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Nikon D5500 ausprobiert : Messwerte allein sind nicht abendfüllend

Die D5500 ist Nikons erste DSLR mit einem kipp- und umdrehbaren Touchscreen Bild: Pardey

Lobt man eine Kamera wie die Canon Eos 760D als handlich und angenehm, bekommt man die Nikon D5500 um die Ohren gehauen: Sie sei schneller, höher auflösend, einfach besser. Stimmt das?

          Nicht einmal über Autos wird mit derartig vielen Messwerten in den Fachzeitschriften berichtet wie über Digitalkameras. Und es muss wohl - und in bemerkenswert großer Zahl - Käufer geben, die ihre Wahl strikt nach Messwerten treffen. Das lässt sich nicht nur daraus schließen, dass die Kaufberatungsmagazine laufend vergleichen und Diagramme, seitenlange Tabellen mit im Labor ermittelten Daten und Vergleichsbilder veröffentlichen. Wobei zu den Vergleichsbildern zu sagen ist, dass die Unterschiede, die sie zeigen sollen, von der Drucktechnik nicht selten eingeebnet werden.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Den festen Glauben an die Messwerte kann man auch live und in Farbe erleben: Man muss nur ambitionierten Fotoamateuren gegenüber eine Kamera als handlich und angenehm zu bedienen loben, sagen wir eine wie die Canon Eos 760D etwa. Prompt bekommt man die Nikon D5500 um die Ohren gehauen: schneller, höher auflösend, einfach besser. Und tatsächlich, das Magazin „Colorfoto“ hat gerade in einem ausführlichen Test von Mittelklasse-Kameras die weitestgehend baugleiche Eos 750D mit der D5500 verglichen. Die Nikon kam auf 48,5 von hundert möglichen Punkten, die Canon auf 48 Punkte. Testsieger wurde übrigens die Olympus OM-D E-M 10 Mk.II mit 53,5 Punkten.

          Die für diese Beurteilung erhobenen Datenmengen sind von mehr als stattlichem Umfang, und man kann sich richtig in ihnen festlesen. Dabei oder wenn man selbst einzelne Punkte überprüft, stößt man auch auf Fakten, die in merkwürdigem Widerspruch zu eigenen Erwartungen zu stehen scheinen. Ohne zu wiegen, hätte der Verfasser geschätzt, dass Canons Eos leichter sei als die D5500. Denn die fühlt sich, typisch Nikon, subjektiv viel solider an. Tatsächlich ist die D5500 aber mit ihrem rund 470 Gramm wiegenden Gehäuse einschließlich Akku fast achtzig Gramm leichter als die Eos. Allein an solch einem zweifelsfrei und mit geringem Aufwand überprüfbaren Unterschied wird deutlich, wie stark die Einschätzung von Kameras vom Markenimage des Herstellers und von der Produktgestaltung abhängt.

          Auch bei einem viel schwieriger exakt zu messenden Thema wie der Bildqualität ist das so. In der D5500 arbeitet ein 24,2-Megapixel-CMOS-Sensor im von Nikon als DX benannten APS-C-Format (15,6 × 23,6 Millimeter) ohne Tiefpassfilter mit einem Expeed-4-Bildprozessor (Empfindlichkeit ISO 100 bis 25 600) zusammen. Der mit Phasendetektion arbeitende Autofokus hat 39 Messfelder, neun davon sind Kreuzsensoren. Die Belichtungsmessung erfolgt an 2016 Punkten. Zum ersten Mal verbaut Nikon in der D5500 einen 3,2-Zoll-Touchscreen als Monitor, der geneigt und herumgedreht werden kann. Er behält seine Berührungsempfindlichkeit auch dann, wenn man mit der Kamera am Auge agiert. Das ist praktisch: Mit einem Fingerstups lässt sich auf dem links ausgeklappten Monitor flink ein Messfeld des Autofokus aktivieren, während man durch den Sucher blickt.

          Selbstverständlich kann die D5500 Rohdaten speichern, sie dreht Full-HD-Videos mit bis zu sechzig Bildern in der Sekunde. Sie hat ein WiFi-Modul an Bord, um Bilder an Mobilgeräte zu übertragen oder sich von dort aus fernauslösen zu lassen. Sie schafft fünf Bilder in der Sekunde, egal, ob Jpeg oder Raw; im ersten Fall so viele, wie auf die Speicherkarte passen, im zweiten Fall 21 Bilder in Serie. Und natürlich bringt die D5500 alles Mögliche mit, was gern unter Kreativität verbucht wird, dem Spieltrieb dient oder die Kamera nach den Wünschen ihres Benutzers individualisiert.

          Die Nikon ist die „bessere“ Kamera

          Wenn man nach den bloßen Messdaten urteilt, hat die D5500 tatsächlich - aber eher nur knapp - die Nase vorn gegenüber der Eos 760D. Preislich liegen sie auch auf ähnlichem Niveau: Im Kit mit dem AF-S DX Nikkor 1: 3.5-5.6/18-55mm VR II ist die Nikon bei Versendern schon für deutlich weniger als 700 Euro zu bekommen. Also scheint der Fall klar zu sein: Die Nikon ist die „bessere“ Kamera. Moment, wenn man sich nur an Zahlen hält, fällt die Entscheidung rasch. In Wirklichkeit kann man sich Abende lang die Köpfe darüber heißreden, ob nun die eine oder die andere die „schöneren“ oder „besseren“ Bilder macht.

          Denn die Bildprozessoren behandeln ziemlich unterschiedlich, was auf der Speicherkarte landet. Der Bildeindruck wird wesentlich davon mitbestimmt, dass die Nikon Kanten nicht so stark betont wie die Eos. Und die eine oder andere kleine Umständlichkeit, die sich in der Bedienungsoberfläche der Nikon finden lässt, macht einem die Canon vielleicht übersichtlich sympathisch. Statt nur den Zahlen zu trauen, darf man sich ruhig mehr selbst, das heißt dem eigenen Geschmack vertrauen. Das ist die beste Wahl.

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