08.12.2009 · Die DVD kennen fast alle, ihre Nachfolgerin Bluray meist nur Cineasten. Die Hersteller glauben allerdings fest an ihre Scheibe als Massenprodukt - gerade in der Vorweihnachtszeit. Die Bluray-Player werden immer billiger. Die Disc ist aber noch zu teuer.
Von Marco DettweilerDie Bluray Disc ist noch immer ein Mauerblümchen. Heimkinogänger übersehen sie häufig in Elektronikmärkten oder Videotheken. Das ist verständlich, denn die Bluray kostet neu etwa neun Euro mehr als ihre Zwillingsschwester DVD, die in Deutschland einen Marktanteil von über 90 Prozent hat - und sie sieht zudem genauso aus. Für die Bluray Group Deutschland hingegen ist ihr Vorzeigeprodukt ein echter Feger. Die Nachfolgerin der DVD sei „auf dem Massenmarkt angekommen“, sagt Vorsitzender Thilo Röhrig, und der „Gewinner auf dem Heimkinomarkt“.
So selbstbewusst und siegessicher kann die Bluray Group, die sich auf europäischer Ebene Bluray Disc Association nennt, erst seit knapp zwei Jahren auftreten. Ihre Mitglieder Philips, Panasonic, LG, Sony und andere hatten Anfang 2008 den „Formatkrieg“ gegen das HD-DVD-Lager gewonnen. Ehemalige Gegner wie Toshiba haben aufgegeben und das Lager gewechselt. Ein nunmehr einziges Format für Filme in Hochauflösung (HD) ist zweifelsohne ein Grund dafür, dass der Verkauf von Bluraygeräten und -scheiben in diesem Jahr einen enormen Schub bekommen hat. Doch ist die Bluray wirklich auf dem Weg zum Massenprodukt?
Bis Ende September 2009 3,2 Millionen Bluray Discs
Nach Angaben des Bundesverbandes für audiovisuelle Medien (BVV) wurden bis Ende September 2009 3,2 Millionen Bluray Discs verkauft. 2008 waren es lediglich 800.000 Silberscheiben. Der Bluray-Verkauf hat sich also innerhalb eines Jahres vervierfacht. Videotheken verliehen dreimal mehr von den Silberlingen als im Vorjahr. Dabei sind die letzten drei Monate in diesem Jahr noch nicht einmal eingerechnet. Man erwarte ein „unglaubliches Weihnachtsgeschäft“, sagt Oliver Trettin vom BVV. Man gehe davon aus, dass bis Ende des Jahres bis zu sechs Millionen Discs verkauft werden.
Ein Grund für den rasanten Absatzanstieg sei auch „die billige Hardware“. Große Elektronikmärkte bieten Bluray-Player zeitweise unter 100 Euro an. Vor wenigen Jahren lagen deren niedrigste Preise noch bei 500 Euro. Ein Einstiegsgerät von Sony etwa kostet 250 Euro. Das japanische Unternehmen hat in Deutschland 2009 viermal so viele Bluray-Player verkauft wie 2008. Die Marktforscher von Futuresource schätzen, dass der Verkauf von Abspielgeräten insgesamt gegenüber dem Vorjahr um 150 Prozent steigen wird.
Höchstens zwei Scheiben im Jahr
Der Weg vom Mauerblümchen zum Hingucker könnte für die Bluray dennoch ein langer sein. Eine Studie der GfK zeigt, dass 2008 etwa 12 Prozent aller Bluray-Käufer für knapp die Hälfte des Umsatzes verantwortlich waren. Über 50 Prozent aller Bluray-Käufer erwerben höchstens zwei Scheiben im Jahr aus einem Repertoire, das mittlerweile 1300 Titel umfasst. Dieses Verhältnis verschiebt sich momentan allerdings. Der Anteil der Bluray-Disc-Kunden, die keine DVDs mehr kaufen, hat sich in diesem Jahr im Vergleich zu 2008 mehr als vervierfacht.
Gute Gründe für den Kauf eines Bluray-Players und der entsprechenden Discs gibt es genügend. So sind die Abspielgeräte abwärtskompatibel: Sie können auch DVDs und Audio-CDs wiedergeben. Wer sich jetzt einen Bluray-Player kauft, kann nahezu jede Silberscheibe wiedergeben. Zudem soll die „Upscaling-Funktion“ das Material von DVDs besser aussehen lassen. Die Vorzüge einer Bluray-Disc gegenüber einer DVD folgen aus der größeren Speicherkapazität. Weil die neue Scheibe bis zu 50 Gigabyte Daten speichert, passen Spielfilme in hochauflösender Qualität darauf. Für den Vorsitzenden der Bluray Disc Assocation, Niels Leibbrandt, steht fest: „Wer ein HDTV-Gerät hat, wird auch einen Bluray-Player kaufen.“ Die Bitkom schätzt, dass in diesem Jahr voraussichtlich 7,1 Millionen Flachfernseher verkauft werden.
„BD-Live“ ist ein Versuch, einen Mehrwert zu schaffen
Da die Qualität von Kinofilmen, Konzerten oder Fernsehserien auf einer DVD für viele Filmegucker möglicherweise doch genug ist, lassen sich die Hersteller weitere Features einfallen, um die Kunden von Bluray zu überzeugen. „BD-Live“ ist zum Beispiel so ein Versuch, einen Mehrwert zu schaffen. Bluray-Discs mit dieser Funktion ermöglichen dem Nutzer, internetbasierte Anwendungen auf dem Fernseher laufen zu lassen. Das sind neben interaktiven Gewinnspielen und aktuellen Wettervorhersagen die Nutzung spezieller Filmdatenbanken oder Facebookprofile wie auch exklusive Interviews. „BD-Live“ ist für die Imagion AG, eines der führenden Unternehmen in Europa für die Umsetzung von Filmen auf digitale Medien, eine wichtige Funktionalität von Bluray-Discs. Vorstandsmitglied Andreas Thran ist von diesem Mehrwert überzeugt und sieht sich im Nutzerverhalten bestätigt. „Wir haben 500 000 Besucher in unserem BD-Live-Bereich, und es handelt sich dabei nicht nur um Technik- oder Film-Nerds.“
Das Internet kann der Bluray nicht nur zu einem möglichen Mehrwert verhelfen, sondern in Zukunft eine harte Konkurrenz sein. Immer mehr Cineasten verzichten auf den Gang in die Videothek und schauen sich einen Film per Streaming in einer Online-Videothek an. Unternehmen wie Apple oder Micrsoft bieten in ihren Internet-Läden Filme in HD-Qualität an, selbst Videoportale wie Youtube oder Vimeo werben mit hochaufgelösten Bildern. Die Auflösung entspricht zwar nicht der einer Bluray-Disc. Doch viele Filmliebhaber wird die nicht ganz so hochaufgelöste Qualität von Online-Filmen nicht davon abhalten, den DVD-Player in die Ecke zu stellen und Filme nur noch online zu schauen.