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Ohrhörer iPod-Veredlung mal ganz ohne Geiz

14.08.2009 ·  Sind wir noch ganz bei Trost, wenn wir raten, für einen zusätzlichen Ohrhörer noch einmal genauso viel Geld auszugeben wie für den MP3-Player selbst, je nach Modell vielleicht sogar das Doppelte? Ja! Hier drei Edel-Hörer.

Von Wolfgang Tunze
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Tönende Ohrstöpsel zur Veredlung von iPods und ihren Artgenossen haben hier fast schon einen Stammplatz: Wir greifen immer mal wieder ein Modell aus dem rasch wachsenden Angebot heraus, weil uns eine Grunderfahrung treibt: Praktisch bestimmen stets die mitgelieferten Kopfhörer, was wirklich an den Ohren ankommt. Und das bedeutet nur allzu oft: Bässen fehlt es an Saft und Kraft, Höhen klingen glanzlos und hart, Stimmen gestresst oder gar verschnupft. Deshalb lohnt es sich fast immer, in bessere Alternativen zu investieren. Wie viel aber darf die Nachrüstung kosten - oder genauer gefragt: Sind wir noch ganz bei Trost, wenn wir unseren Lesern vorschlagen, für einen zusätzlichen Ohrhörer noch einmal genauso viel Geld auszugeben wie für den Player selbst, je nach Modell vielleicht sogar das Doppelte?

Ebendies wollen wir hier wagen - allerdings mit einem den Preis relativierenden Aspekt: Alle drei Probanden haben - entweder fest angewachsen oder in Form eines zusätzlichen Adapters - ein winziges Mikrofon am Kabel, das sie zu telefontauglichen Headsets erweitert. Sie eignen sich also besonders für das iPhone: Beim Telefonieren stoppt die Musik, und zur Kommunikation bleibt der Hörer einfach Ohr. Weitere Gemeinsamkeit: Alle drei sind „In-Ear“Hörer direkt für den Gehörgang und mit den spezifischen Vorzügen dieser Bauart: Störende Umgebungsgeräusche werden wirksam ausgeblendet, tiefe Frequenzen können nicht mehr so leicht ungehört ins Freie entweichen. Bässe haben also weit bessere Chancen, die Musik angemessen zu untermauern.

MMX 100 Individual von Beyerdynamic

Das erste In-Ear-Beispiel heisst MMX 100 Individual, stammt von Beyerdynamic und greift eine Idee auf, für die wir uns schon beim früheren Modell DTX 50 erwärmen konnten: Der Hersteller liefert einen Gutschein zum Hörer, den man bei einer Filiale der Hörgeräte-Ladenkette Kind einlösen kann. Dort nehmen die Akustiker einen Abdruck von Ohrmuschel und Innenohr und fertigen nach dieser Vorlage ein Anpass-Stück für den MMX 100, das im Wort-Sinn wie angegossen sitzt.

Tönt der Hörer in seiner Basis-Variante, also ohne das persönliche Anpass-Stück, eher unauffällig und ein bisschen dünn, so läuft er, wie schon die Individualfassung des DTX 50, mit dem Maß-Stöpsel zu unglaublicher Form auf: Bässe gewinnen ein Volumen, das man sich von einem Schallwandler dieses Kalibers eigentlich überhaupt nicht vorstellen kann, Grundtöne klingen kräftig und voluminös, Obertöne ergänzen das erdige Geschehen mit feinem und unaufdringlichem Glanz. Die wundersame Wandlung bestätigt, was Vergleiche von In-Ear-Hörern immer wieder zeigen: Das Klangresultat hängt ganz erheblich davon ab, wie gut die Anpass-Stücke der Hörer im Gehörgang sitzen. Für die Beyer-Maßarbeit, finden wir, darf man ruhig die 240 Euro zahlen, die der Spaß samt professioneller Ohr-Verarztung kostet.

Ultimate Ears TripleFi 10vi von Logitech

Das zweite Beispiel für nachhaltige MP3-Aufwertung stammt von Logitech und schmückt sich mit dem Adelstitel Ultimate Ears TripleFi 10vi, Kostenpunkt 349 Euro. Sein Innenleben ist der Lautsprechertechnik abgeschaut. Die Schallerzeugung ist auf drei winzige Wandler verteilt. Zwei bestreiten die tiefen Töne, einer die Höhen. Das soll nicht nur der Reinheit der Klangfarben zugutekommen, sondern auch einen weiten Stereo-Eindruck fördern. Die Resultate sind dann tatsächlich so beeindruckend wie das anspruchsvolle Technik-Konzept: Der Logitech-Hörer hält sich außerordentlich gewissenhaft an die Balance der natürlichen Klänge, zeichnet luftige, lebendige Klangbilder mit exakter Ortbarkeit und sauberer Trennung der einzelnen Instrumente und Stimmen und unterfüttert das alles mit stets präzisen, trockenen, eher schlanken Bässen. Kurzum: Auch der Logitech-Hörer ist eine verwegene, aber sinnvolle Investition in den mobilen Hörgenuss.

Das dritte Beispiel für die gezielte iPod-Aufwertung rückt der Kosten- Schmerzgrenze noch näher: Der In-Ear-Hörer ES530 von Shure markiert mit etwa 380 Euro das obere Ende der aktuellen Preisskala; mit einem iPhone-tauglichen Mikrofonadapter, zu erkennen am Namenszusatz PTH, will der Händler gar mehr als 400 Euro. Auch Shure setzt auf das Dreiwege-Prinzip. Die Amerikaner haben es sogar für den Ohrhörer-Einsatz erfunden, Logitech hat die Idee eigentlich nur kopiert. Und wer kann es nun besser, der Pionier oder der Adept? Das ist nicht leicht zu entscheiden: Der Shure-Hörer spielt auf einem ähnlich hohen Niveau wie das Top-Modell von Logitech, und nur mit Geduld findet man reproduzierbare Differenzen heraus. So punktet das Shure-Modell mit einem noch deutlicher ausgeprägten Sinn für die Finessen des musikalischen Geschehens; es identifiziert noch Details, die selbst große HiFi-Kopfhörer oder gute Lautsprecher schlichtweg übergehen. So ist er ein extrem anspruchsvoller Begleiter für die mobile Generation der HiFi-Gourmets, und wir empfehlen ihn einfach allen, die, krisenbedingt, papiernen Kontobeständen ohnehin nicht trauen.

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