Home
http://www.faz.net/-gyf-16qoq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Philips-Anlage MCi900 Eine belastbare Brücke zwischen den Zeiten

25.06.2010 ·  Moderne Netzwerktechnik und Klang nach wertkonservativen Maßstäben - passt das zusammen? Philips hat mit dem MCi900 eine klare Antwort parat. Das Paket überzeugt in Aussehen, Praktikabilität und Klangqualität.

Von Wolfgang Tunze
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

HiFi ohne Festplatte und Internetanschluss - geht das überhaupt noch? Und wenn in den Entwicklungsabteilungen die Netzwerk-Spezialisten und die Software-Programmierer zunehmend den Ton angeben - bleibt dann eigentlich noch ein Plätzchen für hellhörige Fachkräfte der Sparte Elektroakustik? Die Frage trieb uns um, als wir eine brandneue kompakte Anlage von Philips auspackten. Immerhin ließ der Hersteller schon Musik über Netzwerke strömen, als das Internet noch eine Veranstaltung für Minderheiten war. Dass auch seine jüngsten Komponenten neben ihrer gemeinsamen Typenbezeichnung MCi900 den schon traditionellen Beinamen „Streamium“ tragen, ist da nur konsequent.

Das MCi900-Paket besteht aus folgenden Ensemble-Mitgliedern: Zwei Elektronik-Bausteine, als flache Stapelware mit schmucken, titanfarbenen Aluminium-Gehäusen verkleidet, vereinen die Funktionen einer Musikzentrale und eines Laufwerks für die Wiedergabe von CDs und Video-DVDs. Zum Musikbaustein zählt eine Abspiel-Elektronik, die über das Heimnetzwerk auf Tonarchive in Computern oder auf separaten Festplatten zugreifen kann. Radiomusik erschließt das Gerät sogar aus zwei Quellen: Entweder holt der eingebaute UKW-Empfänger sie nach alter Väter Sitte aus dem Äther, oder die Netzwerk-Elektronik zapft sie aus dem Internet.

Extravagantes Aussehen aus akustischen Gründen

Und noch ein weiteres Medium mag zur Unterhaltung beitragen: Zur Anlage gehört eine 160 Gigabyte fassende Festplatte, die das Repertoire von 2000 CDs speichern kann. Sie steckt in einer schwarzen, separaten Aluminiumbehausung und lässt sich einfach über einen USB-Anschluss anstöpseln. Zur Navigation durch das reichhaltige Angebot dient ein kleiner, aufrecht stehender Farb-LCD-Schirm. Er zeigt, wenn er soll, auch gleich noch Digitalfotos aus vernetzten Archiven an - gern auch als automatische Diaschau. Und weil im Inneren der Hauptkomponente obendrein noch eine Digitaluhr steckt, taugt die ganze Anlage sogar noch als komfortabler Radiowecker.

Die Anbindung ans Heimnetzwerk klappt sowohl über ein Ethernetkabel als auch drahtlos über eine eingebaute W-LAN-Antenne. Die Adresse nach dem Internetprotokoll liefert der Router im Heimnetz automatisch. So verlangt die Installation kaum Handarbeit, von der Eingabe des Zugangscodes zu einem verschlüsselten W-LAN einmal abgesehen. Musik- und Bildarchive auf einem vernetzten Rechner findet die Philips-Anlage ebenfalls ohne menschliche Hilfe, sofern auf dem Computer eine Server-Software nach dem Standard UPnP läuft. Windows-Maschinen haben ihn schon als Teil der System-Software an Bord, Macs müssen ihn installieren.

Philips liefert ein passendes Serverprogramm von Twonkymedia mit: Es steckt in einem Ordner der USB-Festplatte. Dieser Datenträger ist übrigens, sobald die Netzwerkverbindung zur Philips-Anlage steht, vom Computer aus erreichbar. so lässt er sich mit Musik beladen, ohne direkten USB-Kontakt mit dem Rechenknecht knüpfen zu müssen.

Dass zu einer Anlage dieses Zuschnitts keine Lautsprecher passen, die aussehen wie langweilige Kartoffelkisten, versteht sich von selbst. Philips hat ihnen ihr extravagantes Aussehen aber primär aus akustischen Gründen verpasst. So verordneten die Entwickler den Hochtönern separate Gehäuse, die sich wie Duschköpfe in den Raum recken. Die Tief-Mitteltöner blasen aus schräg nach vorn geneigten Aluminiumquadern gen Himmel. Die Idee hinter dem originellen Konstrukt: Beide Schallwandlertypen sollen so zusammenarbeiten, dass sie den gesamten Frequenzumfang möglichst gleichmäßig rundum im Raum verteilen - ungestört von sperrigen Schallwänden. Ob das so klappt?

Der Sound ist mit den Händen zu greifen

Die Antwort fällt eindeutig aus: Diese skurrilen Boxen klingen einfach toll. Trotz ihres Dreikäsehoch-Formats musizieren sie mit wunderbarer, warmer Fülle, farbstarken, intensiven Grundtönen, fröhlichem Temperament und vorbildlicher Sensibilität, wenn es darum geht, zarte Obertonstrukturen oder strahlenden Bläserglanz naturgetreu wiederzugeben. Vor allem: Die zierlichen Lautsprecher zeichnen räumliche Dimensionen nach, als hätten sie sich vom 3-D-Boom der Fernseher anstecken lassen. Stimmen und Instrumente lassen sich so exakt im Raum lokalisieren, als könnte man sie mit den Händen greifen. Das Konzept der ungehinderten Schallverteilung ist also mehr als nur eine Marketing-Idee. Dass auch die digitalen Leistungsverstärker in der Elektronik-Zentrale ihren Beitrag zum überzeugenden Gesamtresultat leisten, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

So schlägt diese Anlage eine belastbare Brücke zwischen den Zeiten: hier die Moderne, die nach universellem Zugang zur digitalen Medienwelt verlangt, dort die gute alte HiFi-Ära, in denen der Klang viel wichtiger war als alles, was eher den Spieltrieb befriedigt. Daran gemessen, ist der Kaufpreis von 1100 Euro wirklich moderat.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr