25.05.2009 · Spiegelreflex gleich Profi gleich unhandlich gleich kompliziert: In Abmessungen, die von mancher Bridgekamera übertroffen werden, falsifiziert die Olympus E-620 solche gängigen Vorurteile.
Von Hans-Heinrich PardeyNicht nur Marken und Hersteller, auch Geräteklassen haben ihr Image: Und wie große Namen kommen und vergehen, so wandeln sich auch die mit einer bestimmten Technik verbundenen Vorstellungen, wozu und für wen diese gut sei. Wir erleben das zurzeit bei der digitalen Spiegelreflexkamera. Ganz ähnlich, wie das schon einmal vor Jahrzehnten bei den analogen Kameras der Fall war, wird die „Profi“-Technik popularisiert, wobei für die Wünsche neuer Benutzergruppen Kameras ganz eigenen Gepräges entstehen. So eine ist die Olympus E-620.
Die Aufnahme des Bildes und seine Bearbeitung - oder: Ausarbeitung, wie es anno dazumal hieß - sind in dieser superkompakten Four-Thirds-Kamera vereinigt. Olympus hat die „Art Filter“ der E-30, sechs Stück an der Zahl, zur günstigeren E-620 durchgereicht: „Pop Art“, da wird die Farbsättigung hochgeschraubt, als ob das Bild aus Andy Warhols Siebdruckfabrik komme. „Lochkamera“ vignettiert das Bild wie eine Spielzeugkamera, „Weichzeichner“, „Blasse und helle Farben“, „Leichte Tönung“ und „Körniger Film“ machen - vor oder nach der Aufnahme - Veränderungen möglich, wie sie die Filterbatterie von Photoshop bereithält.
Zumindest ist es unterhaltsam
Aber dies geschieht eben nicht am PC, sondern in der Kamera. Die kann auch „Mehrfachbelichtungen“ durch Übereinanderlegen von bei der Aufnahme zwei oder beim nachträglichen Bearbeiten drei Rohdatenbildern (und noch mehr durch Zwischenspeichern). Motivprogramme mit Voreinstellungen gibt es außerdem.
Wer Bildbearbeitung mit einem kalibrierten, großen Monitor und einem Power-Rechner gewohnt ist, mag das alles, was da unter dem Rubrum „Kreativität“ geboten wird, für Kinderkram halten. Nach einigem Umgang mit der Pentax K-m (die Ähnliches in petto hat) und jetzt mit der Olympus E-620 sind wir ein wenig vorsichtiger geworden: Einerseits wird einem natürlich gesagt, die Käufer wollten ebendas - Bildeffekte, die man sofort sehen kann, ohne einen PC anwerfen zu müssen. Andererseits ist die persönliche Erfahrung: Zumindest ist es unterhaltsam. Beim Warten auf den Flieger hat man mehr zu tun, als seine gemachten Bilder bloß anzuschauen. Wirklich brauchen? Eher nein.
Was der Kompaktheit zugutekommt, bedeutet auch weniger Licht
Uneingeschränkt freuen kann man sich an der Vollausstattung, die in dem Kompaktgehäuse (13 × 9,4 × 6 cm) Platz gefunden hat: Bildstabilisator (mechanisch), schwenkbares 2,7-Zoll-Display (230 000 Bildpunkte), 12,3-Megapixel-Live-MOS-Sensor mit automatischer Entstaubung, Verschluss bis 1/4000 Sekunde, 4 Bilder je Sekunde, vier Aufnahmeformate (1:1, 3:2, 4:2, 16:9), das aus dem Olympus-Flaggschiff E-3 hergeleitete Autofokus-System mit sieben frei wählbaren Entfernungsmesspunkten (fünf Kreuzsensoren) - und dabei wiegt diese Kamera mit dem Standard-Zoomobjektiv Zuiko Digital ED 1:3.5-5.6/14-42 mm (entspricht 28-84mm Kleinbildbrennweite, Kit-Listenpreis: 850 Euro) mal gerade 725 Gramm (Gehäusegewicht: 475 Gramm).
Wir haben die E-620 die meiste Zeit mit dem besonders kurz bauenden „Pancake“-Objektiv Zuiko Digital 1:2.8/25 mm benutzt, also mit einer Standard-Festbrennweite, betriebsbereites Gesamtgewicht: 615 Gramm. Auch diese Konfiguration gibt es als Kit (Listenpreis: rund 950 Euro).
Wem der Sucher einer E-520 zu dunkel und zu „tunnelartig“ erschien, der wird mit der E-620 kaum viel glücklicher werden. Aber das ist wirklich der einzige Punkt, an dem der Bedienungskomfort der E-620 zu wünschen lässt - systembedingt: Der kleinere Four-Thirds-Sensor, der entsprechend kleinere Spiegel, das Objektiv mit geringerem Durchmesser, alles, was der Kompaktheit zugutekommt, bedeutet auch weniger Licht. Wie zum Ausgleich dafür gefällt im Alltag abends ein Komfortmerkmal der Sorte „Schön, wenn man es hat“: die beleuchteten Tasten, die zeigen, wo sie sind, ohne störend zu blenden.
Alles ist da, wo man es brauchen kann
Die - nicht nur bei der Blitztechnik, sondern auch bei den besonders schnell fokussierenden SWD-Objektiven voll ins E-System integrierte - E-620 liegt gut in der Hand, lässt sich mit einer Hand nicht nur halten, sondern auch benutzen. Alles ist trotz der Fülle an Einstellungsmöglichkeiten da, wo man es brauchen kann, übersichtlich, logisch, ob Weißabgleich (mit externem Sensor), Empfindlichkeit (ISO 100 bis 3200) oder Belichtungskorrektur.
Vor allem beim Nutzen des Schwenkdisplays als Sucher - man fragt sich, warum bislang vor allem bessere Spiegelreflexe von dessen praktischen Vorzügen so konsequent verschont blieben - hat man eher das Gefühl, eine größere Kompaktkamera oder ein Bridgemodell zu benutzen. Beim Betrachten der überzeugenden Qualität gemachter Aufnahmen wird man dann freilich rasch eines Besseren belehrt.
Die Nähe zur Bridge kommt nicht von ungefähr - Sensorgröße und Lichtstärke
Christoph Anschütz (Anschuetz)
- 25.05.2009, 15:23 Uhr
@anschuetz
Martin Stolle (m_stolle)
- 26.05.2009, 00:05 Uhr
Klammeraffenfredis machen immer supa Bilda
Christoph Anschütz (Anschuetz)
- 26.05.2009, 14:40 Uhr
E-System von Olympus lichtstärker als KB und MINDESTENS konkurrenzfähig!
Gerhard Liebl (Targus2030)
- 30.05.2009, 19:16 Uhr