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Loewe Der Schirm kommt auf den Schoß

 ·  Tablet- und Fernsehschirm proben die Arbeitsteilung. Nur die Grenzen der Phantasie können die Symbiose künftig noch einengen. Neue Apps von Loewe markieren den Trend.

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Der Couchpotato alter Schule lebt seinen beschränkten Bedarf an Interaktivität selbstgenügsam mit der Fernbedienung aus: Den Sendestab in der einen, ein Gerstengetränk in der anderen Hand, die Knusper-Chips auf dem Schoß und die Mattscheibe in kommoder Distanz, zappt er auf- und abwärts durch die Liste der Fernsehkanäle und lebt damit recht zufrieden - bedroht nur durch das latente Risiko der Gewichtszunahme.

Der moderne Power-User hat es aber mit Gerätschaften zu tun, die das Internet als Unterhaltungsquelle eingemeinden und über das Heimnetzwerk auch gleich noch Kontakte zu allerlei Festplatten und Computern aufnehmen, um dort automatisch Musik und Bilder aufzustöbern und zur Wiedergabe anzubieten - eine neue Herausforderung an die Ergonomie. Denn mit ein paar Cursor-Tasten durch das digitale Universum zu klicken erfordert oft genug Sportsgeist, guten Orientierungssinn und eine Engelsgeduld. Fast gleichzeitig mit dem Problem aber tritt die Lösung auf den Plan: Tablet-PCs und Smartphones sind die Navigatoren der Zukunft. Das Zusammenspiel von großem Bildschirm vor der Nase und drahtlos vernetztem Mini-Schirm auf dem Schoß wird, so viel steht schon fest, zu den interessantesten Themen der IFA zählen, die am 2. September in Berlin ihre Pforten öffnet. Wir haben uns mit den unbegrenzten Möglichkeiten dieser neuen Allianz schon mal exemplarisch beschäftigt, am Beispiel von Anwendungsszenarien des fränkischen Herstellers Loewe.

Bis zu 10.000 Sendungen, Podcasts und Filme

Dessen jüngste Gerätegenerationen bieten das Unterhaltungsangebot aus dem Internet als ein „Medianet“ genanntes Portal an, zu dem die branchenüblichen Ingredienzen zählen - von den Mediatheken der Sender über die Online-Videothek Maxdome und die Comedy-Plattform Myspass bis hin zum Musikvideo-Anbieter Putpat.TV. Als eine Art Unterportal zählt auch Videonet zu dieser Sammlung, eine Zusammenstellung aus frei zugänglichen Videos im Internet. Bis zu 10.000 Sendungen, Podcasts und Filme in allen möglichen Auflösungen und Qualitäten tummeln sich dort; eine Favoritenliste hilft, eine Auswahl zu erstellen.

Für Videonet hat Loewe jetzt eine iPad-App entwickelt, die der Hersteller kurz nach der IFA online stellen will, voraussichtlicher Preis: um 5 Euro. Wir haben sie schon ausprobiert: Die Videonet-App empfängt das ganze Bewegtbild-Angebot, das auch der Fernseher anbietet. Dank der Touch-Screen-Bedienung fallen die Auswahl und die Verwaltung auf dem iPad aber sehr viel leichter. Eine Synchronisierungs-Funktion gleicht die Favoritenliste mit der des Fernsehers ab. Man kann die Wunsch-Videos nun autark auf dem Flach-Rechner angucken, oder man delegiert sie mit einem Tipp an den Loewe-Fernseher: Der empfängt dann die entsprechende Internet-Adresse und zeigt die bewegten Bilder als Online-Stream in voller Bildschirmgröße. So haben wir mal eben in die letzte Keynote des Großmeisters Steve Jobs in lebensnahen Dimensionen geschaut - einfach das Vorschaubildchen in der Favoritenliste angetippt, fertig.

Auf den Schoß gehört fortan der digitale Flachmann

Eine weitere App hat Loewe ebenfalls schon auf Kiel gelegt. Sie soll noch in diesem Jahr in Apples Store kommen und wird einen Programmführer samt Bewegtbild-Vorschau enthalten und damit den Fernseher rundum fernsteuern. Ein Tipp aufs iPad, und schon ist eine Wunschsendung für die Aufnahme programmiert. An Android-Varianten dieser beiden Apps arbeitet Loewe ebenfalls schon; wann sie fertig sind, steht noch nicht fest.

Was könnte man sonst noch machen? Hübsch wäre eine App, über die man mit der virtuellen Tastatur des Tablet-Rechners Internet-Adressen in ein Browserfenster eingeben kann. Immerhin haben die Loewe-Fernseher einen ausgewachsenen Web-Browser von Opera an Bord. Man könnte auch, Konkurrent Samsung hat es für eine IFA-Neuheit schon angekündigt, an eine Streaming-Funktion denken, die das Fernsehbild auf die iPad-Oberfläche dupliziert. Diese Art der häuslichen Programmmverteilung praktiziert Loewe bisher etwas anders, aber nicht weniger sinnvoll: Die fränkischen Geräte können ein laufendes Programm über das Heimnetzwerk an einen Zweitfernseher übertragen. So kann man die Sendung sozusagen von einem Raum in den anderen mitnehmen.

Man sieht: Nur die Grenzen der Phantasie können die Symbiose von großem und kleinem Bildschirm künftig noch einengen. Für die Chipstüte wird sich der Couch-Potato dann über kurz oder lang ein neues Plätzchen suchen müssen: Auf den Schoß gehört fortan der digitale Flachmann.

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