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Olympus Micro Four Thirds als eine Klasse für sich

10.07.2009 ·  Nicht länger müssen wir uns entscheiden: die Kompaktkamera mitnehmen oder lieber doch die Spiegelreflex? Genau dazwischen plaziert Olympus die digitale Version eines großen Namens: die Pen.

Von Hans-Heinrich Pardey
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Auf der Photokina vor fast einem Jahr klotzte Panasonic mit der Lumix G1: die erste Kamera des Weltmarkts nach dem im Sommer zuvor von Panasonic und Olympus veröffentlichten Micro-Four-Thirds-Standard. Der erlaubt besonders kompakte Gehäuse- und Objektivabmessungen, und dementsprechend wurde die G1 auch präsentiert: leistungsfähig wie eine Spiegelreflex, aber vor allem leichter und kleiner, dazu einfacher zu bedienen - Frauen, genau das Richtige für euch.

Drolligerweise wurde die G1 oft als digitale Spiegelreflex (DSLR) bezeichnet, obwohl sie die angepriesenen Vorzüge gerade der Tatsache verdankt, dass sie keine ist, da sie keinen Spiegelkasten braucht und keinen Prismengiebel. Doch mit ihrem Sucher-Buckel sieht sie aus wie eine kleine DSLR. Auf dem Messestand von Olympus wurde hingegen lediglich eine Micro-Four-Thirds-Studie in der Vitrine gezeigt, glatt und elegant und dunkel an irgendetwas erinnernd.

Dieser Studie fehlte noch, was die Erinnerung nun präzise zu der Ahnin der neuen Olympus Pen E-P1 lenkt: der markante Aufschwung der vorderen Oberkante des Gehäuses, mit dem die digitale Pen im Retrolook die Pen F zitiert. Diese Halbformat-Spiegelreflex mit seitwärts klappendem Spiegel und Porroprismensucher von 1963 ist nur eine Pen in einer millionenfach verkauften Kameraserie von Olympus. Deren erstes Modell, konstruiert von Yoshihisa Maitani, kam vor 50 Jahren auf den Markt (siehe Artikel unten).

Die erste Micro-Four-Thirds-Kamera von Olympus ist ganz von heute

Damit genug von der Vergangenheit - die erste Micro-Four-Thirds-Kamera von Olympus ist ganz von heute. Sie soll zu Preisen zwischen 700 (Gehäuse) und rund 1000 Euro (mit zwei Objektiven) das erste Modell einer neuen Kamerafamilie sein, die „nach oben wie nach unten“ erweitert werden könne. Die E-P1 hat mit ihrem in Weiß und Silber erhältlichen Metallgehäuse Maße und Gewicht einer größeren Kompaktkamera (rund 12 × 7 × 3,5 Zentimeter, mit Akku und Speicherkarte knapp 380 Gramm), sie hat weder internen Blitz noch Sucher, sondern nur einen 3-Zoll-Monitor (230 000 Bildpunkte), bietet aber die Möglichkeit des Objektivwechsels. Ihr Live-MOS-Sensor (17,3 × 13 Millimeter) liefert bis zu 4032 × 3024 Bildpunkte große Standbilder in den Formaten 4:3, 3:2, 16:9 und 1:1 (6:6 genannt) als Jpeg und/oder als Rohdaten sowie HD-Videos (1280 × 720 Pixel mit 30 Bilder je Sekunde und Stereoton).

Gespeichert wird, das ist für Olympus neu, auf SD/SDHC-Karten. Die Empfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 6400, die schnellste Verschlusszeit ist 1/4000 Sekunde, Serien lassen sich mit drei Bildern je Sekunde belichten (bis zu 14 RAW-Bilder hintereinander). Die E-P1 ist die erste Olympus-Kamera, in der ein neuer, schnellerer Bildprozessor arbeitet, der TruePic V. Mechanische Bildstabilisierung, Gesichtserkennung, 20 Aufnahmemodi, Sensorentstaubung, Möglichkeiten zur Bildbearbeitung (“Art Filter“), es ist alles an Bord, was man sonst in einer DSLR erwartet - und es erinnert bis hin zur vorzüglichen Bildqualität stark an die Olympus E-620.

Man muss keineswegs bei der E-P1 alles und jedes einstellen

Man kann wohl, aber man muss keineswegs bei der E-P1 alles und jedes einstellen. Die Möglichkeit, sich diese Kamera höchstpersönlich zurechtzuschneidern im „iAuto“-Modus beiseite lassend, hat man nach dem Einsetzen des gerade mal zwei Zentimeter aus dem Gehäuse ragenden M.Zuiko Digital 1:2,8/17 mm (entsprechend 34 mm Kleinbildbrennweite) eine Kompaktkamera mit Weitwinkelfestbrennweite in der Hand, die niemand verwirren kann.

Allenfalls verwundert, dass kein Blitz wie ein Springteufelchen hochploppt - den kleinen FL-14 muss man selbst draufmontieren. Leider im Austausch mit dem Aufstecksucher VF-1, bei dessen an sich recht praktischer Benutzung einem wiederum keinerlei Informationen ins Auge springen können.

Dank der Vollautomatik mühelosen

Mit der - dank der Vollautomatik mühelosen - Übersicht wird es schon ein bisschen anders, wenn man sich in die Tiefen der weiteren zwei Bedienungsoberflächen - eine erinnert an Canons Piktogrammleisten, die andere ist strikt menüorientiert - und auf die hinteren der 160 Seiten Bedienungsanleitung begibt. Da tut sich eine Komplexität auf, für die man die eine oder andere Viertelstunde investieren muss, allein um zu memorieren, was man wo nach persönlichem Geschmack einrichten kann und welche Einstellung sich gegen welche andere durchsetzt.

Aber schon bevor man sich zu solcher Vertrautheit vorgearbeitet hat, kann die E-P1 gefallen: Man hat angenehm solide wirkendes Metall im Griff und alle Kontroll-knöpfe und -rädchen so zur Hand, dass die rechte genügt. Für Entriegeln und Zoomen des M.Zuiko Digital 1:3,5-5,6/14-42 mm (entsprechend 28-84 mm KB-Brennweite) braucht es aber die zweite Hand. Schon wird von Fans auf ein Firmware-Update gehofft, denn ein wenig schneller könnte der Autofokus sich schon entschließen - was er nach Bedenkzeit dann tut, ist ja ganz in Ordnung. Und wie wäre es mit einem elektronischen Sucher?

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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