Home
http://www.faz.net/-gyf-6v3jd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

MicW i436 und i456 Lauschen, messen, analysieren

17.11.2011 ·  Die Steckmikrofone MicW i436 und i456 erweitern die Fähigkeiten von iPhone, iPad und iPod Touch. Das erste hat Kugelcharakteristik, das zweite Richtcharakteristik, beide bieten sehr gute Tonqualität.

Von Wolfgang Tunze
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)
© Hersteller Die leichteste Übung: Schalldruckmessungen absolviert das Mikrofon i436 im Handumdrehen

Steckt das iPhone in der Jackentasche, kann das Diktiergerät eigentlich zu Hause bleiben: Legionen von App-Entwicklern liefern Aufnahme-Software für den akustischen Mitschnitt. Aber viel mehr als passable Sprachqualität gibt das eingebaute Mikrofon nicht her. Wer auch einmal die eigenen musikalischen Bemühungen naturnah festhalten oder ein Interview in Sendequalität aufzeichnen möchte, braucht die Unterstützung eines externen Schallaufnehmers. Selbst davon gibt es inzwischen eine beachtliche Auswahl, aber das gängige Angebot ließ bis heute offenbar noch eine Lücke für eine kleine, feine und technisch anspruchsvolle Lösung.

MicW jedenfalls, ein chinesischer Hersteller von Mess- und Studiomikrofonen, will sie schließen - mit den beiden iPhone-Ansteckmikrofonen i436 und i456 (Vertrieb www.synthax.de, Preise jeweils um 110 Euro). Die beiden Schallwandler stecken in schmucken, nur einen halben Zeigefinger langen Edelstahlgehäusen, die am unteren Ende in vierpolige Klinkenstecker münden. Damit lassen sie sich direkt in die Klinkenbuchse auf der iPhone-Oberseite stöpseln. Auch mit einem iPod Touch oder mit einem iPad klappt der Kontakt. Smartphones und Tablets anderer Hersteller kommen ebenfalls in Betracht, wenn sie eine identisch geschaltete, vierpolige Kombi-Buchse mit 3,5-Millimeter Durchmesser haben.

In Inneren der Mikrofone sitzen winzige Elektret-Kapseln, die ihre Speisespannung jeweils über einen der vier Steckerkontakte beziehen. Beide Modelle eignen sich nur für Mono-Aufnahmen - aber die, verspricht der Hersteller, gelingen in vorzüglicher Qualität. Das i436 trägt sogar ein Zertifikat nach der Industrienorm IEC 61672 Klasse 2 für Messmikrofone.

Deutlich überlegene Klarheit, Klangfarbentreue und Transparenz

Aber zunächst zu den wichtigsten Unterschieden der beiden Mikrofontypen: Das i436 hat eine Kugelcharakteristik, nimmt den Schall also von allen Seiten mit annähernd gleicher Intensität auf. Es kann deshalb besonders gut Raumatmosphäre einfangen und vielstimmige Debatten am runden Tisch dokumentieren. Das Modell i456 dagegen hat eine Richtcharakteristik, die Studio-Profis „Niere“ nennen; ein Diagramm der Empfindlichkeitsverteilung im Umkreis der Membran ähnelt der Form dieses Organs. Mikrofone mit Nierencharakteristik lassen sich gezielt auf die Schallquelle richten, um sie bevorzugt aufzunehmen; Umgebungsgeräusche gelangen dann nur mit schwächerem Pegel in die Aufnahme. Für Interviews eignen sich solche Mikrofontypen deshalb besonders gut, ebenso für Vorträge eines entfernten Redners oder für den musikalischen Auftritt eines Solisten.

Wir haben beide Varianten ausgiebig ausprobiert und waren von der Tonqualität außerordentlich angetan. Beide Steckmikrofone stellen die Leistungen des eingebauten iPhone-Mikrofons weit in den Schatten - mit deutlich überlegener Klarheit, Klangfarbentreue, Transparenz und einem eher hellen Timbre, das glitzernde Obertöne mit einer gewissen Vorliebe einfängt. Auffallend auch: Rauschen hält sich auf einem sehr niedrigen Niveau. Dreht man das iPhone während der Aufnahme um seine horizontale Achse, werden die Unterschiede zwischen beiden Modellen deutlich: Die Klangfarben des i436 verändern sich kaum, die des i456 wechseln, bedingt durch die Richtcharakteristik, zwischen frisch und eher gedeckt. Zur Produktion eigener Tondokumente kann man die beiden Mikrofon-Außenborder, je nach Einsatzzweck, nur empfehlen. Eine passende App hierzu ist zum Beispiel „Pure Audio“ (2,39 Euro), die sogar einen Digitalfilter gegen Umgebungsgeräusche bietet und Spracherkennung unterstützt.

Position der Lautsprecherboxen kann das Klangbild verändern

Das Modell i436 hat aber auch noch andere Stärken: In Zusammenarbeit mit passenden Apps läuft es auch als akustischer Mess-Sensor zu Hochform auf. Eine ganz simple Anwendung ist zum Beispiel die Ermittlung des Schalldruckpegels, etwa, um allzu ausgelassenen Nachbarn das Störpotential ihres Partylebens in Dezibel vor die Nase zu halten. Die Gratis-App „Decibel Ultra“ wäre die passende Software dazu, ebenso die App „SPLnFFT“, die zum Preis von 1,95 Euro noch etliche Dreingaben bietet: Sie analysiert das Spektrum der erfassten Geräusche, zeigt es als Diagramm und gewichtet es auf Wunsch nach verschiedenen, in Industriestandards definierten Filtern zur Anpassung an die Gehör-Empfindlichkeit. Natürlich lassen sich solche Programme auch perfekt einsetzen, um etwa Lautsprecher für Klangvergleiche auf identische Wiedergabelautstärken einzupegeln.

Wie die Lautsprecherboxen mit dem Hörraum zusammenwirken und welche korrekturwürdigen Unarten, Resonanzen oder spektralen Vorlieben sie dabei entwickeln - all dies können entschiedene HiFi-Fans herausfinden, wenn sie ihr Messmikrofon zusammen mit der App „Octave“ (3,99 Euro) einsetzen: Das Programm zeigt das akustische Geschehen als Echtzeit-Spektralanalyse in Bändern von einer sechstel Oktave, mit einer Auflösung also, die früher nur Spezialgeräte zu vierstelligen Preisen beherrschten. Wer mit solchen Instrumenten experimentiert, erkennt seine HiFi-Anlage am Ende vielleicht gar nicht mehr wieder: Schon eine günstigere Position der Lautsprecherboxen kann das Klangbild viel mehr verändern als die Investition in einen neuen, sündhaft teuren Verstärker.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr