05.06.2005 · Er ist der Inbegriff zeitgemäßen mobilen Musikhörens. Trotzdem macht ein I-Pod allein nicht glücklich. Anders als weiland der Walkman ist nämlich der MP3-Spieler von Apple ein geselliges Wesen. Ein Blick durch den Dschungel der Ergänzungsgeräte.
Von Daniel SchnettlerWas der Walkman von Sony in den achtziger Jahren war, ist der Apple I-Pod heute: der Inbegriff von Musikhören, jederzeit und überall. War der Walkman ein Einzelgänger, ist der I-Pod ein geselliges Wesen.
Für kein anderes Musikspielgerät gab und gibt es mehr Zubehör: Lautsprecher, Fernbedienungen, Autohalterungen, Mikrofone, Zusatzbatterien und selbst ein Unterwassergehäuse. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Täglich kommt neue „weiße Ware“ hinzu - darunter viel Tinnef, aber auch eine Menge Dinge, die schon längst mal hätten erfunden werden sollen.
Unterwasser-Klang
Zu welcher Kategorie das Unterwassergehäuse von H2O-Audio (im Vertrieb von Higoto) gehört, muß jeder für sich selbst entscheiden. Sicher ist, daß nun niemand mehr auf Musik unter der Dusche zu verzichten braucht. Selbst zum Schnorcheln ist das durchsichtige Gehäuse samt Kopfhörer geeignet. Bis drei Meter Tiefe bleibt das Wasser außen vor. Dabei läßt sich der I-Pod wie gehabt bedienen. Das Daumenrad zur Einstellung der Lautstärke und zum Durchblättern der Menüs reagiert allerdings etwas träge.
Und zum Aufsetzen des Nackenbügel-Kopfhörers mit seinen wasserdichten Stöpseln braucht es ein wenig Geduld und Übung. Falsch ins Ohr gesteckt, dichtet das Gummi perfekt ab, und man hört nichts. Mit seinem mageren Klang ist der H2O-Audio SV-I-Mini dann auch eher etwas für Enthusiasten, die im nassen Element partout nicht auf ihre Lieblingslieder verzichten können.
Lautstärke ist nicht alles
Massentauglich sind hingegen die zahlreichen Musikanlagen für den I-Pod. Die Spannweite reicht vom teuren Bose-Brummer bis zur batteriebetriebenen, zusammenklappbaren Klangmaschine fürs Picknick im Grünen. Alle Geräte, die wir ausprobiert haben, besitzen einen Dockinganschluß für I-Pods. Darüber gelangt die Musik in die Anlage und der Ladestrom in den I-Pod. Dank austauschbarer Schalen sitzen die diversen I-Pod-Varianten, die mal dicker und mal dünner sind, stets sicher im Gerät.
Das Bose Sounddock (rund 400 Euro) ist der König unter den I-Pod-Musikanlagen. Mit einem Gewicht von 2,1 Kilogramm und einem voluminösen Gehäuse taugt er aber nicht zum Mitnehmen. Zur Beschallung der eigenen Party reicht die Leistung des Sounddock - dem eine Infrarotfernbedienung beiliegt - allemal. Doch Lautstärke ist nicht alles. Beim Klang hat Bose geschludert. Die Bässe sind zwar kräftig, die Mitten und Höhen aber mager.
Gutes Kassettenrekorder-Niveau
Auch bei den Anschlüssen hat der Hersteller gespart: Weder lassen sich I-Pods der ersten Generationen - ohne Dockinganschluß - über einen handelsüblichen Klinkenstecker anstöpseln, noch ist eine USB- oder Firewire-Verbindung mit dem Computer und dem dort installierten Apple I-Tunes möglich. Gerade bei einem Standgerät wie dem Sounddock würde es sich anbieten, die neueste Musik direkt auf den I-Pod zu laden. Alle nachfolgend genannten Musikanlagen haben Audio- und Computeranschlüsse.
Den Reigen der kleinen I-Pod-Anlagen eröffnet die JBL On Stage, ein Gerät. Nur 500 Gramm wiegt der weiße Musikkranz mit seinen vier winzigen Lautsprechern. Der Klang ist auf gutem Kassettenrekorder-Niveau, aber auch nicht mehr. Die fehlenden Bässe und Mitten sind ein Tribut an die kompakte Bauform. Zur Zimmerbeschallung reicht's. Im Freien ist das JBL On Stage (rund 200 Euro) ohnehin nicht benutzbar, denn es braucht einen Stromanschluß.
Grundrauschen trübt Musikgenuß
Fürs Picknick eignet sich eher das etwa gleich teure Altec Lansing in Motion IM3. Vier Mignon-Zellen sorgen auch abseits von Steckdosen für Musikbeschallung. In Räumen übernimmt ein kompaktes Steckernetzteil die Stromzufuhr. Dank seiner Klappmechanik läßt sich das 425 Gramm schwere IM3 auf handtaschentaugliche Größe falten. Der Klang, der aus den vier kleinen Lautsprechern kommt, ist etwas dumpf, da hier vor allem die Höhen fehlen. Der I-Pod Photo, der dickste aller I-Pods, paßt zudem nicht ins IM3.
Von Bauart und Gewicht ähnlich dem Altec-Lansing-Gerät ist die Logic 3 I-Station; mit knapp 100 Euro ist sie aber nur halb so teuer. Der Preis schlägt sich direkt in der Qualität nieder. Der Klang ist trotz eines sogenannten „Subwoofers“ sehr flach und blechern. Ein Grundrauschen trübt den Musikgenuß obendrein. Mit seinen freiliegenden Lautsprechern und seinem riesigen Netzteil ist die I-Station nicht für die große Reise geeignet, wenngleich sie auf Batterien laufen kann.
Kein Problem mit leeren Akkus
Eine Musikanlage fürs Auto ist Densions Ice Link Plus. Das System verbindet den I-Pod mit dem Autoradio. Ice Link Plus macht dem Autoradio weis, der I-Pod sei ein CD-Wechsler und genau wie dieser zu steuern. Dank spezifischer Adapter läßt sich das System an nahezu alle Autoradios anschließen. Der Installationsaufwand hält sich in Grenzen. Blaupunkt bietet ein ähnliches System für seine Autoradios an.
Ein im Wagen installierter I-Pod hat dann auch keine Probleme mehr mit leeren Akkus. Der Strom kommt von der Autobatterie. Diesen Luxus haben mobile I-Pods nicht. Zubehörspezialist Belkin hat zwei Lösungen parat, dem I-Pod ein längeres Leben abseits des Ladegeräts zu schenken: Im Backup Battery Pack, der mit Saugnäpfen auf der Rückseite des I-Pod befestigt wird, stecken vier wechselbare Mignon-Zellen (Preis knapp 60 Euro).
Solar bringt Leistung ohne Ende
Im Tune Power, dessen Plastikholster den I-Pod umschließt, liefert ein eingebauter Lithium-Ionen-Akku den Strom (Preis rund 80 Euro). Anders als der Backup Battery Pack lassen sich die Zellen hier nicht wechseln. Geladen wird über das I-Pod-Ladegerät, alternativ über den USB- oder Firewire-Anschluß am Computer.
Dafür trägt der Tune Power nicht so dick auf wie das Backup Battery Pack und ist anders als dieses auch für den I-Pod Mini geeignet. Bis zu zehn Stunden Zusatzlaufzeit beschert Tune Power dem I-Pod; das Backup Battery Pack je nach Batterietyp sogar bis zu 20 Stunden. Leistung ohne Ende liefert Solio, ein Solarladegerät für den I-Pod - allerdings nur, wenn die Sonne scheint.
Externes Mikro anschließbar
Strom braucht der I-Pod nicht nur zum Musikspielen. Der I-Pod kann mit dem richtigen Zubehör noch weit mehr. Der Griffin I-Talk und der Belkin Voice Recorder machen aus ihm ein Diktiergerät. Beide Geräte werden auf den I-Pod aufgesetzt. Ein Mikrofon nimmt die Sprache auf, ein kleiner Lautsprecher dient zur Kontrolle. Die Aufnahmen werden als Wav-Dateien auf der I-Pod-Festplatte abgelegt und können mit Apple I-Tunes oder anderer Musik-Software auf dem Computer abgespielt werden.
Der Klang ist etwas besser als bei einem Telefon. Das Gerät von Griffin hat den Vorteil eines Kopfhöreranschlusses; so ist man beim Kontrollieren der Aufnahmen vor Ort nicht auf den eingebauten Lautsprecher angewiesen. Über den Belkin Universal Microphone Adapter läßt sich ein externes Mikrofon anschließen. Die Klangqualität ist aber nicht besser als bei den zwei Alles-inklusive-Brüdern.
Digital Camera Link
Auch als Zwischenspeicher für Digitalkamera-Fotos ist der I-Pod zu gebrauchen. Die Fotos gelangen auf zweierlei Weise in den MP3-Spieler: über ein Zusatzgerät, das die Speicherkarte ausliest, oder via USB-Kabel. Letzteres hat Apple selbst im Angebot. Das streichholzschachtelgroße Kästchen funktioniert mit Kameras, die am Computer keine extra Software zum Laden der Bilder benötigen, sondern sich automatisch als Massenspeicher installieren. Der Apple I-Pod Camera Connector hat allerdings den großen Nachteil, daß er nur am I-Pod Photo arbeitet.
Besitzer aller anderen I-Pods mit Dockinganschluß müssen auf den Belkin USB Digital Camera Link ausweichen, der mit 100 Euro dreimal so teuer wie das Apple-Produkt ist. Zudem ist das Belkin-Gerät so groß wie der I-Pod selbst und braucht zwei Mignon-Batterien. Zweite Ausweichmöglichkeit ist der Belkin Media Reader, der CF-, SM-, SD- und MMC-Speicherkarten sowie Memory Sticks ausliest. Allerdings ist er noch ein bißchen größer und braucht vier Micro-Zellen.