Loewe nennt es einfach Reference. Und wir müssen uns mit beschreibenden Synonymen plagen: Wie wollen wir es denn eigentlich bezeichnen, was der fränkische Hersteller da in die Welt stellt - in Umgebungen, die fast auf jedes weitere Mobiliar verzichten könnten? Die unterhaltungselektronische Alltagsdiktion bietet funktionsorientierte Begrifflichkeiten wie Fernseher, Multimediazentrale, HiFi-Anlage und Multi-Raum-System an, dies alles additiv, versteht sich.
Kunstsinnige Zeitgenossen würden das Phänomen des raumgreifenden Auftritts in den Fokus ihrer Betrachtung rücken - definiert durch ein expressives visuelles Gesamtkonzept, eine Komposition aus entspiegeltem Glas, schimmerndem Aluminium und Formen, die flächige Mächtigkeit mit schwereloser Schlankheit dialektisch verbinden. Detailversessene Experten würden sogleich Notizen über die exquisite Verarbeitungsqualität der Materialien und die zwischen matt und glänzend changierenden, feinen Strukturen der metallischen Oberflächen festhalten.
Ferner würden sie Pluspunkte sammeln für Finessen der Kategorien Komfort und Installation, etwa wenn sie herausfänden, dass sich der Bildschirm mit Motorkraft in die beste Sichtposition drehen lässt oder wenn sie entdeckten, wie geschickt die einzelnen Komponenten ihre unvermeidlichen Kabelverbindungen kaschieren: Letztere treten erst, verhüllt und gebündelt, an den Rückseiten der Standfüße ins Freie.
Reference ist der Sammelname für frei kombinierbare Systemkomponenten
Zurück zur Sphäre der Fakten und Funktionen: Reference ist der Sammelname für frei kombinierbare Systemkomponenten, die jeweils für das Beste stehen, was man derzeit bei Loewe kaufen kann. Als Zentralorgan fungiert der Fernseher Reference 52. Die Ziffern benennen das Kaliber in Zoll, die Mattscheibe hat also ein stolzes Diagonalmaß von 132 Zentimetern. Darunter sitzt eine üppig dimensionierte Lautsprecherzeile. Technisch repräsentiert das Gerät den höchsten Stand der Dinge: Empfangsteile für analoges und digitales Kabel sowie digitalen Antennen- und Satelliten-Empfang, natürlich inklusive HDTV, gibt es gleich jeweils zweimal, damit die eingebaute 500 Gigabyte große Festplatte ein Programm mitschneiden kann, während ein anderes die aktuelle Unerhaltung bestreitet.
Eine CI+-Schnittstelle erschließt auch Abo-Programme und private HDTV-Sender. 200-Hertz-Prozessoren vervierfachen die Bildfrequenz, um Bewegungsabläufe stets flüssig und glatt auf die Bildfläche zu bringen. Über einen USB-Anschluss lassen sich nicht nur Bilder und Musik zuspielen. Hier kann auch eine spezielle Loewe-Festplatte andocken, um zusätzliche Aufnahmekapazität bereitzustellen. Ein Netzwerkzugang über Ethernet-Kabel oder WLAN-Funk erschließt zusätzliche Medien wie Internet-Radio, Youtube-Kino, Hörbücher, Mediatheken und Informationen aus Portalen wie Focus Online. Auch auf Computer oder Festplatten im Heimnetz kann das Gerät zugreifen: Musikarchive, Filme, Fotos - der eingebaute Medienplayer holt alles auf die Bildfläche und an die Lautsprecher.
Gleichzeitig dient er als Server für Mehrraum-Anlagen
Als Spezialist für Musik, Radio und Video dient das Reference Mediacenter. Das flache, aufrecht-vertikal oder pultförmig postierbare Gerät hat ein UKW-Empfangsteil an Bord, lädt über seine Docking-Station iPods oder das iPhone zum Mitspielen ein, spielt DVDs und CDs ab und kopiert Musikscheiben auf Wunsch auf die eingebauten Festplatten, die alle Dateien gespiegelt lagern, also definitiv vor Hardware-Defekten geschützt. Gleichzeitig dient dieser Apparat als Server für Mehrraum-Anlagen: Alles, was er an Tonquellen erschließt, darunter auch das HiFi-Radio aus der digitalen Fernseh-Infrastruktur via Satellit und Kabel, kann er über das Netzwerk an Zusatzkomponenten im ganzen Haus verteilen.
Die Lautsprecher im Ensemble zählen zur raren Gattung der Elektrostaten, lassen also hauchzarte Membranen schwingen, um nach High-End-Manier Filigranarbeit zu leisten. Den gröberen, sprich tieffrequenten Teil des akustischen Geschehens bestreitet ein passender Subwoofer, der sich in Pegel und Übergangsfrequenz exakt an die Gegebenheiten der Gesamtinstallation anpassen lässt. Kompromisslos geriet auch das Bedienkonzept der ganzen Anlage: Eine komfortable Funk-Fernbedienung kann auf ihrem großen Farbdisplay sogar die Cover von Musiktiteln anzeigen und zum Durchblättern anbieten, auf der großen Fernseh-Mattscheibe weisen übersichtliche Menügraphiken sicher den Weg durch die geballte Funktionsdichte des kompletten Systems.
Die Qualitäten von Bild und Ton passen zum opulenten Gesamtkonzept. Davon profitieren sorgfältig produzierte HDTV-Bilder in spektakulärem Maß: Sie zeigen sich in hervorragender Schärfe und Farbtreue auf der mächtigen Bildfläche, alpine Abfahrtsläufe oder Eishockey-Schlachten reproduziert das Gerät, ohne je die rasanten Bewegungen der Athleten zu verwischen. Und wenn Konzertantes auf dem Programm steht, laufen die Reference-Lautsprecher zu wahrer Größe auf: Sie musizieren mit einer Detailfreude und einem Einfühlungsvermögen, die selbst verwöhnten HiFi-Gourmets helle Freude bereitet - einfach standesgemäß eben.
Leider gibt es all das nicht zu Schnäppchenpreisen: Der Fernseher kostet um 12.500 Euro, die Lautsprecher plus Subwoofer etwa 5400, das Mediacenter mindestens 4300 Euro.
warum nicht?
Matthias Schulz (mattmiksys)
- 09.03.2010, 23:38 Uhr
