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Kopfhörer im Vergleich Billig kann auch gut klingen

Fast alle billigen Kopfhörer stammen aus Asien. Doch „made in China“ ist nichts Schlechtes. Zwei Beispiele zeigen, dass man ordentlichen Klang bekommen kann.

© Hersteller Beyerdynamic DTX 501p und RHA SA950i

Kannst du mir einen Kopfhörer für mein Smartphone empfehlen?“ „Ja, zum Beispiel den Beyerdynamic DT880, AKG K551 oder den neuen Sennheiser Momentum. Die kosten nur um die 300 Euro.“ „So teuer! Bist du verrückt?“ Nein. Deshalb stellen wir zwei günstige Kopfhörer vor. Der Beyerdynamic DTX 501P kostet zirka 80 Euro, der RHA SA950i ist sogar schon für knapp 60 Euro zu haben.

Marco Dettweiler Folgen:

Diese Preisklasse wird derzeit mit Produkten geradezu überschwemmt, und solche Kopfhörer lassen europäische Unternehmen meist in Asien produzieren. Dann heißt es „Designed in Austria“, „Endmontage in Deutschland“ oder „Konzipiert in Großbritannien“. Hergestellt sind die Kopfhörer aber in China. Beyerdynamic versucht die Herkunft seiner billigen Modelle erst gar nicht zu verstecken. Innen steht „made in China“.

Entweder entwickeln europäische Unternehmen ihre Kopfhörer selbst und geben die Produktion der Einzelteile in Auftrag. Oder die chinesische Manufaktur bietet auf Messen selbst ein komplettes Produkt an. Hersteller kleben dann ihren Markennamen darauf, nachdem sie dem Kopfhörer den letzten Schliff beim Klang gegeben haben. Aus technischer Sicht ist das alles kein Nachteil für den Käufer, weil die Asiaten hochwertige Komponenten produzieren - und auch entwickeln.

21892079 © Hersteller Vergrößern Lobenswert: Das Kabel des RHA

Der Kopfhörer SA950i, den das schottische Unternehmen RHA ausschließlich über das Internet vertreibt, ist dafür ein gutes Beispiel. Beim Auspacken folgt der naturgemäß misstrauischen Haltung ein skeptischer Blick auf das Äußere des Geräts. Es ist nämlich nicht alles Chrom, was glänzt. Die Idee, glänzendes Metall mit schwarzem Plastik zu kontrastieren, ist gut, aber gescheitert. Die schwarze Oberfläche der Ohrmuscheln verliert schnell ihren Glanz, da das Plastik ebenso wie das der silberfarbenen Zierelemente nicht hochwertig ist. Der Kopfhörer trägt sich angenehm, obgleich er eine Schwachstelle hat: Die Muscheln haben kein Spiel in der Vertikalen. Dadurch schmiegt sich das Polster nicht gleichmäßig an, sondern drückt hinten etwas.

Kann nun der Sound, das unbestritten wichtigste Merkmal eines Kopfhörers, die Stimmung des Kritikers retten? Er kann. Mit Kraft und Wucht treibt der SA950i Schlagzeug, Bass und Gitarre durch Lieder aus Rock&Pop, ohne die Stimme zu vernachlässigen. Die Klänge in der Tiefe bleiben knackig und übertönen nicht etwa dumpf den Rest der Kapelle. Zu verdanken hat das der RHA möglicherweise dem „mit Titanium umhüllten 40-mm-Treiber sowie kräftigen Neodymium-Magneten“. Der Kopfhörer geht zudem effizient vor: Er betont nämlich die Instrumente, die auch in der Komposition hervorgehoben werden. Auflösung und Räumlichkeit der Musik ist somit nicht seine Stärke. Die Höhen zerfleddern hin und wieder.

21892084 © Hersteller Vergrößern Einfaches Design bei Beyerdynamic

Der Beyerdynamic DTX 501p ist 20 Euro teuer. Dafür bekommt man beim Klang mehr Genauigkeit und Auflösung. Das Unternehmen aus Heilbronn hat sich offenbar bei seinem Tiefpreismodell ganz auf den Sound konzentriert und die Ausstattung dabei aus den Augen verloren. Selbst bei Kopfhörern in diesem Preissegment sollte ein Kabel mit Headsetfunktion und ausziehbarem Klinkenstecker dazugehören. Stattdessen verbaut Beyerdynamic ein Standardkabel. In der weißen Ausführung erinnert das Design des DTX 501p an den AKG K430, der mit knapp 80 Euro in der gleichen Liga spielt. In Heilbronn hat man sich nicht sonderlich bemüht, mit außergewöhnlichem Design Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Bleibt also der Klang, um den Käufer zu überzeugen. Und da könnten im Vergleich zum modisch ambitionierten RHA SA950i die 20 Euro zusätzlich für alle jene gut investiert sein, die den Sound ordentlich aufgelöst und in den Höhen differenziert haben wollen. Denn auf Dauer können die Wucht und Betonung der Bässe und Beats des schottischen Kopfhörers auch anstrengend werden. Der Hörer bekommt den klassischen Beyerdynamic-Sound, der für manche zu hell klingt, aber auf Dauer die Musik angenehmer und feiner wiedergibt. Damit kein Missverständnis entsteht: Auch der DTX 501p baut für einen ohraufliegenden Kopfhörer dieser Preisklasse ordentlichen Druck auf.

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Es ist also möglich: gut klingende Kopfhörer für weniger als 100 Euro. Beim Modell von RHA bekommt man auffälliges, aber wenig edles Design und ein gut konzipiertes Kabel mit Textilummantelung, Sprachmodul und Klinkenstecker an beiden Enden. Wer sich für Beyerdynamic entscheidet, verzichtet auf besonderes Design und Headset-Funktionalität, bekommt dafür aber erstaunlich guten Klang. Wem das Zeug aus China doch suspekt ist, kann bei Produkten von Beyerdynamic bleiben. Die Top-Modelle sind nämlich „Made in Germany“ - kosten aber weit mehr als 100 Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
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