Home
http://www.faz.net/-gyf-6ydht
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Lautsprecher Beolit Mit dem Charme der Sechziger

 ·  Der neue Lautsprecher Beolit von Bang & Olufsen erscheint im Design der Sechziger. Die Technik dagegen ist modern: Drei Bedienwege, Zugang zum Drahtlos-Netz und andere Extras.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Das schönere Wohnen war Bang & Olufsen, der dänischen Marke für Unterhaltungselektronik von feiner Gestalt, schon immer ein Herzensanliegen. Jetzt haben die Nordlichter auch den ambulanten Zeitgenossen als Kunden entdeckt und ihm sogar eine neue Tochtermarke gewidmet, B&O Play genannt. Die erste Gerätschaft dieser künftigen Produktfamilie erblickt gerade das Licht der Welt. Wir haben sie gleich einmal ausprobiert.

Zuvor allerdings galt es, das Äußere dieses neuen Stücks Elektronik hinreichend zu bewundern. Der kompakte Kasten mit dem Namen Beolit 12, seiner Zweckbestimmung nach ein portabler Lautsprecher mit Trageriemen und eingebautem Akku, ist einfach eine Schönheit. Natürlich, was will man auch anderes erwarten, aber immerhin hat diesmal nicht David Lewis Hand angelegt, der bewährte englische Hausdesigner, sondern eine Dame namens Cecilie Manz. Und siehe da: Sie kann es auch.

Das Konstrukt gemahnt an Grazien aus der großen Zeit der Kofferradios am Henkel; die sechziger Jahre lassen grüßen. Der perforierte Lautsprechergrill aus eloxiertem Aluminium unterstreicht diese Assoziation. Ober- und Unterdeck sind aus lackiertem Kunststoff gefertigt. Die Fläche ganz oben, griffig beschichtet, formt sich zu einer Schale. Hier kann sich zum Beispiel das iPhone ablegen, um den feinen Henkelmann mit Musik zu befeuern. Wie das geht, erschließt sich nicht von selbst, denn das ganze Gerät tarnt seine wenigen Bedienelemente - eine Sensortaste zum Einschalten, eine für den W-Lan-Betrieb und zwei weitere zur Lautstärke-Einstellung - bis zur Unkenntlichkeit.

Die Box bietet drei Bedienwege an

Die Gebrauchsanleitung verrät: Es gibt drei Arten, den Musikquader zu bespielen. Die eleganteste heißt Airplay, Apples Funksystem, mit dem die mobilen Geräte des Hauses ebenso wie die iTunes-Software von stationären Rechnern Musik drahtlos an passende Wiedergabegeräte übertragen können. Die zweite Methode nimmt die seitlich eingebaute USB-Buchse in Anspruch. So können iPod, iPad oder iPhone ihre Tonarchive über eine Kabelverbindung digital an die Lautsprecher schicken. Die dritte Art des Musiktransports funktioniert ebenfalls mit einem Draht, aber analog: Über eine Klinkenbuchse kann jeder beliebige MP3-Player an die Beolit-Box andocken. Ein passendes Kabel zählt zum Lieferumfang.

Einen Quellen-Umschalter, der den jeweiligen Übertragungspfad wählen könnte, gibt es nicht. Die Box merkt einfach selber, über welche Wege sich Zuspieler Gehör verschaffen wollen, und schaltet selbständig nach folgenden Präferenzen: Meldet sich ein Musikspieler über Airplay, genießt er Vorrang. Gibt es kein Drahtlos-Angebot, bekommt ein angeschlossenes USB-Gerät die Vorfahrt. Erst wenn sich auch an der USB-Buchse kein Ton meldet, kommt die Klinkenbuchse zum Zug.

Zugang zum Drahtlos-Netz

Für den Airplay-Funk muss der Lautsprecher zunächst seine eingebaute W-Lan-Station anwerfen; die zuständige Taste löst die etwa eine Minute lang dauernde Prozedur aus, und ein Piepston meldet am Ende Vollzug. Sodann muss die Beolit-Box noch das Passwort für den Zugang zum Drahtlos-Netz lernen. Dazu stellt man über ein mitgeliefertes Patchkabel zunächst eine direkte Ethernet-Verbindung zu einem Notebook her, tippt eine spezielle Adresse in dessen Browserfenster und öffnet auf diese Weise eine Konfigurationsseite mit einer passenden Eingabe-Maske.

Ist all das erledigt, nimmt der Lautsprecher fortan ohne weitere Kunstpausen Kontakt zum W-Lan-Netz auf. Was dabei akustisch herauskommt, beeindruckt umso mehr, wenn man zuvor einen Blick in die technischen Daten geworfen hat. Denn sie verraten, dass im Inneren des schmucken Quaders zwei gerade einmal fünf Zentimeter große Breitband-Chassis die Stereowiedergabe bestreiten, unterstützt von einem zehn Zentimeter großen Tieftöner.

Fazit: Mission erfüllt

Aber die Segnungen digitaler Signalverarbeitung und ein potenter Schaltverstärker, dem die Datenblätter saftige 120 Watt Leistung nachsagen, lassen solche Dimensionen vergessen: Der Beolit-Lautsprecher musiziert mit beachtlichem Volumen und einem Tieftonfundament, das diesen Namen durchaus verdient. Auch Pegel an der Obergrenze mitteleuropäischer Zimmerlautstärke schafft der Knirps spielend. Natürlich wirkt sein Klangbild recht kompakt; eine weite Stereoperspektive kann man von einem so zierlichen Schallwandler nicht erwarten. Eine leichte, wenn auch keineswegs unangenehme Mittenbetonung nahmen wir ebenfalls zu Protokoll; sie verleiht der akustischen Perspektive eine sehr direkte Note.

Die hübsche kleine Retro-Box erfüllt auch ihre tönende Mission so gut, dass man sie am liebsten dauernd mit sich herumtragen würde. Ihr Preis ist freilich so eindrucksvoll wie ihr Auftritt: Rund 700 Euro verlangt der Händler. Dafür bietet er mehrere Varianten zur Wahl: Es gibt den Lautsprecher mit schwarzem oder naturfarbenem Lederriemen, mit silbriger Verkleidung oder in dunkleren Anthrazit-Tönen, und sogar eine Version mit cremefarben lackiertem Ober- und Unterdeck, kombiniert mit einem in Messing-Tönen schimmernden Lautsprechergrill, ist demnächst zu haben.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
Weitersagen
Hinweis
Die Redaktion