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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Kamera SD1 Sigma wildert mit 3 × 15 Megapixel

 ·  Die SD1 ist Sigmas Prestigeobjekt. Wo Sigma sich längst mit seinen Objektiven etabliert hat, soll die Kamera mit ihrem ungewöhnlichen Sensor wildern: in den Kreisen der Profis und der ambitionierten Amateure.

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© Pardey Schweres Geschütz: Die Sigma SD1 mit dem Foveon X3 Sensor

Wow, 45 Megapixel! Diese an Mittelformat-Sensoren gemahnende, gerundete Zahl trägt die SD1 seit ihrer Ankündigung wie eine Verheißung und zugleich wie eine Hypothek mit sich herum. Ja, der „Foveon X3 Direktbildsensor“ besitzt in der Tat sogar über 46 Megapixel, nämlich eine Matrix von 4800 × 3200 Bildpunkten, und dies dreimal. Aufgezeichnet werden maximal 4704 × 3136 Pixel in drei verschiedenen Schichten des Sensors, die jeweils für eine der drei Primärfarben Rot, Grün und Blau empfindlich sind.

Die allermeisten der anderen Kamerasensoren haben nur eine Schicht lichtempfindlicher Elemente, wobei vor jedem einzelnen ein klitzekleiner Farbfilter sitzt. Bei der nach ihrem Erfinder Bayer-Matrix genannten Anordnung gesellen sich zu je zwei grünempfindlich gemachten Pixeln je ein rot- und ein blauempfindliches. Außer dem Helligkeitswert liefert jedes Sensorelement also nur einen Farbwert, die beiden fehlenden müssen anhand der Werte benachbarter Bildpunkte vom Bildprozessor errechnet werden. Das klingt kompliziert, funktioniert aber recht gut. Richtig ist allerdings auch, dass die Bayer-Matrix einer Rasterung gleichkommt, weswegen zum Beipiel Leica in der M9 Monochrom höchster Bildschärfe zuliebe auf die Farbfilter verzichtet hat, mit dem Ergebnis, dass der Sensor nur Graustufenbilder liefert.

Das Gefühl? Ziemlich klotzig

Auch der spezielle Aufbau des Direktbildsensors der SD1 Merrill - wie die Kamera nach dem Entwickler mit vollem Namen heißt - ist ein Versuch, auf die vorgeschalteten Farbfilter zu verzichten. Man muss also die sagenhaften 45 Megapixel durch 3 teilen. Und so gehört die SD1 in die Klasse der 15-Megapixel-Kameras mit einem Sensor im APS-C-Format (23,5 × 15,7 Millimeter). Aber so ganz stimmt auch das wiederum nicht. Denn eine Kamera mit herkömmlichem Sensor liefert zum Beispiel nur 15 Megapixel geteilt durch 4 gleich über den Daumen gepeilt 3,75 Millionen Blauwerte, der Foveon-Sensor aber echte 14,75 Millionen. Das zahlt sich aus in Bildern, die Farbstrukturen - und nicht bloß den für Messungen der Auflösung gern herangezogenen schwarzweißen Siemensstern - hochfein darstellen. Wenn es darum geht, kann die Sigma SD1 unbedingt mit einer Vollformat-DSLR mithalten.

Aber man denkt ja auch beim Autofahren nicht ständig dran, dass ein Vierventiler unter der Haube ist: Wie fühlt sich diese Kamera, die preislich - das Gehäuse kostet nackt laut Liste 1950 Euro - wie in der Anmutung deutlich aufs Profilager zielt, im praktischen Gebrauch an? Ziemlich klotzig: Satte 1310 Gramm brachte die SD1 mit dem Sigma DC 1:2,8-4/17-70mm Macro HSM als Objektiv bei uns betriebsbereit auf die Waage. Aber diese Wucht hält sich erstaunlich gut in einer Hand, die vorn wie hinten am gedichteten Magnesium-Gehäuse so gut Halt findet, dass andere Hersteller sich ein Beispiel nehmen könnten. Zum Einschalten links oben neben dem Prismengiebel braucht es zwar eine zweite Hand, aber ohnehin lässt man die SD1 besser gleich eingeschaltet.

Nicht die Allerflinkeste

Die Allerflinkeste ist sie nämlich nicht, wenn sie sich zum Dienst melden soll. Wer den nicht übermäßig großen und auch nicht superhellen Sucher schon beim Einschalten am Auge hat, wird mit dem allmählich von rechts nach links laufenden Aufbau der Statusleiste während der Wartezeit unterhalten.

Das stattliche Gehäuse ist übersät mit Drucktasten und hat je zwei, stark rastende Drehknöpfe für die Betriebsartenwahl und -räder für das Verstellen von einzelnen Parametern. Dadurch ist leider kein Platz für einen Monitor mit Einstellungsanzeige auf der Gehäuseoberseite. Die Aufteilung auf die zwei, kaum einen Halbkreis beschreibenden Drehknöpfe erscheint nicht zwingend. Das Bedienkonzept erlaubt mehrere, unterschiedlich umständliche und verschieden visualisierte Wege zu so naheliegenden Zielen wie der ISO-Einstellung (bis ISO 6400): entweder über eine Taste und Drehrad oder über die Quick-Set-Taste und dann mit den Cursortasten. Trotzdem ermangelt die Kamera allen Schnickschnacks, der bei anderen Herstellern längst Einzug auch in die Kameras für den ambitionierten Amateur gehalten hat. Poppigere Digitalfilter als Sepiatönung, Live-View oder HD-Videos, alles Fehlanzeige. Stattdessen ein Detail, das zeigt, das die SD1 Merrill wirklich im harten Alltagseinsatz mithalten will. Im Bajonett sitzt vor dem Schwingspiegel ein Staubschutz, der für intensivere Reinigungsarbeiten entfernbar ist.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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