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Kamkorder im Vergleich Gegen diese HD-Filme sehen Fernsehbilder alt aus

25.08.2008 ·  Winzige Videoknirpse, riesige Bildschirme: High-Definition-Technik macht die kleinen Kamkorder zu perfekten Partnern. Wo die Stärken und Schwächen der Geräte liegen hat Wolfgang Tunze getestet.

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An der Benzin-Zapfsäule ist die Qualität „Normal“ schon fast ausgestorben, auch unter den Kamkordern weicht sie zunehmend dem Besseren: High Definition wird immer mehr das Video-Format der Wahl. Denn die Bilder auf modernen Flachbild-Fernsehern sehen am besten aus, wenn sie das feine HD-Pixelraster 1920 × 1080 haben. Und die Entscheidung für High Definition bedeutet längst nicht mehr, dass ein Rucksack voll Technik mit auf die Reise muss. Gravierende Konto-Einbrüche sind auch nicht zu befürchten: Die jüngsten digitalen Videokameras bergen ausgereifte HD-Technik in verblüffend winzigen Gehäusen, die notfalls sogar in die Jackentasche passen. Und die Preise haben die 1000-Euro-Marke schon deutlich unterschritten.

Wir haben uns drei der beliebtesten aktuellen HD-Modelle näher angeschaut: die Videozwerge Canon HF 100 (um 780 Euro), Panasonic HDC-SD9 (um 630 Euro) und Sony HDR-TG3 (um 750 Euro). Alle drei filmen nach dem jüngsten Standard AVCHD, der die hochwirksame Video-Kompression H.264 verwendet. Als Speichermedien dienen ihnen winzige Kärtchen, Canon und Panasonic setzen auf das gängige SD-Format, Sony arbeitet mit dem im eignen Hause entwickelten Memory Stick Pro Duo. Solche Medien bieten in der Speichergröße 8 Gigabyte Platz für mehr als eine Stunde HD-Video und kosten derzeit zwischen 40 und 60 Euro; Canon liefert eine 8-Gigabyte-SD-Card mit, Sony spendiert einen 4-Gigabyte-Memory-Stick.

Von Korpulent bis filigran

Die Bildarchivierung auf mechanikfreien Chipkärtchen ist der Schlüssel zur extrem kompakten Bauweise. Canon stellt unter den Winzlingen noch das korpulenteste Modell mit einem Einsatzgewicht von 424 Gramm. Der Kamkorder hat die konventionelle Bauform: Objektiv und Korpus bilden eine röhrenförmige Einheit, die man gut mit der Faust umgreifen kann. Das gilt auch für den kleineren Panasonic, der in einem eleganten, mit schwarzem Metallic-Lack veredelten Gehäuse steckt und nur 333 Gramm wiegt.

Der Sony weicht von diesem Konstruktionsprinzip demonstrativ ab: Mit dem HDR-TG3 ist der Hersteller zur Hochkant-Gehäuseform zurückgekehrt, mit der JVC vor einigen Jahren in der Kamkorder-Szene die Digitalära eröffnete. Und weil Sony seine Senkrecht-Maschine ganz besonders filigran gestaltete (Gewicht nur 291 Gramm), liegt auch dieser Apparat gut in der Hand. Mehr noch: Seine feine Titan-Verkleidung, farblich dazu passende dunkelbraune Kunststoff-Gehäusepartien und ein braunes, exquisites Ledertäschchen (Sonderzubehör) machen dieses Gerät zu einem Schmuckstück.

Die üblichen, vielfältigen Möglichkeiten der Voreinstellung organisieren alle drei Geräte über brauchbar gestaltete Menüs. Canon und Panasonic bieten zum Manövrieren kleine Joysticks an; die Canon-Variate sitzt gut erreichbar am Monitor-Rand, beim Panasonic muss man, etwas weniger bequem, an die linke Gehäuseseite greifen. Noch besser gefallen hat uns die Sony-Lösung: Hier löst das Antippen des berührungsempfindlichen Bildschirms die Befehle aus.

Mit wenig Aufwand zum Ziel

Alle zum Filmen nötigen Bedienelemente lassen sich gut erreichen. So sitzen die Zoomhebel auf den Oberdecks von Panasonic und Canon genau an der richtigen Stelle, der Daumen findet die Auslösetaste von allein. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die entsprechenden Bedienelemente beim Sony: Hier muss der Daumen auch den Zoom steuern; Sony hat hierzu ein Rädchen auf die Rückseite des Kamkorders gepflanzt. Die Monitore zur Aufnahmekontrolle haben in allen drei Fällen das Diagonalmaß 7 Zentimeter. Das Sichtfenster des Panasonic bringt ein feineres Pixelraster als die der anderen beiden mit, was etwas mehr Schärfe bewirkt. Die Helligkeit ist in allen Fällen zufriedenstellend; direkt einfallendes, grelles Sonnenlicht allerdings überstrahlt die Schirmchen.

Mit ihren Sichtweisen unterscheiden sich die drei Kandidaten nicht dramatisch: Ihre Zoom-Bereiche beginnen mit einer Brennweite, die etwa 43 Millimeter im Kleinbildformat entspricht. Echte Weitwinkel-Perspektiven gibt es also nicht, aber das ist in der Kamkorder-Szene der Normalfall. Dafür schaffen alle drei Geräte aberwitzige Tele-Perspektiven; der Canon rückt weit entfernte Motive gar mit 515 Millimeter Brennweite ins Bild (auf Kleinbild umgerechnet). Für solche Einstellungen ist der Verwackelschutz unentbehrlich.

Alle drei Modelle setzen dafür optische Lösungen ein. Unterschiede dagegen gibt es in der Bildsensor-Technik: Panasonic pflanzt seinem Kamkorder drei CCD-Chips ein, die theoretisch für natürlichere Farben und weniger Rauschen sorgen, die beiden anderen Hersteller verwenden je einen Aufnahme-Chip. Einer eindrucksvolleren Farbwiedergabe soll auch jene Technik des erweiterten Farbraums dienen, die nach einem internationalen Standard etwas kryptisch xvYCC heißt. Der Panasonic und der Sony arbeiten schon nach dieser Norm; die (theoretischen) Vorzüge allerdings können sie nur auf Fernsehern ausspielen, die ebenfalls die neue Buntheit unterstützen.

Nicht nur bewegte Bilder, auch Digitalfotos

Natürlich taugen alle drei Modelle auch zur Aufnahme von Digitalfotos, wenn auch mit begrenzter Auflösung: Panasonic und Sony schießen mit rund 2 Megapixel, Canon legt noch ein Megapixel drauf. Zudem leisten sich alle drei noch Auslöseverzögerungen, die von handlichen Fotokameras heute deutlich unterboten werden. Aber immerhin: Für den einen oder anderen Schnappschuss reichen selbst die Kamkorder-Fähigkeiten.

Und was leisten die drei High-Definition-Zwerge nun in der Video-Praxis? Kommt darauf an, könnte man sagen; alle drei Maschinen stellen unterschiedliche Datenraten zur Wahl; die sparsamsten reduzieren die horizontale Auflösung von 1920 auf 1440 Bildpunkte. Der Sony kann sogar als Einziger in Standard-Auflösung und im klassischen Bildseiten-Verhältnis 4 : 3 filmen. Aber wir empfehlen, die Qualitätsreserven voll auszureizen. Dann ist die private Kino-Vorführung auf einem großen Schirm ein Erlebnis, das einfach fasziniert: Die Detailschärfe, mit der solche Elektronik-Wichte bewegte Bilder einfangen können, verblüfft jeden, der sie zum ersten Mal erlebt.

Optimistische Farben, guter Ton

Im Detail aber gibt es Unterschiede. Panasonic und Canon neigen in der Farbgebung sehr zum prallen Leben; manchmal leuchten die Farbtöne fast ein bisschen zu optimistisch und schön. Der Sony dosiert zurückhaltender, man könnte auch sagen, eine Nuance natürlicher. Größere Unterschiede jenseits der Geschmacksbandbreite aber taten sich auf, wenn die Probanden unter schlechten Lichtverhältnissen drehen mussten. Dann geriet der Sony schnell an seine Grenzen, was sich in lästigem Bildrauschen äußerte. Der Canon machte da die beste Figur - selbst nach Sonnenuntergang. Der Bildstabilisator wirkte in allen drei Fällen zuverlässig, besonders souverän beim Panasonic, selbst in starken Tele-Einstellungen.

Den Ton zum Bild lieferten alle drei Kamkorder in ordentlicher Qualität ab, mit recht natürlichem Klang und guter Sprachverständlichkeit. Dass der Sony und der Panasonic Mehrkanalmikrofone eingebaut haben, um Raumklang-Tonspuren in Dolby Digital anzulegen, ist mehr als nur eine Spielerei: Über die Heimkino-Anlage abgespielt, wirkt der private Soundtrack noch deutlich lebensechter. Damit steht unser Gesamturteil fest: Der Canon liefert mit leichtem Vorsprung die besten Videobilder, der Panasonic ist ein phantastischer Allrounder mit kompakten Baumaßen und gleichmäßig verteilten Technik-Meriten, der Sony ist der Schönwetter-Spezialist und das perfekte Designstück für alle, die sich neben hochgezüchteter Technik auch noch den Charme des Besonderen wünschen.

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