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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

IFA 2012 Pixelmania in der smarten Elektronik-Welt

 ·  Was kommt nach superscharf? Die IFA in Berlin zeigt es auf den neuen Bildschirm-Jumbos. Und sie beeindruckt mit einem überbordenden Angebot an Apps auf den Bildflächen der Fernseher.

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© Hersteller Die Galaxy Camera von Samsung hat zum ersten Mal Android an Bord

Schlicht „atemberaubend“ fanden wir sie, die ersten HDTV-Testausstrahlungen und die Bildsignale von Prototypen der Bluray Disk, nachzulesen im IFA-Messebericht von Technik und Motor anno 2005. Und weil es schon sprachlich keine vernünftige Steigerung dieser Einordnung gibt, hätte die Technik-Evolution ja eigentlich an dieser Stelle Halt machen können. Aber sie dachte ja gar nicht daran: Auf der IFA 2012, die morgen nach sechs bunten Tagen in Berlin zu Ende geht, gibt es noch ganz andere Anlässe zu temporärer Atemnot. Zum Beispiel Bilder mit dem Vierfachen der HDTV-Auflösung, kurz 4k genannt. Knapp acht Millionen Pixel versammeln sich da auf der Mattscheibe - 50 oder 60 Mal in jeder Sekunde. Und selbst an dieser Schwelle ist die Technik nicht zu stoppen: Sogar Videos mit 16facher HDTV-Auflösung sind in Berlin zu sehen. 8k heißt das passende Kürzel. Panasonic zeigt den Pixel-Overkill auf einem Bildschirm-Jumbo, der mal eben das Diagonalmaß von 145 Zoll, also 370 Zentimeter, an der Wand ausbreitet.

Fürs Wohnzimmer ist das nun definitiv ein bisschen zu mächtig. Aber an einer freigeräumten Wand können wir uns immerhin noch das Kaliber 84 Zoll (213 Zentimeter) vorstellen, das uns in dieser Saison gleich mehrere Hersteller als neues Traummaß nahebringen möchten - selbstverständlich mit 4k-Auflösung. Gesehen haben wir solche Maxi-Schirme unter anderen bei Sony, Toshiba und LG.

Sie werfen ähnliche Fragen auf wie weiland die ersten HDTV-tüchtigen Schirme in der Vor-HD-Ära: Was kann man denn überhaupt auf solchen Bildflächen zeigen, ohne deren überragendes Schärfe-Potential zu verschenken? Natürlich die selbst geschossenen Fotos aus der Digitalkamera. An adäquaten bewegten Bildern aber gibt es nur ein paar Demo-Filme und verwegene Pläne, etwa Online-Dienste, die dereinst Super-HD-Videos über breitbandige Internetanschlüsse anbieten könnten. Sony bereitet sich auf diese Ära mit Hochkultur vor - in einer Kooperation mit den Berliner Symphonikern, der schon jetzt einfach überwältigende 4k-Aufnahmen entstammen. Die Initiative erinnert ein bisschen an die Freundschaft zwischen dem damaligen Sony-Chef Noria Ohga und dem Maestro Herbert von Karajan: Beide legten sich vor 30 Jahren gemeinsam ins Zeug, um die CD zum Laufen zu bringen.

Vorerst allerdings bieten sich pragmatischere Anwendungen an, zu sehen bei Toshiba und LG: Mit entsprechenden Polarisationsfolien beschichtet, unterstützen deren 4k-Schirme die 3D-Darstellung mit passiven Brillen. Nach diesem Verfahren sieht jedes Auge im 3D-Modus zwar nur jede zweite Bildzeile, aber das reicht, um heutiges Programm-Material, etwa von der Bluray Disc, in voller HD-Auflösung zu präsentieren. Toshiba findet diese Anwendung so plausibel, dass man dort gleich ein ganzes Programm an 4k-Schirmen auflegen will, bis hinab zur irdischen Größe von 55 Zoll.

Ein 4k-Gerät dieser Größe gibt es ja eigentlich schon seit Monaten im Toshiba-Sortiment - den 55ZL2G genannten ersten serienreifen Fernseher, der auch 3D-Bilder ohne Brille zeigen kann. Andere Hersteller haben sich bis heute nicht getraut, den Marktstart ähnlicher Apparate anzukündigen. Dennoch ist die Technik in Form von Prototypen auf der IFA omnipräsent. So hat Panasonic einen 103 Zoll großen, spektakulären Kaventsmann für die brillenlose 3D-Wiedergabe im Messegepäck.

Eher noch größere Aufmerksamkeit aber ziehen zwei Pretiosen auf sich, die das Messepublikum mit überragender Leuchtkraft faszinieren: die beiden 55 Zoll großen OLED-Bildschirme von Samsung und LG. Damit kommen nun erstmals großkalibrige Geräte dieses Typs auf den Markt - voraussichtlich aber erst zu Beginn des nächsten Jahres. Die Vorzüge der OLED-Technik sind augenfällig: Im Vergleich zu LED-Schirmen bieten die beiden koreanischen Neuheiten höhere Kontraste, präzisere Reaktion auf schnell wechselnde Bildinhalte und selbst aus spitzen Betrachtungswinkeln stets unverfälschte Farben. Hinzu kommt: Weil OLED-Pixel selbst leuchten, also im Gegensatz zu LED-Zellen keine zusätzlichen Lichtquellen brauchen, finden sie selbst in extrem flachen Gehäusen genug Platz. So hat das Modell von LG gerade einmal eine Bautiefe von vier Millimetern. Allerdings reißen die OLED-Schönheiten noch ziemlich tiefe Löcher ins Unterhaltungselektronik-Budget: Zwischen 8000 und 9000 Euro werden sie voraussichtlich kosten.

Schönheit im Sinne von elegantem Gehäuse-Design ist eines der Dauerthemen von Loewe. In diesem Jahr erfreuen die Kronacher ihre Klientel mit einer neuen Ausgabe ihres Individual TV. Der Name sagt es schon: Ob Farbe, Materialien oder Oberflächen - König Kunde kann nach Herzenslust kombinieren und mit dem Rest der Einrichtung abstimmen. Noch mehr Gestaltungsspielraum bietet dieser Hersteller mit seinem neuen Flaggschiff, dem Reference ID. Aber auch mit ihrer Technik müssen sich die neuen Loewe-Modelle nicht verstecken: Dem Großtrend zur „smarten“ Fernsehwelt folgend, können auch sie sich mit dem Internet verbinden und Direktkontakt zu Tablets, Smartphones, Netzwerk-Festplatten, PCs und sogar zu vernetzen Zweitgeräten aufnehmen.

Apps auf den Fernsehbildschirmen, die geradewegs zu Unterhaltung und Informationen aus dem Internet führen, prägen das Bild auf allen großen Messeständen. Und die ganze Branche diskutiert darüber, ob die Technik hinter den interaktiven Bildschirmseiten eigentlich, wie heute noch üblich, auch weiterhin aus lauter markenspezifischen Insellösungen bestehen muss. Sie müsse es nicht, sagen Toshiba, LG und Philips: In einer Smart-TV-Allianz arbeiten die drei Hersteller an gemeinsamen Spezifikationen für die Aufbereitung von Web-Inhalten.

Das wäre eigentlich völlig überflüssig, findet Google, wenn die Hersteller einfach alle das Betriebssystem Android in ihre Fernsehgeräte einpflanzen würden. Mit solchen imperialen Ambitionen ist der Internetkonzern allerdings bisher noch nicht allzu weit gekommen. Dennoch lässt er nicht locker. So bringt Sony nun Google TV samt Android mit einer separaten Elektronik-Box auf die Bildschirme. Ob das den Durchbruch anbahnt? Vorerst sicher nicht, denn mit den Apps ihrer eigenen Technik-Plattformen haben die Gerätehersteller eben auch gewichtige Verkaufsargumente, und die dürften sie kaum freiwillig an einen mächtigen Mittler abtreten, der dann vielleicht sogar noch mit seiner Bedienoberfläche das Gesicht der Geräte bestimmt.

Trotzdem ist Android auf Erfolgskurs. Samsung zeigt in Berlin sogar schon eine Foto-Kamera, in der das Betriebssystem steckt. Damit kann das Galaxy Camera genannte Knipskästchen mächtige Werkzeuge laden, etwa zur Bildnachbearbeitung oder zur Weiterleitung der Fotos über das Mobilfunknetz ins Internet - sofort nach dem Druck auf den Auslöser.

Unter den Videokameras machen vor allem zwergwüchsige Modelle für den sportlichen Einsatz von sich reden: Am Fahrradhelm oder an der Schnorchelbrille fixiert, trotzen sie Erschütterung, Wind und Wetter und liefern, klarer Fall, Filme in HD-Auflösung. Für Sonys „Action Cam“ gibt es sogar ein Tauchgehäuse, das Modell Adixxion GC-XA1 von JVC verträgt das feuchte Element auch ohne Schutzbehausung, allerdings nur bis in maßvolle Tiefen. Beide Geräte können über WiFi Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen.

Zur Weiterverarbeitung sportiver Filmchen bietet sich eine neue Gattung mobiler Computer an, die zwischen Tablet und Ultrabook changiert - und zwar so: Ein Bildschirm mit Touchscreen-Oberfläche, der autark als Tablet funktioniert, lässt sich an eine Tastatur anstöpseln, die zusätzlich noch die in der Notebook-Welt üblichen Schnittstellen anbietet. Toshiba hat für diese Geräteart sogar schon einen neuen Namen erfunden: Rechner wie die mit Windows 8 ausgestattete IFA-Neuheit U920t heißen in der Nomenklatur des Unternehmens Convertible Ultrabooks. Sony variiert das Thema etwas mit seinem eleganten, ebenfalls unter Windows 8 arbeitenden Vaio Duo 11. Hier sind Bildschirm und Tastatur mit einem Slider-Mechanismus verbunden. Auf dem 29,5 Zentimeter großen Touchscreen kann man auch Handschriftliches notieren. Ein passender Stift gehört zum Lieferumfang, eine Texterkennungssoftware hält sich zur Interpretation bereit - keine ganz neue Idee, aber gerade für Messebesucher ganz hilfreich: So lassen sich die Impressionen einer IFA flink für den späteren Report protokollieren.

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