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Techniktrends bei Fernsehern : So schaut man in Zukunft fern

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Hacken zusammen und ab ins TV-Jahr 2017 Bild: AFP

Was hat die Fernsehwelt für 2017 auf dem Schirm? Sie führt einen Qualitätswettlauf mit unterschiedlichen Bauprinzipien. Ein Hersteller setzt einen ganz eigenen Akzent.

          Kaum ist das Marketing-Getöse rund ums Weihnachtsgeschäft verklungen, da laden die Hersteller von Fernsehgeräten ihre Werbe-Haubitzen aufs Neue. Pixel im Überfluss, Farben, die um die Wette leuchten, Brillanz, bis das Auge tränt, und abgrundtiefe Kontraste - das sind, so ungefähr jedenfalls, die Verheißungen, die wir fast schon mitskandieren können. Denn irgendwie ähneln sie einander zu jeder Saisoneröffnung, die stets gleich nach Neujahr beginnt, wenn die große amerikanische Fachmesse CES in Las Vegas die Tonlage vorgibt.

          Wir haben auch diesmal genau hingehört - und fassen zusammen, was uns anno 2017 in der Welt der Bildschirme erwartet. Dürfen wir mit echten Fortschritten rechnen - oder nur mit neuen Strophen bekannter Verkaufslyrik? Immerhin: Dass der technische Fortschritt mehr ist als nur Wortgeklingel, erkennt augenfällig, wer heutige Geräte mit einem fünf oder gar zehn Jahre alten Bildschirm vergleicht.

          Systemwettstreit

          In diesem Jahr treibt ein schon länger schwelender Systemwettstreit das Evolutionstempo spürbar an. Es ist die Konkurrenz zwischen der herkömmlichen LCD-Technik und dem jüngeren Bildschirm-Bauprinzip OLED. Die Vor- und Nachteile sind bekannt: OLED-Schirme erzeugen jedes einzelne Bildpünktchen mit selbstleuchtenden Halbleiterzellen aus organischem Material, LCD-Pixel dagegen werden wie winzige Dias durchleuchtet. Das bedeutet vor allem: Die Farben sehen aus jedem Betrachtungswinkel gleich aus, LCD-Schirme dagegen verlieren an Leuchtkraft und Farbtreue, wenn man sie schräg von der Seite anschaut.

          LG hat die Technik in die Soundbar gesteckt. Bilderstrecke
          LG hat die Technik in die Soundbar gesteckt. :

          Hinzu kommt: OLED-Schirme können dunkle Bildpartien besonders überzeugend abbilden, weil sie, sobald der Bildinhalt rabenschwarze Nacht vorgibt, die zuständigen Bildpunkte einfach komplett abschalten. Hinter LCD-Pixeln strahlen die Lichtquellen dagegen permanent, wenn auch, je nach Konstrukt, manchmal mit reduzierter Helligkeit. So kann selbst in finsteren Szenen noch ein bisschen Restlicht auf die Bildfläche gelangen. LCD-Bildschirme schaffen allerdings im gegenwärtigen Stadium ihrer Entwicklung deutlich höhere Spitzenhelligkeiten als ihre Konkurrenten von der OLED-Fraktion und können auf diese Weise im Wettstreit um den stärksten Kontrast Punkte sammeln.

          Samsungs neue QLED-Technik

          Die besten TV-Modelle des Jahrgangs 2017 relativieren jedoch einige dieser Grundsätzlichkeiten. Samsung will das mit einem neuen Technik-Kürzel unterstreichen: Das jüngste Flaggschiff-Sortiment des Herstellers trägt den Gattungsnamen QLED. Dass orthographisch nur ein winziger Strich den Unterschied ausmacht, ist natürlich kein Zufall. Tatsächlich kommen Samsungs neue Schirme verblüffend nah an eine Schlüsseltugend der OLED-Modelle heran, obwohl sie nach wie vor auf dem LCD-Prinzip beruhen: Schaut man den QLED-Schirmen schräg von der Seite in die Pixel, zeigen sich kaum noch Veränderungen von Farbe und Kontrast.

          Wie das geht? Samsung setzt auf Quantum Dots, aus denen sich auch das „Q“ im neuen Kürzel ableitet. Das sind winzige Nanopartikel in den Farbfiltern der einzelnen Bildpunkte, die vor allem die Aufgabe haben, für ein breites, naturnahes Spektrum der Bildschirmfarben zu sorgen. Sie können nun offenbar auch helfen, das Problem des engen LCD-Betrachtungswinkels zu lösen, tatkräftig unterstützt von Software-Verbesserungen der Bildschirmansteuerung. Auch mit nochmals erhöhter Spitzenhelligkeit sollen die QLED-Fernseher das OLED-Lager attackieren: 1500 bis 2000 Nits sind ihre Werte; die hellsten Modelle des Vorjahres schafften 1000 Nits (diese Einheit steht für die Leuchtdichte, sie ist identisch mit Candela je Quadratmeter).

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