Das Gros der in unserem Land verkauften Unterhaltungselektronik wird heute in China gefertigt: Das ist kein Geheimnis. Aber es gibt in dem fernöstlichen Riesenreich selbstverständlich nicht nur Auftragsproduzenten und verlängerte Werkbänke, sondern auch eigenständige Hersteller, sogar solche mit einer gewissen Tradition. Einer davon, Chengdu Xindak Electronic Co., tritt in Europa unter dem Namen Audreal auf - jetzt auch hierzulande (Audreal Deutschland). Er ist schon seit mehr als 20 Jahren an seinem Heimatmarkt tätig und dort bekannt für durchaus dem High End zuzurechnende Geräte. Dabei stützt er sich auf hochwertige Zulieferteile aus Japan, den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Deutschland, die nach Aussage des Importeurs eng selektiert werden. Trotzdem überrascht die Marke mit für hiesige Verhältnisse günstigen Preisen.
Das deutsche Audreal-Sortiment ist vollzählig: CD-Spieler gehören ebenso dazu wie Voll-, Vorverstärker und Endstufen, Digital-Analog-Wandler, Netzfilter, Kabel und anderes Zubehör, nicht aber Lautsprecher. Bei den Verstärkern gibt es neben Transistor-Modellen in drei Baureihen auch ein breites Angebot an Röhrengeräten.
Hier reicht das Programm vom schmächtigen Einsteiger-Amp für 360 Euro bis zu aufwendigen Class-A-Endstufen als Monoblöcke mit einem Paarpreis von knapp 5000 Euro. Wir haben uns mit dem kleinsten - nur 26 Zentimeter breiten - Mitglied MT-2 bekannt gemacht, das von Audreal eigentlich „nur“ als Kopfhörer-Verstärker gedacht ist, bei uns aber auch an Lautsprechern zeigen musste, was es draufhat.
Seidige Höhen und kompaktes Bassfundament
Das scheint nicht viel: Das mit je zwei Vor- und Endstufen-Röhren bestückte Gerät leistet 2×1,5 Watt. Für Kopfhörer-Zwecke ist das jedoch reichlich, und zum Antrieb von Boxen kann es genügen, wenn sie einen überdurchschnittlich hohen Wirkungsgrad aufweisen und nicht gerade Partylautstärke gefragt ist. Der Klirrfaktor liegt röhrentypisch bei 1 Prozent, der Geräuschspannungsabstand bei 83 Dezibel. Auch hochohmige Kopfhörer (bis 600 Ohm) sind bei dem Audreal gut aufgehoben. Neben dem Cinch-Eingang für eine analoge Signalquelle bietet der MT-2 auch eine USB-Buchse an, über die man sich Musik aus dem Computer holen kann. Ein Satz kräftiger Lautsprecherklemmen (auch für Bananenstecker) und eine 6,35-Millimeter-Klinkenbuchse für den Kopfhörer werden über ein Potentiometer in der Lautstärke geregelt.
Röhrenklang gilt trotz höherem Klirr als weich und besonders „analog“: Das bestätigte sich ganz und gar im Kopfhörer-Betrieb, in dem der MT-2 nichts vermissen ließ. Seidige Höhen lieferte er ebenso wie ein kompaktes Bassfundament und zeichnete im Rahmen der hier begrenzten Ortungsschärfe ein wohlgestaltetes Orchesterbild. Noch ansprechender gelang das unter den günstigeren Voraussetzungen des Lautsprecher-Hörens: In Breite wie Tiefe wurde hier ein schönes Panorama aufgebaut. Kein Zweifel aber, dass der kleine Röhrenverstärker nicht für die Eruptionen eines großen Sinfonieorchesters gedacht sein kann.
Wohnzimmertauglichere Ausführung in petto
Hier geriet er mit Boxen schon gehobenen Wirkungsgrads (87 Dezibel) bald in den Grenzbereich hörbarer Verzerrungen, während er Kammermusik und Soloinstrumente anrührend wiedergab. Die Bassgewitter von Rockmusik sollte man ihm und vor allem den Lautsprechern, die allzu starkes Übersteuern (Clipping) übelnehmen könnten, gar nicht zumuten. Doch für solche Zwecke gibt es im Audreal-Programm genügend besser Geeignetes, beginnend für auch nur 590 Euro den Vollverstärker MT-1.08 mit sieben Röhren und 2×12,5 Watt Ausgangsleistung an 8 Ohm.
Wenn man dem MT-2 etwas ankreiden könnte, dann sein allzu ungefälliges Äußeres, in dem sich der Preis von 360 Euro spiegelt (fürs gesamte Audreal-Sortiment plant der Hersteller zur Jahresmitte eine Erhöhung um etwa zehn Prozent). Röhrenverstärker sind in der Regel auch etwas fürs Auge, nicht aber der kleine Audreal, der - pechschwarz bis auf seine goldfarbenen Rundfüße - seine Röhren hinter düsteren Gittern versteckt. Audreal Deutschland hat aber schon eine wohnzimmertauglichere Ausführung in petto, die Mitte des Jahres mit Aluminium-Frontblende und -Lautstärkeregler sowie vergoldeten Lautsprecheranschlüssen startet. Sie soll dann bei etwa 500 Euro liegen.
Abschied vom Experimentierkasten-Look
Franz Nagel (FN57)
- 30.04.2011, 22:13 Uhr
Verstärker mit Röhren - die Brücke zum Okultismus
Herbert Sax (H.Sax)
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Okkultismus @ H Sax
Jack Banana (bananajack)
- 01.05.2011, 20:16 Uhr
@Herbert Sax
Michael Seip (Mike63)
- 01.05.2011, 22:09 Uhr
Xavier Cougat analog auf McIntosh, better than life
Bernd Löhr (tholomaz)
- 02.05.2011, 13:23 Uhr
