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Panasonic und Philips Für die Zeit nach der Flachbild-Revolution

13.03.2009 ·  Daumenkino aus dem Internet, Bildschirme in Kinobreite und Funkbrücken zur Mattscheibe: Panasonic und Philips enthüllen ihre Frühjahrskollektionen und zeigen, wie sie das Internet auf die Mattscheibe bringen wollen.

Von Wolfgang Tunze
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Wohin gehören eigentlich Youtube und die 100-Sekunden-Ausgabe der Tagesschau – auf den Computermonitor oder auf den Bildschirm im Wohnzimmer? Für die Branchengrößen der Unterhaltungselektronik ist der Fall klar: Wenn Mediales ins Internet abwandert, muss man es eben wieder einfangen und auf die Fernsehmattscheibe bringen. Wie das am besten geschieht, darüber debattiert die Szene seit Jahr und Tag mit wachsender Begeisterung (Technik und Motor vom 21. Februar). Manche Experten wollen gleich das komplette Fernsehen in Internetstrukturen verlegen – das passende Stichwort heißt IPTV. Andere setzen auf die Politik der kleinen Schritte und öffnen in konventionellen Fernsehern zusätzliche Schaufenster für maßvoll dosierten Web-Konsum.

Zwei Hersteller zeigten in diesen Tagen, wie sie die zweite Variante des Internetzugangs schon mit ihrer Frühjahrskollektion realisieren wollen. Den Anfang machte Philips: Unter dem Namen Net TV versammeln die neuen Topmodelle des Herstellers bunte Bildchen, Text und Videoclips von derzeit 18 Anbietern wie Youtube, Tagesschau.de, eBay.de, Kino.de und wetter.net auf der Mattscheibe – mit der Einladung ans Internet, die Liste zügig zu verlängern. Panasonic konterte den Vorstoß mit der Ankündigung von Viera Cast: Einer ähnlichen Idee folgend, bringen die Japaner eine minutenaktuelle Ausgabe der Online-Tagesschau, natürlich das Daumenkino Youtube, die Internetfassung von Eurosport und das öffentliche Google-Fotoalbum Picasa auf die Bildfläche ihrer neuen Fernseher-Flaggschiffe – ebenfalls mit dem Versprechen, schon zur Internationalen Funkausstellung im September mit einem deutlich breiteren Angebot zu punkten.

Der Weg von Web-Inhalten auf den Bildschirm

Ob daraus mehr wird als ein Verkaufsgag, wird von einer breiten Auswahl interessanter und nützlicher Inhalte abhängen und damit auch von der Frage, wie offen und einladend die technischen Plattformen sind, mit denen die Gerätehersteller das Internet erobern wollen. Beiden Konzepten ist eines gemeinsam: Der Weg von Web-Inhalten auf den Bildschirm führt über Vereinbarungen zwischen Inhalteanbietern und Geräteherstellern.

Das bedeutet aber weder im einen noch im anderen Fall, dass die ohnehin im Internet publizierten Inhalte komplett neu generiert werden müssten: Beide Systeme greifen auf Daten im standardisierten XML-Format zu und leiten aus diesen Informationen Destillate ab, die eine sinnvolle Darstellung auf Fernsehbildschirmen ergeben: einfach und mit großen Schriften gestaltete Texte, durch die man mit der Fernbedienung manövriert, und Videofenster, in denen sich die Bilder nach Digitalstandards bewegen, die der Fernseher ohnehin dekodieren kann. Deshalb müssen auch beide Lösungen ohne die Anzeige von Flash-Animationen auskommen: Sowohl bei Panasonic als auch bei Philips gilt die Devise, dass der Internetzugriff ohne kostspielige Extra-Hardware klappen soll.

Der Neuheiten-Schaulauf förderte noch andere Ideen zutage

Im Detail gibt es aber doch Unterschiede. So stellen die Philips-Fernseher die Seiten mit einem Browser dar, der auf eine besondere HTML-Variante, CE-HTML genannt, zugeschnitten ist. Diese Software ist flexibel genug, um auch die freie Eingabe von URL-Adressen zuzulassen. Das geht mit der Fernbedienung zwar nur mühsam von der Hand, und ob die frei angewählten Seiten dann brauchbar dargestellt werden, ist von Fall zu Fall Glückssache. Aber immerhin: Dieses Konzept steht für ein relativ hohes Maß an Offenheit. Die Panasonic-Geräte dagegen greifen auf Seiten der Vertragspartner mit speziellen, auf Java beruhenden Scripten zu; die Technik ist somit stärker an proprietäre Detaillösungen gebunden. Ob sich daraus praktische Nachteile ergeben, muss man abwarten.

Der Neuheiten-Schaulauf der beiden Branchengrößen förderte aber auch noch andere Ideen zutage. So sorgte Philips mit einem 56 Zoll (142 Zentimeter) großen Kaventsmann für Aufsehen, der die Bilder nicht, wie heute üblich, mit dem Mattscheiben-Seitenverhältnis 16:9 darstellt, sondern mit dem noch weiter in die Breite greifenden Verhältnis 21:9. Dies sind exakt die Dimensionen von Kinofilmen im Cinemascope-Format. Solche Werke kommen auf normalen 16:9-Fernsehern entweder seitlich beschnitten oder aber mit schwarzen Balken oben und unten auf die Mattscheibe. Andererseits: Fernsehausstrahlungen in 16:9 erscheinen auf dem neuen Modell mit seitlichen Schwarzflächen – oder trickreich gedehnt. Der Cinema 21:9 genannte Kinofernseher bietet mehr als ein Dutzend verschiedene Varianten zur Formatanpassung. Wozu dann also das neue Seitenverhältnis?

Die neuen Plasma-Boliden

Der Genuss einer einzigen balkenlosen Kinoszene gibt dem Betrachter eine klare Antwort: Hollywood-Ware auf diesem Breitdisplay macht einfach riesigen Spaß. Um den Filminhalt mit gleicher Fläche auf einem konventionellen Gerät zu zeigen, müsste die Mattscheibe ein schon allzu gewaltiges Diagonalmaß von 63 Zoll (160 Zentimeter) haben. Der Cinema 21:9 aber ist lediglich 68 Zentimeter hoch, nicht höher also als ein herkömmliches 42-Zoll-Modell. So wirkt er, trotz mächtiger Fläche und einer Auflösung von 2560 × 1080 Bildpunkten, aus gebührendem Abstand beinahe zierlich.

Eine andere Technik-Premiere geht wiederum auf das Konto von Panasonic: die neuen Plasma-Boliden des Herstellers. Sie tragen den Seriennamen Z1 und sind mit Bilddiagonalen von 46 und 54 Zoll (117 und 137 Zentimeter) zu haben, lassen sich als erste Fernsehgeräte im europäischen Markt die Bild- und Tonsignale drahtlos nach dem neuen Standard Wireless HD zuspielen, und zwar von einer externen Settop-Box, die sich nicht nur um den Empfang kümmert, sondern auch den Kontakt zu allen Zuspielern hält. So bleibt der elegante Bildschirm von jedwedem Kabelsalat unbehelligt. LG und Toshiba haben auf der amerikanischen Fachmesse CES im Januar schon ähnliche Geräte gezeigt.

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