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Ricoh GXR Die Kamera zum Zusammenschieben

16.03.2010 ·  Kaum ein Kamerasegment bietet derzeit so bemerkenswerte Neuheiten wie das der Kompaktkameras mit Wechseloptik und größerem Sensor. Besonders interessant erscheint die Ricoh GXR, die man sich nach Bedarf aus Modulen zusammensetzt.

Von Hans-Heinrich Pardey
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Wer mehr als eine Kamera hat, weil er um ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen weiß und nicht dem Kinderglauben anhängt, bei der richtigen Marke bekomme man eine für alles, kennt das Dilemma: Man hat die falsche dabei. Das Konzept der Ricoh GXR lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Mit einem Handgriff wird sie durch Austausch von Modulen im Grundgehäuse eine andere Kamera.

Im Gehäuse befinden sich die Energieversorgung, der interne Speicher und die Speicherkarte, der Monitor und seine Ansteuerung, sämtliche Bedienungselemente samt den Menüs, die I/O-Schnittstellen, der Blitz, die JPEG-Bildverarbeitung sowie die Dateierzeugung für JPEG- und Raw-Dateien und die gesamte Bildwiedergabe. In den auswechselbaren Modulen stecken das Objektiv samt Verschluss, Blende und Autofokus, ein von Modul zu Modul unterschiedlicher, auf das Objektiv abgestimmter Sensor (CCD oder CMOS), die Analog-Digital-Wandlung, die Bildverarbeitung der Raw-Dateien einschließlich Zwischenspeicherung und Rauschreduzierung und die Bildstabilisierung.

Genauso wie man dem Grundgehäuse mit einem Handgriff einen von mehreren optischen oder den sehr guten elektronischen Aufstecksucher (kippbar, 920000 Bildpunkte) in den Blitzschuh schiebt, wechselt man die bis auf eine Steckerleiste rundherum gedichteten Module: eine Entriegelungstaste am Gehäuse drücken, das eine Modul nach rechts wegschieben, das andere nach links hinein bis zum Einrasten. Es funktioniert butterweich und präzise. Die globalen Einstellungen der Kamera bleiben beim Wechsel gleich. Je nach eingesetztem Modul können aber Menüpunkte hinzukommen oder verschwinden; das Modul sorgt dafür, dass der Benutzer auf der Bedienungsoberfläche gezeigt bekommt, welche Möglichkeiten er hat.

Aber was die GXR dafür an Bildqualität gewinnt!

Erprobt haben wir die zwei derzeit verfügbaren Module, zwei weitere - ein Zoom 1:3,5-5,6/28-300mm (alle Brennweitenangaben Kleinbildäquivalent) mit CMOS-Sensor und eine 1:2,5/28mm Festbrennweite mit einem CMOS im APS-C-Format – hat Ricoh im vergangenen Monat für die zweite Jahreshälfte angekündigt. Ein Austausch zwischen dem 10-Megapixel-Modul S10 (1:2,5-4,4/24-72mm, CCD-Sensor im 1/1,7-Zoll-Format, VGAVideo 640 × 480) und dem Modul A12 (Makroobjektiv 1:2,5/50mm, 12,3 Megapixel, CMOS-Sensor im APS-C-Format 23,6 × 15,7mm, HD-Video 1280 × 720) verwandelt die Kamera in wahrhaft jeder Beziehung. Geht sie mit dem Zoom-Objektiv als eher unauffällige Kompaktkamera jederzeit durch, verliert sie mit dem wesentlich voluminöseren Makromodul jegliche Taschengängigkeit. Aber was die GXR dafür an Bildqualität gewinnt!

Tatsächlich war es so, dass wir die meiste Zeit mit dem A12-Modul fotografiert haben. Einerseits liefert es vorzügliche Schärfe bis zu den Formaträndern. Andererseits lässt sich sehr schön mit seiner Lichtstärke und den Unschärfen bei offener Blende spielen. Zu Recht rühmt Ricoh die harmonischen Zerstreuungskreise, also das, was unter dem Begriff „Bokeh“ (was auf Japanisch unscharf bedeutet) groß in Mode gekommen ist, seit sich herumgesprochen hat, dass Digitalkameras mit kleinem Sensor damit Schwierigkeiten haben. Die Trennung von näheren und ferneren Details eines Bildes durch gezielt eingesetzte Unschärfe gelingt mit dem A12-Modul hervorragend – wenn man ein bisschen Zeit mitbringt. Denn der Autofokus fährt öfter mal vor und zurück von Anschlag zu Anschlag, bis er sich so richtig entschließen kann. Auch das A10-Modul zeigt sich in diesem Punkt nicht gerade schnappschusstauglich.

Macht zusammen 1750 Euro

Eine Null-Problemo-Knipskamera will die GXR sicherlich auch nicht sein. Die Bedienung, bei der man auf alle Aufnahme-Parameter Zugriff erhalten kann, richtet sich ersichtlich an den ambitioniert und mit Überlegung fotografierenden Amateur. Er wird schon beim A10-Modul mit sehr guter Bildqualität belohnt, die an die des Makro-Moduls allerdings nie herankommt, sondern das „sehr gut“ in den einer Kompaktkamera gesetzten Grenzen verdient.

Das auf den ersten Blick verblüffend überzeugende Modulsystem der Ricoh GXR („Warum ist darauf eigentlich noch niemand vorher gekommen?“) hat natürlich einen entscheidenden Haken: Billig kann der Tausch von Optik und Sensor nicht sein. Man hält dann doch den Atem an, wenn man eine Ausrüstung mit zwei Modulen und dem elektronischen Aufstecksucher zusammenrechnet. Der ist mit rund 250 Euro (alles Preise aus dem Internet) noch die preisgünstigste Komponente. Das Gehäuse kostet etwa 460 Euro, das Modul S10 mit dem Zoom rund 370 Euro und das A12-Modul rund 670 Euro. Macht zusammen 1750 Euro, und dafür kann man sich anderswo schon eine ganze Menge Kamera samt herkömmlicher Wechseloptik kaufen.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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