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Röhren-Trio von Reußenzehn : Nicht sehr laut, aber strahlend schön

  • -Aktualisiert am

Vorverstärker Classic 4 und Monoblöcke SE KT120 von Reußenzehn Bild: Hersteller

Das neue Röhren-Trio von Reußenzehn bewährt sich in der digitalen Welt. Geht es um Klang und Tiefenstaffelung, leistet die alte Technik erstaunlich viel.

          Die Elektronenröhre lebt – auch 90 Jahre nach der Erfindung des Transistors. Für Thomas Reußenzehn steht sie sogar im Mittelpunkt des beruflichen Lebens: Was der Frankfurter Tüftler auch anfasst – es wird fast immer ein Röhrengerät daraus, ein Gitarrenverstärker, ein Röhrenmischpult oder eine Hi-Fi-Komponente mit Vintage-Charme. Seine jüngste Kreation hat er uns kürzlich ins Wohnzimmer geschickt – eine Kombination aus dem Vorverstärker Classic 4 und den beiden Mini-Monoblöcken SE KT 120 zum Gesamtpreis von 2550 Euro. Das Gespann mit der archaischen Technik taugt, wie üblich, allemal als Blickfang, aber leistet es in der fortgeschrittenen Digitalära auch noch einen seriösen Beitrag zur Musikwiedergabe?

          Der Vorverstärker ist ein schlichter Flachbau mit drei Gucklöchern auf der Gerätefront, hinter denen das zentrale Bauteil, eine Doppeltriode, dekorativ glimmt. Ein Drehschalter wählt zwischen drei verschiedenen Hochpegelquellen. Ein vierter Eingang ist eine Besonderheit: Er dient der Verstärkung von Signalquellen wie iPhones oder Tablets. Ein kleiner Bluetooth-Empfänger, der sich hier andocken lässt, zählt zum Lieferumfang. „Die Ausgangspegel der mobilen Digitalgeräte“, sagt Reußenzehn, „sind oft sehr niedrig, der Klang wirkt entsprechend kraftlos und matt.“ Also peppt er ihn mit einer zusätzlichen Verstärkerstufe in Form einer zweiten Doppeltriode auf.

          Die Stromversorgung überrascht

          Zwei weitere Drehknöpfe dienen zur Klangregelung: Einer bewirkt die Absenkung der Höhen und die Anhebung der Bässe, der andere kräftigt die Höhen und nimmt Bässe zurück. Diese Art der Tonkosmetik bietet viel Spielraum für individuelle Einstellungen. Die Stromversorgung überrascht: Ein separates Steckernetzteil versorgt den Apparat mit einer Wechselspannung von 16 Volt.

          Sind das nicht eher Usancen der Transistorwelt? Schließlich brauchen die Röhren Anodenspannungen um 200 Volt. Die erzeugt ein Transformator mit den nötigen Gleichrichtern und Siebkondensatoren im Inneren des Geräts. Der Vorteil des Konstrukts: Der Vorverstärker genügt den Vorschriften der CE-Zertifizierung, ohne eine Netzbuchse mit Schutzkontakt anbieten zu müssen. So lassen sich Masse-Brummschleifen vermeiden, die gern mal entstehen, wenn Vor- und Endstufen zusammenspielen, die allesamt über die Schutzkontakte miteinander in Verbindung stehen.

          Die gesamte Verarbeitung des Vorverstärkers demonstriert seine Herkunft aus handwerklicher Kleinserienfertigung: Sichtbare Schrauben gelten hier nicht als Makel, und wenn man den Deckel des Geräts abschraubt, sieht man, dass hier kein Bestückungsautomat tätig war, sondern ein Mensch mit rauchendem Lötkolben. Die ganze Schaltung wirkt extrem spartanisch, und das ist für Reußenzehn ein Kernstück der Röhrenphilosophie: Kurze Signalwege sind durch nichts zu ersetzen. Das gilt auch für die beiden Mono-Blöcke, deren Typenkürzel SE für „Single Ended“ steht.

          Das bedeutet: Die Leistungspentode, eine neu entwickelte KT 120, verstärkt die kompletten Schwingungszüge der Musik, ohne sie in positive und negative Halbwelle aufzuteilen. Das gewährleistet den Betrieb ohne Übernahmeverzerrungen. Und wie musizieren die neuen Reußenzehns als Trio? Nicht sehr laut, aber unglaublich lebendig, fanden wir: Das Röhrengespann lässt die Musik vor Leben sprühen und glitzern, arbeitet dynamische Feinabstufungen wunderbar heraus und schafft den Klängen Raum und Tiefe.

          Wenn etwa die drei Gitarren-Heroen Al Di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucia zur „Friday Night in San Francisco“ durch Akkorde und Läufe toben, hat jedes der drei Instrumente seinen genau definierten Platz – derart exakt gelingt die Wiedergabe selten. So bringen die drei Exoten – das sind sie anno 2016 ja zweifellos – eine Menge Spaß ins Wohnzimmer.

          Quelle: F.A.Z.

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