14.01.2005 · Der Scanner Reflecta DigitDia 3600 verwandelt zügig Dias im Magazin zu Bilddateien. Das volle Diaarchiv hat damit ein Ende.
Von René PurwinRar sind für den Fotoamateur erschwingliche Scanner, die auch eine größere Anzahl von Vorlagen automatisch digitalisieren. Dem Fotografen mit überquellendem Diaarchiv kann mit dem Reflecta DigitDia 3600 geholfen werden. Dieser als Diaprojektor verkleidete Scanner bietet den Vorteil, Kleinbilddias aus allen gängigen Diamagazinen zu scannen. Damit entfällt das mühsame und fingerabdruckgefährliche Herausnehmen aus dem Magazin und Einfädeln in klapprige Vorlagenhalter. Der größte Vorteil ist, daß ein Magazin Dia um Dia gescannt werden kann. Negative verarbeitet der Reflecta nur gerahmt.
Die Praxis: Man legt das Magazin ein, startet auf dem PC oder Mac die mitgelieferte Cyberview-Software und wählt den automatischen Batchscan-Betrieb. Dann kann man sich gemütlich aufs Ohr legen und am nächsten Morgen hundert digitale Bilder auf der Festplatte bewundern. Vorausgesetzt im Magazin steckte nicht ein besonders dünnes oder dickes Rähmchen, das in der Transportmechanik hängenbleibt. Vielleicht war auch die Festplatte beim achtzigsten Bild schon voll, denn die Scan-Dateien sind groß: Bei voller Auflösung von 3600 dpi und ohne Qualitätsverlust im TIF-Format gespeichert sind es je Bild rund 46 Megabyte, mit einer Farbtiefe von 16 Bit gescannt, sogar satte 92 MB.
Um diese Datenmengen zügig in den Computer zu schaufeln, hat der Digitdia sowohl Firewire (IEEE1394) wie auch USB-2.0-Anschlüsse. Das Scannen eines Dias mit 3600 dpi dauert nur rund 80 Sekunden. Ein normales 50er-Magazin wird im 300-dpi-Vorschaumodus binnen 18 Minuten gescannt. Beim flotten Arbeiten wird der große Scanner laut. In seinem Gehäuse erkennt man sofort die bewährten Reflecta-Projektoren wieder: Es fehlt nicht einmal das beleuchtete Fensterchen zur Sichtkontrolle der Dias.
Leider können die Scans durch ihre technische Qualität nicht wirklich überzeugen. Auch mit der überarbeiteten Firmware, die man bequem aus dem Internet (www.reflecta.de) laden und selbst installieren kann, wird die beworbene maximale Dichte von 3,8 nicht erreicht. Dunkle Bildpartien "saufen ab" und zeigen sich von der eher körnigen Seite. Vom 16-bit-Modus, der ja eigentlich mehr als genügend Reserven in Sachen Dichteumfang bieten sollte, profitieren die Scanergebnisse nur dann, wenn man heller scannt, so daß etwas mehr Licht in die Schatten kommt. Die Bildschärfe läßt zu wünschen übrig, und die Bildtöne sind nicht sauber differenziert. Die Bilder kamen in der Regel recht hell, aber ziemlich farbrichtig auf den Bildschirm. Leichte Farbkorrekturen lassen sich in der Bildbearbeitung vornehmen ebenso wie das nötige zusätzliche Schärfen. Leider hat der DigitDia keine automatische Staub- und Kratzerentfernung. Um Bilder zu bearbeiten und in üblichen Fotoformaten sauber auszudrucken, genügt die Bildqualität allerdings. Viele Fotolabore liefern bei Abzügen von Dias eine noch mäßigere Qualität. Sehr gut eignet sich der Digitdia, um die Dias für die digitale Diaschau zu scannen: Man führt seine Bilder auf dem Fernsehschirm oder mit einem Beamer vor.
Möglicherweise könnte der Scanner mehr leisten, wenn er nicht durch die überaus einfache Cyberview-Software daran gehindert würde. Sie erlaubt nur rudimentäre Anpassungen beim Scannen und läßt sich mit den Möglichkeiten, die Filmscanner von Nikon, Canon oder anderen Herstellern bieten, nicht im geringsten vergleichen. Immerhin steht alternativ auch die wesentlich leistungsfähigere Silverfast-AI-Scansoftware von Lasersoft (www.silverfast.com) zur Verfügung, die allerdings zusätzliche 300 Euro kostet und damit den rund 800 Euro kostenden Scanner erheblich verteuert.