Seit Philips kürzlich die Frühjahrskollektion seiner Fernsehgeräte vorstellte, wissen wir: Im Wohnzimmer führen künftig ganz unterschiedliche Techniken in die dritte Dimension der Mattscheibenbilder. Die eine funktioniert nach bekanntem Muster: Der Bildschirm zeigt die beiden für den 3D-Eindruck notwendigen stereoskopischen Bilder für das rechte und das linke Auge nacheinander. Infrarotgesteuerte Shutterbrillen, deren Gläser aus zwei LCD-Scheiben bestehen, verdecken synchron zur Bildfrequenz abwechselnd das linke und das rechte Auge, damit die beiden aus unterschiedlichen Winkeln aufgenommenen Varianten des stereoskopischen Bilderpaares stets exklusiv auf der richtigen Netzhaut landen.
Dieses Verfahren gilt schon deshalb als Kompromiss, weil die technisch anspruchsvollen Shutterbrillen kräftig ins Geld gehen, besonders, wenn sich eine ganze Familie die Sichthilfen wünscht. Philips bringt deshalb in den kommenden Wochen eine andere Variante ins Spiel, die, so wollen es die Marketing-Leute, „Easy 3D“ heißt. Die Technik ist nicht neu, galt aber bisher eher als probate Lösung für den Gemeinschafts-Spaß in Sportkneipen. Denn „Easy 3D“ funktioniert mit leichten, elektronikfreien und folglich sehr preisgünstigen Brillen, in deren Fassungen Polarisationsfilter sitzen - wie im 3D-Kino. Im Wohnzimmer funktioniert die Sache aber nur mit passenden Bildschirmen: Deren Frontgläser brauchen polarisierende Beschichtungen, die im 3D-Betrieb für das rechte und das linke Auge stets nur jede zweite Zeile durchlassen.
Bisher galten einschlägige Produktionsverfahren als heikel, genauer, als Quelle für hohe und damit kostentreibende Ausschussraten. Denn die Polarisationsfolien müssen wirklich pixelgenau sitzen. Inzwischen aber scheint die Industrie, oder genauer: zumindest LG als Lieferant der LCD-Bildschirmrohlinge, die kniffligen Prozeduren im Griff zu haben. LG hat schon im Januar fünf Gerätereihen mit der „passiven“ 3D-Technik angekündigt. Der Kostenaspekt scheint demnach nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen: Philips will „Easy 3D“ unter anderem in der Modellreihe 7000 anbieten, die nach Preis und Ausstattung in der Mittelklasse rangiert. Mit „Easy 3D“ treten demnächst aber auch die superbreiten Heimkino-Modelle der Serie Cinema 21:9 Gold an, höchst attraktive Fernseher-Boliden, die Cinemascope-Kinofilme formatfüllend auf die Bildfläche bringen.
Im 3D-Betrieb sieht der Zuschauer nur jede zweite Zeile
Hinsichtlich der Bildqualität der beiden unterschiedlichen 3D-Strategien hat die passive Variante einen unübersehbaren Nachteil: Im 3D-Betrieb sieht der Zuschauer nur jede zweite Zeile, das vertikale Bildraster wird also gröber. Erst größerer Betrachtungsabstand lässt die daraus resultierende sichtbare Zeilenstruktur verschwinden. „Easy 3D“ hat aber auch subjektive Vorzüge, die Philips-Presseinformationen von „scharfen Bildern und geringen Doppelkonturen“ sprechen lassen. Das trifft zu: Die sequentielle, an Shutterbrillen gebundene Technik kann, insbesondere auf LCD-Schirmen, gewisse Überblend-Effekte zwischen den beiden Bildern hervorrufen und somit für mehr oder weniger auffällige Doppelkonturen sorgen.
Hinzu kommt: Das Abwechseln der Einzelbilder führt zwangsläufig zu einer Herabsetzung der Bildfrequenz (typischerweise auf 60 Hertz für jedes Auge). So erleben Zuschauer mit Shutterbrillen auf der Nase den 3D-Spaß bis zu einem gewissen Grad als die Rückkehr des Fernseh-Flimmerns - je nach Programmmaterial mal lästiger, mal in akzeptablem Rahmen. Passive Lösungen wie „Easy 3D“ wirken da deutlich ruhiger - ein nicht zu unterschätzender Vorteil. So hat die neue 3D-Variante durchaus sportliche Chancen - nicht nur als preiswerte Schlicht-Option.
Nur ein Problem gibt es...
Eduardo Preuß (windei)
- 03.04.2011, 12:56 Uhr
