartney und sicherlich der eine oder andere Scheich.

          Sennheiser wollte es nun noch einmal wissen. Das Unternehmen hat zehn Jahre lang geforscht, indem Methoden verfeinert und neue Materialien ausprobiert wurden, damit im Jahr 2015 zum siebzigsten Jubiläum des Unternehmens abermals gesagt werden kann: „Das ist der teuerste und beste Kopfhörer der Welt.“

          Der Orpheus beherrscht souverän alle Disziplinen

          Vor dem neuen Orpheus saßen wir also mit unseren Lieblingsliedern, die wir schon auf so vielen Kopfhörern gehört haben: elektronische Musik von Aphex Twin und Basic Channel, Rockiges von Deep Purple und Pink Floyd, Ausgefeiltes von Radiohead und Peter Gabriel, Trip-Hop und Brit-Pop von Massive Attack und Oasis. Zunächst gingen wir die übliche Checkliste durch. Wie gut sind Impulstreue, Dynamik, Bühne, Staffelung und Kontur der Töne? Der Orpheus beherrscht souverän alle Disziplinen.

          Mark Knopflers Gitarrenschläge im instrumentalen Refrain von „The man’s too strong“ rüttelten so kräftig am Trommelfell, als stünde der Dire-Straits-Frontmann direkt neben uns. Die langgezogenen musikalischen Schreie von Ian Gillan in „Child in time“ spannten sich wie Drahtseile dermaßen stramm und fest vor uns, dass man sich förmlich an ihnen entlanghangeln konnte. Den Einstiegsbass von Aphex Twin trieb der Orpheus so direkt nach vorn, wie es sonst nur der T1 von Beyerdynamic schafft. Peter Gabriels geniale Band verteilte sich in „Secret world“ so auf der imaginären Bühne um uns herum, dass man auf jeden Musiker einzeln zeigen und sein Instrument sehr genau identifizieren konnte. Der Bass in „Angel“ von Massive Attack ist wirklich so tief, wie es andere Kopfhörer häufig nur andeuten, und breitet sich als breites Fundament aus, damit sich das Stück entfalten kann. Und die Mandoline von David Grisman in „The thrill is gone“ begleitet der Orpheus differenziert in höchste Lagen, ohne spitz oder klingelig zu werden.

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