03.04.2010 · Die Olympus Pen E-PL1 ist das dritte Kamera-Modell des Marken-Namens Pen, mit dem Olympus die Baureihe nach dem Micro-Four-Thirds-Standard (MFT) preisgünstig erweitert. Ein erster Test mit dem M.Zuiko Digital 1:4-5,6/9-18mm.
Von Hans-Heinrich PardeyDie E-PL1, das dritte Kamera-Modell des Marken-Namens Pen, mit dem Olympus die Baureihe nach dem Micro-Four-Thirds-Standard (MFT) preisgünstig erweitert, kann man leicht missverstehen: Sie ist weder das „Damenmodell“ der Baureihe, noch ist sie wirklich „eine abgespeckte Pen auf Einsteigerniveau“. Wohl aber macht die zusätzliche Bedienungsoberfläche namens „Live Guide“ Aufnahmeparameter wie Sättigung, Farbtemperatur oder Schärfentiefe mit einem einfachen Schieberegler veränderbar - ohne dass man sich durch irgendwelche Menüs quälen müsste. Und der Modus „iAuto“ gibt - allerdings ziemlich schlichte - Fototipps. Wohl hat die E-PL1 ein kleineres Display und sind bei ihr die zwei Einstellräder der anderen beiden Pens weggefallen. Und jawohl, ihre Empfindlichkeitseinstellung reicht nur bis ISO 3200, und die kürzeste Verschlusszeit beträgt nur 1/2000 Sekunde.
Aber die E-PL1 hat den in E-P1 wie E-P2 so bitter vermissten internen Blitz, der mit einem kleinen Schieber links ausgeklappt wird, und sie hat den „Accessory-Port“ der E-P2, die Buchse unter dem Blitzschuh zum Aufstecken des elektronischen Suchers, eines externen Mikrophons oder weiterer erwartbarer Peripherie wie etwa eines Moduls, das die Verknüpfung von GPS-Daten mit den Fotos ermöglicht. Vor allem aber ist die E-PL1 nicht grundsätzlich versimpelt, sondern im Funktionsumfang erweitert worden.
Nach nur einem halben Tag und rund dreihundert Fotos, die überwiegend mit dem erst in anderthalb Monaten zu erwartenden Weitwinkel-Zoom M.Zuiko Digital 1:4-5,6/9-18mm (MFT-Brennweite mal zwei ergibt das Kleinbild-Äquivalent) und weitgehend ohne die Bedienungserleichterungen der Kamera (Preis des E-PL1-Kits mit dem Standard-Zoom 1:3,5-5,6/14-42mm: rund 650 Euro) gemacht wurden, lässt sich sagen: Die E-PL1 mag kleiner, leichter und schlichtweg etwas anders als die Schwestermodelle sein. Sie ist aber eine echte Pen: Eine kompakte Systemkamera mit Wechseloptik und wahlweise einem elektronischen Sucher der Spitzenklasse, die dem Fotografen, der weiß, was er und warum er eben dies will, alle Gestaltungsmöglichkeiten und eine Bildqualität auf DSLR-Niveau bietet. Sie ist zugleich aber auch ohne Grundkenntnisse des Fotografierens, geschweige denn ein Sich-Vertiefen in die Feinheiten erfolgreich benutzbar.
„Nicht viel nachdenken, einfach abdrücken“
Will man aber spielerisch kreativ sein, dann hat man in der E-PL1 nicht nur die eingebaute Bildbearbeitung der „Art Filter“ - beispielsweise die Wandlung des Buntbildes in eine Schwarzweiß-Aufnahme harter Gradation - zur Hand. „Live Guide“ zeigt einem sofort, während man den Schieberegler noch über die Kreuztasten rauf und runter schiebt, das Bildergebnis. Der „iAuto“-Modus, dessen Wahl zugleich die Verstellung der meisten kritischen Menüpunkte unterbindet, kommt mit den meisten Aufnahmesituationen durchaus überzeugend zurecht. Das gilt auch beim Einsatz des internen Blitzes, der steuernd auf Olympus-System-Blitzgeräte wie den FL-50R zugreifen kann.
Man muss also nicht befürchten, mit der E-PL1 weniger Kamera für weniger Geld zu bekommen, sondern man bekommt etwas dazu: einen „Nicht viel nachdenken, einfach abdrücken“-Modus als Option - die man nach Belieben nutzen kann, aber nicht muss. Optisch ist die E-PL1 deutlich „weniger retro“ als die E-P1 und E-P2: Sie wirkt einfach konventioneller und weniger an die analoge Olympus Pen F von 1963 erinnernd. Haptisch hat die E-PL1 durch ihren deutlichen Griffwulst unbedingt gewonnen: Sie liegt eher besser in der Hand als ihre gewichtigeren Schwestern. Dass sie als HD-Videokamera einen roten Startknopf fürs schnelle Umschalten aufs Filmen bekommen hat, hat bei der ersten Begegnung nicht weiter gestört: Der Knopf sitzt so, dass man mühelos an ihm vorbeigreifen kann.
Auch auf das Weitwinkel-Zoom und seine sehr gute Abbildungsleistung darf man sich freuen. Beinahe wär's vergessen worden: Wie an die anderen Pens passen mit Adapter an die E-PL1 Four-Thirds-, OM- und eine breite Palette anderer Fremdobjektive.