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Minox DTC 1000 : Marderhund, du wurdest gerade gefilmt

Erwischt: Nyctereutes procyonoides, ein Marderhund – auch Tanuki oder Enok genannt – mit Jungtier Bild: Soga M, Koike S; CC BY 2.5; via Wikimedia Commons

Die automatisch auslösende Kamera zur Wildbeobachtung und Eigenheim-Sicherung Minox DTC 1000 verschickt Bilder an ihren Besitzer. Wer sie erwirbt, muss sich aber erst einmal juristisch belehren lassen.

          Die Binsenweisheit gilt für Spargel im Speckmantel, tiefgefroren, genauso wie für allerlei technisches Gerät von der GPS-Pulsuhr bis zum Radiowecker mit iPhone-Dockingstation: Erst wenn Aldi es hat, ist etwas in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das war schon mit dem Laminier-Backloader so und erst recht mit der Maginon Wild-/Überwachungskamera WK1. Für einen Cent weniger als 100 Euro war sie selbstverständlich ein Preisknüller und bot, was man anderswo für das Anderthalbfache bis das Doppelte – allerdings eben schon viel früher – erwarten durfte: fünf Megapixel große Bilder, Farbmonitor, Videos bis 640 x 480 Bildpunkte, Spritzwasserschutz für den Außeneinsatz, Farbaufnahmen bei Tage, Schwarzweiß-Aufnahmen in der Nacht, Infrarotblitz und Auslösung durch Bewegungssensoren mit einstellbarer Empfindlichkeit, verschiedene Aufnahme-Modi, Speicherung der Bilder auf einer SD/SDHC-Speicherkarte und, so stand es zumindest auf dem Papier, „bis zu 6 Monate Standby-Zeit“.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Monatszeitschrift „Rheinisch-Westfälischer Jäger“ des Landesjagdverbands NRW befand schon in ihrer Januarausgabe 2013: „Wildkameras sind in deutschen Revieren derzeit ,der Renner‘ – damit es nicht eines Tages ein böses Erwachen gibt, sollte man einige Spielregeln beachten.“ Als da wären: Unzulässig sei der „wahllose Einsatz“, insbesondere „Kameras an Waldwegen zu installieren, um dort den Besucherverkehr zu überwachen“. Man solle die Installation „auf wenige, besonders sensible, öffentlich nicht zugängliche Örtlichkeiten im Revier“ beschränken. Und: „Aufnahmen von Menschen sind unverzüglich zu löschen – selbst bei Personen, die sich widerrechtlich an jagdlichen Einrichtungen aufgehalten haben.“ Worunter der nicht jagdausübungsberechtigte Wanderer wohl etwa das Erklettern von Hochständen oder Betreten von Futterplätzen zu verstehen hat.

          Auch Tonaufnahmen sind möglich

          Nicht überall war „der Renner“ Wildkamera wohlgelitten. Auch wenn die Heger und Jäger die Überwachung des Bestandes oder das frühzeitige Aufspüren kranker Tiere ins Feld führten, es wurden mancherorts Pilzsammlern zuliebe Pachtverträge geändert und die automatischen Aufzeichnungsgeräte geächtet. Insofern ist die Bezeichnung „Wild-/Überwachungskamera“ beim Discounter bemerkenswert. Wie ist denn das, wenn ich auf meiner Gartenterrasse so eine Kamera installiere? Zwecks Überwachung meines Eigenheims könnte ich mir zum Beispiel etwas richtig Gutes leisten wie die Minox DTC 1000, deren Hersteller sie ausdrücklich als „ auch für den Objektschutz und die persönliche Sicherheit geeignet“ anpreist.

          Bei Foto Anruf: Die Minox DTC 1000 enthält ein GSM-Modul
          Bei Foto Anruf: Die Minox DTC 1000 enthält ein GSM-Modul : Bild: Hersteller

          Der Clou der DTC 1000, zum Preis von rund 450 Euro Flaggschiff einer ganzen Baureihe von teilweise in Flecktarn gewandeten Minox-Wildkameras, ist ihre GSM-Funktion: Die Kamera kann mobilfunken. Ein Handymodul schickt eben gemachte Bilder per MMS an eine gespeicherte Handynummer oder verschickt sie als E-Mail an die Adresse desjenigen, der sie installiert hat. Auch die übrige technische Ausstattung der etwas über 400 Gramm wiegenden DTC 1000 im Format 10×15×5,5 Zentimeter ist erkennbar höherwertig: Die 8-Megapixel-Kamera macht je nach Auslöseeinstellung ein bis drei Serienbilder oder dreht 5 bis 60 Sekunden lange Videos in VGA- oder HD-Qualität (maximal 1280×720 Bildpunkte). Weitergeschickte Bilder haben VGA-Auflösung (640×480). Mit den Bildern können Datum und Zeit sowie Temperatur und Mondphase aufgezeichnet werden. Im Videomodus sind auch Tonaufnahmen möglich.

          Wer sich auf den Websites von Minox für eine solche Kamera interessiert, wird neben – leicht differierenden – technischen Daten beinahe mehr juristische Belehrung finden. Am Arbeitsplatz sollten Beobachtungskameras „nie zum Einsatz kommen“. Wir werden den gemeinen Keksmarder in der Kaffeeküche also leider nicht so stellen können, wie der Jäger Peter Burkhard den Marderhund in einem Rotwildrevier im Wendland nachwies. „Im Straßenverkehr“ – was immer das heißen soll – empfiehlt Minox die Kamera so anzubringen, „dass eine Bestimmbarkeit der Verkehrsteilnehmer über Kennzeichen und Fahrzeugaufschriften ausgeschlossen“ bleibe. Eine „personelle Bestimmbarkeit“ liege zum Beispiel vor, wenn aus einem Kraftfahrzeugkennzeichen darauf geschlossen werden kann, wo eine bestimmte Person sich zu einer bestimmten Zeit aufgehalten hat.

          Ab wann darf sich der Nachbar belästigt fühlen?

          Der juristischen Informationen über das Recht am eigenen Bild, die Privatsphäre anderer und die Hinweispflicht auf die Kamera sind es noch einige mehr. Aber wir wollen ja nur unsere Terrassentür filmen. So bekommen wir jedes Mal einen herzkasperauslösenden Alarm auf dem Handy, wenn Nachbars Katze gucken kommt, ob nicht vielleicht doch ein Freßnapf hingestellt wurde. Aber ab wann darf der Nachbar selbst sich von einer Überwachungskamera, die auf unser eigenes Grundstück gerichtet ist, belästigt fühlen?

          Auch das ist höchstrichterlich geklärt worden. Aus den Entscheidungsgründen eines 2010 ergangenen BGH-Urteils: „Die Befürchtung, durch vorhandene Überwachungsgeräte überwacht zu werden, ist dann gerechtfertigt, wenn sie aufgrund konkreter Umstände als nachvollziehbar und verständlich erscheint, etwa im Hinblick auf einen eskalierenden Nachbarstreit oder aufgrund objektiv Verdacht erregender Umstände. Liegen solche Umstände vor, kann das Persönlichkeitsrecht des (vermeintlich) Überwachten schon aufgrund der Verdachtssituation beeinträchtigt sein. Allein die hypothetische Möglichkeit einer Überwachung durch Videokameras und ähnliche Überwachungsgeräte beeinträchtigt hingegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht derjenigen, die dadurch betroffen sein könnten, nicht. Deshalb ist die Installation einer Überwachungsanlage auf einem privaten Grundstück nicht rechtswidrig, wenn objektiv feststeht, dass dadurch öffentliche und fremde private Flächen nicht erfasst werden, wenn eine solche Erfassung nur durch eine äußerlich wahrnehmbare technische Veränderung der Anlage möglich ist und wenn auch sonst Rechte Dritter nicht beeinträchtigt werden.“

          Quelle: F.A.S.

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