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Kameras von Fuji und Olympus : (K)eine schwere Entscheidung

Die Flaggschiffe Fujifilm X-T2 und Olympus OM-D EM-1 Mark II Bild: Pardey

Zwei Kameras mit hohem Anspruch, aber ohne Vollformatsensor und Spiegel: Die Flaggschiffe Olympus OM-D EM-1 Mark II und Fujifilm X-T2 treten gegeneinander an.

          Wenn konkurrierende Flaggschiffe einander begegnen, dann hat dies ja oft nichts Gutes zu bedeuten gehabt. Das war nicht nur bei Trafalgar so. Wenn die Olympus OM-D EM-1 Mark II und die Fujifilm X-T2 gemeinsam, sagen wir im Fotoclub, auf dem Tisch stehen, kann es auch zu Auseinandersetzungen kommen. Dass jemand im Fotogeschäft vor beide Kameras geführt wird, mag wohl passieren, aber nur, wenn dieser Jemand den ersten Schritt gleich zu einer erstklassigen spiegellosen Systemkamera tut. Hat er sich bereits für das eine oder das andere System entschieden, für den Four-Thirds Sensor und das MFT-Bajonett bei Olympus oder für den Sensor im APS-C-Format und die Fujinon-Objektive mit dem X-Bajonett, bekommt er nur das eine für ihn passende Spitzenmodell gezeigt.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die beiden robusten, wetterfest gedichteten schwarzen Kameras, die aussehen, wie eine Spiegelreflex einstmals aussah, die aber keine DSLRs sind, sondern unter ihrem Prismengiebel einen elektronischen Sucher mit 2,36 Millionen Bildpunkten beherbergen, ähneln sich äußerlich stark. Mit ihren Drehrädern oben auf dem Gehäuse, den rund um dies herum verteilten Tasten und Knöpfchen und mit mehreren Einstellrädern signalisieren sie bereits optisch eine wie die andere: Wir haben es hier zu tun mit einer durch viele Funktionen und durch noch mehr Möglichkeiten, sich diese persönlich hinzustricken, äußerst komplexen Kamera für jemand mit mindestens semiprofessionellen, wenn nicht noch höheren Ansprüchen.

          Aber schon ein flüchtiger Blick darauf, was an dem einen oder dem anderen Spitzenmodell womit und wie bedient wird, lässt ahnen, dass die Fuji und die Olympus innerlich ziemlich verschieden sind. Und das dürfte unter den Aficionados für so manche Diskussion mit ausreichendem Zündstoff sorgen. Egal, für welche von beiden sich jemand entscheidet - billig wird das nicht: 1700 Euro kostet die Fuji, Olympus verlangt rund 2000 Euro, und das gilt jeweils nur für das nackte Gehäuse.

          Tiefes Dunkel und greller Lichterschein

          Ausprobiert wurden beide Kameras mit besonders lichtstarken und erstklassigen Objektiven: Bei der EM-1 Mk. II war es das M.Zuiko Digital 1:1,2/25 mm aus der Pro Serie, also ein lediglich wegen seines dem menschlichen Auge in etwa entsprechenden Bildwinkels so genanntes Normalobjektiv mit 50 mm Kleinbildäquivalent. Es wurde das „Weihnachtsmarkt-Objektiv“ getauft, weil es die dort herrschenden Bedingungen - tiefes Dunkel und greller Lichterschein - bravourös meisterte. Ins X-Bajonett wurde ein Fujinon XF 1:1,2/56 mm R geschraubt. Dieses „Porträt-Tele“ mit 84 mm Kleinbildbrennweite hat vor allem bei offener Blende eine beinahe schmerzhaft geringe Tiefenschärfe, trennt aber auch noch bei Abblendung das Porträtmotiv sehr effektvoll vom Hintergrund. Bei dem Fujinon lässt sich auf allerhöchstem Niveau mäkeln: Es hat einen Blendenring, kameraseitig dahinter aber keine vernünftige Grifffläche zum Verriegeln des Objektivs in der Kamera. So etwas kommt - bei anderen Objektiven als dem 1,2/25 mm - aber auch bei Olympus vor.

          Um beide Kameras, Ausstattungsdetail für Ausstattungsdetail, komplett abzuhandeln, würde der Platz hier nicht ausreichen. Zahlen für den, der 24 Megapixel (Fuji) per se für besser hält als 20 (Olympus), findet man im Internet genug. Doch obwohl gerade erst auf den Markt gekommen, fühlen sich beide Kameras unterschiedlich aktuell an - mit Überraschungen. Mit ihrem roten Videoknopf an einer allerdings diskussionswürdigen Stelle und ihren bildbearbeitenden Artfiltern wirkt die Olympus auf schwer bestimmbare Weise moderner, um nicht zu sagen jünger als die Fuji. Das dauert allerdings nur so lange, bis man an der die USB3-Schnittstelle entdeckt hat. Sie ist die Fotografen-Kamera, ohne allen Schnickschnack, aber natürlich auch mit voller Vernetzbarkeit. Vom neu gestalteten, aber schnörkellos gebliebenen Menü der Fuji bis zum eigentlich bloß stylishen, den OM-Liebhaber aber doch freuenden Hauptschalter der Olympus hat jede der beiden ihre Meriten, wohlgemerkt: immer in der ersten Liga.

          Wer besonders hohe Geschwindigkeit braucht, ob für die Tier- oder die Sportfotografie, einen blitzschnellen Autofokus und eine stupend hohe Serienbildrate, findet sein Werkzeug in der Olympus OM-D EM-1 Mk.II. Wem es auf noch einen Ticken bessere Bildqualität ankommt und wer ganz Fotograf ist (also nicht alle paar Augenblicke zum Videofilmer mutiert), wird mit der Fujifilm XT-2, die allerdings auch 4k-Video kann, glücklich. Das gilt auch für den Old-School-Typ, der gern mit Blendenring und Zeitenrad die Belichtungssteuerung und mit ihr die Bildgestaltung in der Hand haben möchte.

          Fazit: Wer seine System-Entscheidung längst getroffen hat, deshalb auch bereits das eine oder andere Objektiv dazu besitzt, wird keinen Moment lang zweifeln, mit welcher der beiden Kameras er sich das Beste des Verfügbaren für sein System leistet. Hin und her gerissen wird zwangsläufig der sein, für den der Erwerb einer dieser beiden Spitzen-Kameras zugleich der Einstieg ins jeweilige System ist. Den Zweifelnden kann hier die süße Qual der Wahl nicht erspart werden, aber sie sollen doch Trost erfahren: Ganz und gar verkehrt kann man nichts machen, weder mit der einen noch mit der anderen Kamera.

          Quelle: F.A.Z.

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