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In-Ear-Kopfhörer im Test Das Beste kommt aus Deutschland

 ·  Es geht hier schlicht um die besten In-Ear-Kopfhörer, die man derzeit kaufen kann. Der Sennheiser IE 800 und der IQ von Ultrasone kosten allerdings auch viel Geld. Doch die Investition lohnt sich.

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© Hersteller Vergrößern Bestes für in die Ohren: Sennheiser IE 800 und Ultrasone IQ

Es geht hier schlicht um die besten In-Ear-Kopfhörer, die man derzeit kaufen kann. Sennheiser und Ultrasone produzieren sie in Deutschland und haben die Ausnahmeprodukte fast zur gleichen Zeit auf den Markt gebracht. Mit den Billigstöpseln, die Elektronikmärkte und Onlineportale massenhaft anbieten, haben die Testobjekte wenig zu tun.

Allein wegen des Preises. Schon der des IQ von Ultrasone lässt den potentiellen Käufer erst einmal schlucken. 650 Euro. Geschockt? Wir können noch etwas drauflegen. Der IE 800 von Sennheiser kostet knapp 700 Euro. Entsetzt? Muss niemand sein. Die Produkte haben es in sich. So sehr, dass Sennheiser nahezu verbietet, den IE 800 an ein Smartphone anzuschließen. Das ist Unfug. Wer ordentlich komprimierte Audiodateien auf sein iPhone oder Android-Gerät packt, macht seine Ohren glücklich. Und wer Sennheiser glücklich machen will, nimmt ein Abspielgerät wie den Astell&Kern, der mit hochauflösenden Dateien umgehen kann.

Ultrasone macht keine Vorschriften für die Verwendung. Dass dieses kleine Produkt, das man lediglich in die Ohren stopft, etwas Edles ist, deutet der Hersteller mit dem goldfarbenen Rand rund um das Metalldruckgussgehäuse an. Daran sitzen das Kabel und der Pfropfen mit der Membran. Ultrasone hat sich bei seinem IQ für ein Zwei-Wege-System entschieden. Eine Weiche schickt die Frequenzen entweder zum dynamischen 8-Millimeter-Basstreiber oder zum Mittelhochtöner, der mit der BA-Methode (balanced-armature) angetrieben wird.

Sony und AKG machen das zum Beispiel auch, weil diese Treiber sehr klein sind. Und bei In-Ear-Kopfhörern mit Zwei- oder Drei-Wege-Systemen ist dies notwendig. An dieser Stelle eine Warnung: In-Ear-Modelle mit BA-Treibern klingen aufgrund ihrer technischen Eigenschaften an manchen Kopfhörerverstärkern unbrauchbar.

Der tägliche Umgang mit dem IQ erfordert Übung. Die Schaumstoff-Adapter werden wie Ohrstöpsel erst einmal zusammengedrückt, bevor sie in den Gehörgang eingesetzt werden. Dort dehnen sie sich wieder aus. Zur gleichen Zeit gilt es, sich einen flexiblen Drahtbügel hinter die Ohren zu klemmen.

Das Klangergebnis ist beeindruckend. Der IQ eröffnet eine sehr große Bühne, löst höchst differenziert auf, hat einen trockenen, kraftvollen Bass und gibt den Höhen ihre volle Berechtigung. Der Klang ist klar und neutral. Das bedeutet bei manchen Liedern, dass der IQ auch hart, mitunter der männliche Gesang leicht metallisch und übertrieben spitz klingen kann. Wer viel Klassik und Jazz hört, wird mit dem IQ glücklich werden.

Der natürliche Sound des IE 800

Sennheiser hält ein genauso hohes Qualitätsniveau, geht aber anders an die Sache heran. Bei der Entwicklung des IE 800 hat man auf BA-Treiber verzichtet und einen eigenen Breitband-Wandler entwickelt. Dieser übernimmt ein sehr weites Frequenzspektrum, ist ebenfalls winzig und schafft einen hohen Schalldruckpegel, ohne zu verzerren. Auch beim Gehäuse hat sich Sennheiser etwas Besonderes einfallen lassen. Das Innere wird belüftet: Der Luftstrom, der durch die Bewegung der Membran entsteht, kann durch eine Art Rückstau diese auch stören. Daher entweicht die Luft durch zwei winzige Löcher - ähnlich wie bei einem offenen Bügelkopfhörer.

Die Entwickler von Sennheiser haben es geschafft, all die Technik in diesem winzigen Gehäuse des IE 800 zu verstauen. Selbst beim Material der Ohradapter verfolgen Sennheiser und Ultrasone verschiedene Konzepte. Der IE 800 hat klassische Silikon-Stöpsel, die in verschiedene Größen und Formen beiliegen. Die machen den Gehörgang ebenso dicht wie Ultrasones Schaumstoff-Adapter.

Der Klang des IE 800 hat uns gleich nach den ersten Tönen gepackt. Wir hatten den analytischen Sound des Sennheiser-Flaggschiffs HD 800 erwartet, der für viele der beste Kopfhörer der Welt ist. Doch der Winzling klingt anders: entspannt, harmonisch und ausgewogen. Gerade im Tieftonbereich macht der IE 800 Dinge, die man sich von ohrumschließenden Kopfhörern wünscht, die Fußballer und Jugendliche tragen. Er spielt unten herum äußerst präzise, angenehm druckvoll und dezent trocken. Doch es ist keineswegs so, dass die Mitten und Höhen in den Hintergrund treten. Sie sind ebenso präsent und zeigen genau definierte Konturen.

Der IE 800 ist weder analytisch noch neutral. Es trifft in diesem Fall wirklich zu, was Sennheiser immer über all seine Kopfhörer sagt: Dieses In-Ear-Modell bildet die Musik natürlich ab, gibt sie vermutlich so wieder, wie sich das die Musiker vorgestellt haben. Jedenfalls gilt dieser Eindruck für Rock, Pop und elektronische Musik. Was er allerdings nicht so gut schafft, ist, eine richtig große Bühne aufzubauen.

Beide Hersteller müssen sich also keine Sorgen machen. Jeder dieser Kopfhörer wird seine eigene Kundschaft finden. Sennheiser und Ultrasone haben zwei Referenzmodelle geschaffen, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Klangkonzepte auf gleicher Höhe getrost nebeneinander existieren können.

Und wer noch mehr Geld für In-Ear-Kopfhörer übrig hat: Der etwas ältere AKG K3003 kostet 1000 Euro und ist - nun ja - ebenso exzellent. Das war’s dann aber auch mit der Referenz.

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