24.01.2007 · Die Technik für Videoaufnahmen ist im Umbruch. Lohnt es sich schon auf einen Festplatten-Kamkorder mit HD-Technologie umzusteigen? Sony HDR-SR1 und Panasonic GS 500 stellen sich dem Kamkorder-Vergleich.
Von Michael SpehrZwei Sieger lächeln uns vom Schreibtisch entgegen. Beide sind Kamkorder der Spitzenklasse. Sie machen einfach gute Videos, aber sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Das eine Gerät ist bewährte Technik von heute mit feinster Ausstattung und vielen sinnvollen Details. Das andere macht Appetit auf eine Zukunft des bewegten Bildes, die dabei ist, Gegenwart zu werden.
Es geht hier um den Panasonic GS 500 mit der gängigen Aufzeichnung auf die Mini-DV-Kassette für rund 900 Euro und den Sony HDR-SR 1 für etwa 1300 Euro. Letzterer nutzt eine eingebaute Festplatte mit 30 Gigabyte, und das ist nicht der einzige Unterschied. Er ist eines der ersten Geräte für hochauflösende Aufnahmen mit bis zu 1080 Zeilen, also der ideale Zuspieler für moderne Flachbildschirme mit HDTV. Und dabei kommt auch gleich der ebenfalls neue Kompressionsstandard AVCHD zum Einsatz, der nicht nur von Sony, sondern auch von Panasonic und anderen unterstützt wird. So stehen sich hier zwei unterschiedliche Systemstandards gegenüber: 576 versus 1080 Zeilen, Bandlaufwerk gegen Kassette.
Ausgang für Hochauflösendes
Doch zunächst ein Blick auf die Hardware. Beide Geräte sind wuchtig. Der Panasonic misst 7,3 × 9,1 × 15,3 Zentimeter und wiegt 570 Gramm. Der Sony kommt gar mit 7,8 × 8,4 × 16,5 Zentimeter und einem Gewicht von 720 Gramm ins Haus. Die Optik ist vom Feinsten: beim Panasonic ein Leica-Dicomar-Objektiv mit einer Brennweite im Kleinbildformat von 45-540 Millimeter (12facher optischer Zoom) und einer Lichtstärke von 1:1,6-2,8. Hier ist ein 3-CCD-System im Einsatz, womit sich drei Sensoren die Aufnahmearbeit teilen, jeweils spezialisiert auf die Grundfarben Rot, Grün und Blau. Das sorgt für besonders natürliche Farbwiedergabe und dämpft gleichzeitig das Bildrauschen.
Der Sony hat ein Carl-Zeiss-Vario-Sonnar-Objektiv mit 50-590 Millimeter (10facher optischer Zoom) bei 1:1,8-2,9. Beide Apparate haben eine Fotofunktion für Standbilder und einen optischen Bildstabilisator. Beide lassen sich dank Komponentenausgang flink ans Fernsehgerät anschließen oder via USB und Firewire an den PC. Der Sony bietet zudem einen HDMI-Ausgang für Hochauflösendes. Ihm fehlt aber ein Eingang für den Anschluss eines externen Mikrofons.
HD hat noch ein paar Tücken
Beide Geräte liegen hervorragend in der rechten Hand, und auf der linken Seite klappt das Display auf. Hier entdeckt man dann sofort einen weiteren Unterschied: Während der Panasonic nur ein ziemlich mickriges Display mit 7 Zentimeter in der Diagonale und einer Auflösung von 123000 Pixel bietet, sind es beim Sony 9 Zentimeter und 211000 Pixel. Das Display des HDR-SR 1 ist zudem berührungsempfindlich, und man wird mit kleinen Symbolen durch die Menüs geführt. Das alles ist äußerst eingängig, nervig sind nur begleitende Signaltöne, die man zum Glück abstellen kann. Beim Panasonic hingegen übernimmt ein kleiner Joystick-Knubbel auf der Höhe des rechten Daumens das Manövrieren durch die am Bildschirm angezeigten Menüs. Insgesamt lassen sich sowohl der Sony wie auch der Panasonic gut bedienen.
Was die Bildqualität betrifft, sind beide Geräte sehr gut, sowohl draußen in freier Natur wie auch abends bei Dämmerlicht in der Wohnung. Hat der Sony die hohe Auflösung voraus, ist nach unserem subjektiven Empfinden die Farbwiedergabe des Panasonic besser. Zudem zeigten sich in der Standard-Auflösung beim Sony gelegentlich leichte Artefakte an Bildkanten, sogenannte Sägezähne. Ferner hätten wir uns von der Wiedergabe feinster Details beim Sony im hochauflösenden Modus mehr versprochen, die AVCHD-Bildkomprimierung hat noch ein paar Tücken. Wer also noch nicht auf den Zug von HDTV aufgesprungen ist, fährt mit dem günstigeren Panasonic besser.
Hohe Datenraten bei HD-Aufnahmen
Doch wie geht es nach dem Filmen weiter? Beim GS 500 läuft alles in gewohnten Bahnen: Kamkorder via USB oder Firewire an den PC anschließen und mit der Schnittsoftware die Aufnahmen einfangen. Das erfolgt in Echtzeit, eine Stunde Film ist eine Stunde Überspielzeit. Anschließend kommt die Weiterverarbeitung mit gängigen Schnittprogrammen, etwa dem sehr empfehlenswerten Premiere Elements von Adobe.
Beim Sony ist alles etwas anders. Zunächst gibt es viel mehr Möglichkeiten und mehr Komfort, schon bei der Aufnahme. Man muss sich nicht darum kümmern, was da noch alles auf dem Band ist, ob man an der richtigen Stelle mit der Aufnahme ansetzt, sondern filmt gleich los. Ohne jedes Hin- und Herspulen kann man seine Werke gleich auf dem Display betrachten und hier erste Bearbeitungsschritte vornehmen. Das alles ist also deutlich einfacher als mit einer Bandmaschine, ebenso das Überspielen auf den PC. Auf die Festplatte des Sony passen bis zu vier Stunden High Definition Video in höchster Qualität; feinste Qualität bedeutet bei diesem Gerät 15 Megabit je Sekunde. Natürlich sind auch HD-Aufnahmen mit geringeren Datenraten möglich bis hin zu einem 1080-Zeilen-Langspielmodus mit 5 Megabit je Sekunde, einer Aufnahmeart, die aber ziemlich unsinnig ist: Wer so mit Speicherplatz geizen muss, sollte bei der Standard-Pal-Auflösung mit 576 Zeilen bleiben.
Kamkorder als einziges Abspielgerät
Auch die Festplattenaufnahmen des Sony lassen sich auf DVDs brennen, allerdings nur mit Computerhilfe und der mitgelieferten Windows-Software. Aufnahmen in Standardauflösung verarbeitet der PC automatisch zu normalen Video-DVDs, High-Definition-Filme kommen im AVCHD-Format auf die Scheibe. Normale DVD-Player können damit nichts anfangen. Ihnen fehlt der passende Dekoder für das neue Video-Kompressions-Format H.264. Aber schon bald dürfte es die ersten Abspieler mit passendem Dekoder geben. Eine zweite Möglichkeit: Die Aufnahmen werden auf Standardauflösung herunterkonvertiert, um auf einer Normal-DVD zu landen.
Die gängigen Schnittprogramme kommen mit AVCHD noch nicht zurecht; Updates müssen Abhilfe schaffen. Bis dahin helfen die mitgelieferten Software-Tools von Sony weiter: Sie erlauben einfache Schnittarbeiten. Das fertige Material lässt sich dann brennen oder auf den Festplatten-Kamkorder zurückkopieren. Solange Alternativen noch rar sind, ist die Aufnahmemaschine also auch das Abspielgerät, eine höchst unkommode Angelegenheit. Kurzum: bei der Weiterverarbeitung von hochauflösendem Material fehlen noch ein paar Glieder in der Kette.
Preise werden bald purzeln
So ist also die Entscheidung für den ambitionierten Videofan klar: Wer mit aktueller Ausstattung und Hardware seine selbst produzierten Filme möglichst vielen Freunden und Bekannten weitergeben will, macht mit dem Panasonic und der bewährten Technik für Aufnahme und Weiterbearbeitung nichts verkehrt. Und wer immer das Neueste und Beste will, kauft einen Apparat mit AVCHD, um schon heute für die Technik von morgen gerüstet zu sein.
Außer dem Sony HDR-SR 1 ist auch sein Zwillingsbruder HDR-UX1 einen Blick wert. Er beschreibt acht Zentimeter große DVD-Rohlinge für bis zu 15 Minuten in höchster Qualität. Panasonic und andere Hersteller haben weitere AVCHD-Modelle angekündigt, so dass hier schon bald die Preise purzeln dürften.