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Oled-Fernseher im Test : Phantomschmerz lass nach

  • -Aktualisiert am

Panasonics erster Oled-Fernseher Bild: Hersteller

Plasma ist tot, es lebe Oled: Panasonic knüpft an große Traditionen an und landet einen Volltreffer. Einen Pferdefuß gibt es allerdings. Der steckt auf dem Preisschildchen.

          Manchmal zwackt der Phantomschmerz immer noch: Vor zwei Jahren hat Panasonic aufgehört, Plasma-Fernseher zu produzieren. Und so mancher treue Fan, auch unter den Technikern des Unternehmens, trauert ihnen bis heute nach. Denn die Bildqualität dieser Spezies war damals kaum zu überbieten: Kein LCD-Fernseher zeigte Schwarzes so finster, reagierte so schnell auf die Wechselfälle des Bildinhalts oder erlaubte so schräge Blickwinkel ohne jede Farbverfälschung. Doch Trost ist in Sicht. Denn ab sofort hat der japanische Hersteller Oled-Fernseher im Programm, mit Bildschirmen, die vieles sogar noch besser machen als die verflossenen Plasmas.

          Wir haben dem Premieren-Modell mit dem poetischen Namen TX-65CZW954 tief in die Pixel geschaut, einem 65-Zoll-Boliden mit gekrümmter Bildfläche und Ultra-HD-Auflösung. Vorm Erlebnisbericht aber noch ein paar Takte Theorie.

          Wir haben dem Premieren-Modell mit dem poetischen Namen TX-65CZW954 tief in die Pixel geschaut
          Wir haben dem Premieren-Modell mit dem poetischen Namen TX-65CZW954 tief in die Pixel geschaut : Bild: Hersteller

          In mancher Hinsicht sind die Oled mit den Plasma-Schirmen seelenverwandt: Beide erzeugen die Bilder mit selbstleuchtenden Pünktchen, kommen ohne Hinterleuchtung, ohne stets etwas träge Lichtsperren aus Flüssigkristall und ohne Polarisationsfilter aus. Im Detail allerdings gibt es dann doch größere Unterschiede: Oled-Pixel sind Halbleiter aus organischem Material, Plasma-Zellen sind winzige Container, in denen Plasma-Entladungen Phosphorschichten zum Leuchten anregen. Daraus ergeben sich praktische Differenzen: Oled-Schirme können ein breiteres Farbspektrum darstellen, erzielen größere Helligkeit und sind mit ihren Schwarzwerten noch radikaler: Komplett abgeschaltete Halbleiter-Pixel enthalten sich schlagartig jeglicher Resthelligkeit. Das sind jedoch keine ganz neuen Erkenntnisse; was also macht unser Testmuster so interessant?

          Zum einen, dass mächtige Oled-Schirme bisher als Domäne der beiden großen koreanischen Hersteller galten. Dass Panasonic hier nun mitmischen will, lässt aufhorchen. Allerdings relativiert sich die Überraschung: Die Japaner kaufen die Roh-Panels im Nachbarland ein. Deren Ansteuerung aber kommt aus Panasonic-Labors; Herzstück ist ein potenter, 4k Studio Master Processor genannter Rechenknecht, der sich auch auf HDR-Bildverarbeitung versteht.

          Ein 65-Zoll-Bolide mit gekrümmter Bildfläche und Ultra-HD-Auflösung
          Ein 65-Zoll-Bolide mit gekrümmter Bildfläche und Ultra-HD-Auflösung : Bild: Hersteller

          Die äußere Gestalt des Panasonic wirkt elegant und fast schwerelos: Der Bildschirm geriet nicht dicker als eine Schaufensterscheibe. Auf seiner Rückseite trägt er ein kleineres Zusatzgehäuse für die Elektronik; hier liegen auch sämtliche Anschlüsse, darunter vier HDMI- und drei USB-Schnittstellen. Der Kabelverhau lässt sich mit einem Handgriff kaschieren: Eine Blende aus dem Mikrofasermaterial Alcantara deckt alles komplett ab. So macht der Fernseher auch dann eine attraktive Figur, wenn er frei im Raum steht.

          Im Empfangsteil des TX-65CZW954 arbeiten Doppeltuner für alle drei digitalen Empfangswege. Wer mag, kann ein Programm auf einer angeschlossenen USB-Festplatte mitschneiden und gleichzeitig ein anderes anschauen. Besonders komfortabel: Ein eingebauter Server verbreitet die Sendungen nach dem Prinzip DVB via IP im Heimnetz. Wer also das Tablet gern als Bettfernseher betreibt, lädt dazu einfach eine passende App, etwa Sat IP von Elgato, und empfängt über W-Lan, was der Fernseher über das Netzwerk anbietet. Auch mit Notebooks funktioniert die Sache. Zweitfernseher brauchen für den W-Lan-Empfang eine kleine Zusatz-Box - oder sie müssen ebenfalls von Panasonic stammen und den IP-Empfang unterstützen.

          Die nötigen Installationsarbeiten gehen flott von der Hand, der Fernseher erkennt den Übertragungsweg automatisch. Die Bildschirmmenüs sind klar gegliedert und sehr übersichtlich, was die nötigen Prozeduren zusätzlich erleichtert. Allerdings fällt auf: Die Grafiken für den interaktiven Teil des TV-Vergnügens sind nicht auf dem jüngsten Stand. Denn in diesem Jahr hat Panasonic das Betriebssystem Firefox OS eingeführt; im ersten Oled-Fernseher aber tickt noch die hauseigene Betriebs-Software. Uns hat es nicht gestört, zumal alle wichtigen Apps wie Netflix, Watchever, Maxdome, Youtube und Amazon Video entweder schon installiert sind oder zum Download bereitstehen. Apps für die Mediatheken der Sender und einen Internet-Browser gibt es ebenfalls. Zur Navigation durch all diese Angebote steht zum einen die konventionelle Fernbedienung zur Verfügung, zum anderen eine kleinere Version mit Touchpad, die auch ein eingebautes Mikrofon für die Online-Sprachsteuerung enthält.

          Den Bildcheck absolvierte der Fernseher mit speziellen Testbildern und Filmclips in Ultra-HD-Auflösung - und übertraf selbst höchste Erwartungen. Die von den Datenblättern versprochene Auflösung von 3840 × 2160 Bildpunkten hält er penibel ein, lässt sich kaum mit Artefakten erwischen, leuchtet bei formatfüllenden Weiß-Bildern die Bildfläche wunderbar gleichmäßig aus, macht selbst in dunkelsten Bildpartien noch feine Helligkeitsabstufungen sichtbar und gibt Videomaterial mit allen Bildwechselfrequenzen flüssig und konturenscharf wieder.

          Im realen Einsatz läuft er mit diesen Talenten zu überwältigender Form auf: Ein so kontrastreiches, lebendiges und natürliches Bild, das man zudem noch aus jedem Betrachtungswinkel in ungeschmälerter Qualität sieht, ist uns bisher noch nicht begegnet. Und wo versteckt sich der Pferdefuß? Auf dem Preisschildchen: Rund 10.000 Euro kostet der Spaß.

          Quelle: F.A.Z.

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