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IFA 2007 Für die neue Ära des medialen Scharfblicks

03.09.2007 ·  Gab es schon Unterhaltungselektronik, bevor High Definition über uns kam? Wer seit Jahren die IFA besucht, könnte das jedenfalls glauben. HDTV ist überall. Doch nach wie vor steht auch Design im Vordergrund: TV-Geräte werden zu Skulpturen und Kopfhörer zu Schmuckstücken.

Von Wolfgang Tunze
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Seit dem vergangenen Freitag ist Berlin für sechs Tage die Hauptstadt der Multimedia-Welt: Die Internationale Funkausstellung zeigt in Sachen Fernsehen, Heimkino, Video und HiFi den Stand der Dinge.

Gab es eigentlich schon Unterhaltungselektronik, bevor High Definition über uns kam? Wer sich in diesen Tagen unter das Messepublikum der Internationalen Funkausstellung mischt, hat nach kurzer Zeit Mühe, sich daran zu erinnern. Großbildschirme allenthalben, geschmückt mit dem jüngsten Technik-Kürzel "Full-HD", künden von einer neuen Ära des medialen Scharfblicks, auch wenn das real existierende Angebot an ad-äquaten Fernsehprogrammen nach wie vor hinter den Fähigkeiten der neuen Gerätegeneration hinterherhinkt.

Blu-ray Disc oder HD-DVD

Zum Glück gibt es längst probate Alternativen - etwa Filme auf den neuen optischen Datenträgern Blu-ray Disc und HD-DVD, die mit ihren extrem klaren Bildern Hollywood buchstäblich ins Wohnzimmer holen. Gibt uns die IFA, wie die Messe in zeitgemäßer Kurzform heißt, nun endlich Aufschluss darüber, welches der beiden Formate am Ende das Rennen macht? Zählt man zusammen, wie viele neue Player-Modelle für die Blu-ray Disc die Stände der Aussteller bevölkern, so ergibt sich eine eindrucksvolle Übermacht gegenüber dem HD-DVD-Lager. Beobachtet man aber, was die großen Hollywood-Studios treiben, so sieht die Sache nicht ganz so eindeutig aus. Zwar hat das Blu-ray-Lager mit Sony Pictures, Disney und Vox auch hier die Nase vorn.

Eindeutig zur HD-DVD-Gruppe hält nur Universal. Aber Warner, das Studio, das bisher auf beiden Formaten veröffentlicht, scheint in Richtung HD-DVD zu wackeln. Zumindest die Idee des Hauses, das High-Definition-Schisma mit einer Kombi-Scheibe zu lösen, die ihren Inhalt in beiden Techniken anbietet, liegt vorerst auf Eis. Die Korea-Fraktion der Gerätehersteller dagegen setzt weiterhin auf Hybrid-Lösungen: Nach LG im vergangenen Jahr präsentiert auf dieser IFA nun auch Samsung einen Kombi-Player, der beide Arten der HD-Videos abspielen kann. Das BD-UP5000 genannte Modell beherrscht sogar, anders als das Vorjahres-Highlight von LG, die interaktiven HD-DVD-Funktionen; im Grunde ist der Neuling damit der erste wirkliche Generalist.

Verblüffende Vielfalt

Wer angesichts des Format-Hickhacks vom Player-Kauf vorerst lieber ganz Abstand nimmt, der kann seine High-Definition-Werke einfach selbst filmen. Geeignete Gerätschaften bietet die IFA 2007 in geradezu verblüffender Vielfalt: Hatten High-Definition-Camcorder noch vor Jahresfrist den Status von Raritäten, so bevölkern diese Maschinen inzwischen die gesamten gehobenen Preisklassen ihrer Gattung. Sie stellen eine Fülle verschiedener Aufzeichnungsmedien zur Wahl: Von der Kassette über die bespielbare DVD und die eingebaute Festplatte bis hin zur SD-Speicherkarte reichen die Alternativen. Damit nicht genug: Hitachi zeigt auf der IFA ein erstes, BD70 genanntes Modell, das die hochzeiligen Bilder auf 8 Zentimeter großen, bespielbaren Blu-ray Discs aufnimmt. Die Lösung hat ihren eigenen Charme: Die so produzierten Scheiben lassen sich ohne weitere Nachbearbeitung in einem Blu-ray-Player abspielen.

Wie gut die neuen Fernseher die selbstgedrehten Filme in Szene setzen, hängt nicht allein vom "Full-HD"-Etikett ab, mit dem die Größten unter den Flachen zum Ausdruck bringen, dass sie 1920 mal 1080 Bildpunkte darstellen können - also satte 2 Megapixel je Video-Einzelbild. Auch die eingebaute elektronische Signalverarbeitung leistet einen erklecklichen Beitrag zum Gesamtergebnis, und hier lauten die Zauberformeln der Saison 100 Hertz und 24p. Gemeint sind zwei Kunstgriffe, die auf die flüssige Darstellung von Bewegungsabläufen abzielen. 24p steht speziell für die Anpassung der Einzelbild-Folge an die Usancen der Blu-ray-Disc und der HD-DVD: Beide Medien arbeiten zumeist im Zeittakt des Kinofilms, der genau 24 Bilder in jeder Sekunde auf die Leinwand bringt. Erst wenn Player und Fernseher diesen Bildrhythmus perfekt unterstützen, kommen die Hochzeilen-Bilder ohne jedes Ruckeln auf die Mattscheibe.

Rahmenloser Hardware-Modetrend

Mehr denn je gilt anno 2007, dass ein Fernseher von Stand selbst dann noch schön zu sein hat, wenn das Programm auf dem Bildschirm Pause hat. Der jüngste Hardware-Modetrend geht in Richtung rahmenlos. Sharp etwa liefert mit seinen neuen LCD-Kreationen beinahe Bildfläche pur. So erscheinen selbst große Kaliber beinahe kompakt - und weil sie tatsächlich weniger sperrig ausfallen, fügen sie sich auch leichter ins häusliche Interieur. Auch die aktuellen Design-Modelle von Loewe zählen, so will es schon die Tradition, zu den Geräten, die man gern anschaut. Das neueste Werk des Herstellers, sinnstiftend Connect genannt, trumpft aber noch mit ganz anderen Eigenschaften auf: Das smarte, in vielen Ausstattungs- und Gestaltungsvarianten erhältliche Modell hat nicht nur einen HDTV-Empfänger und eine Festplatte für komfortables zeitversetztes Fernsehen an Bord, sondern auch gleich noch einen Medienplayer, der Audio, Video, Fotos und sogar Youtube aus dem Heimnetzwerk und dem World Wide Web auf die Bildfläche holt. Für den Datentransfer ist ein eingebauter Stromnetz-Adapter zuständig. Mithin gilt: Netzstecker einstöpseln, und schon kann die opulente Multimedia-Zentrale loslegen. Die Befehle der Fernbedienung reichen dann bis tief ins Internet - bequem, praktisch, von Anfang bis Ende perfekt durchdacht.

Pioneer will ebenfalls mit ganz eigenen Qualitäten Fernseher-Geschichte schreiben. Der japanische Plasma-Spezialist fertigt seine jüngsten Boliden in der achten Generation, hortet somit einen Erfahrungsschatz, der in sensationellen Kontrastwerten resultiert. Strahlend leuchtende Farben vor abgrundtiefen Schwarzwerten - vor solchen Bildern werden nicht nur notorische Heimkino-Freaks schwach.

Elektronik-Zentralen des IFA-Jahrgangs

Und wie steht es mit dem passenden Ton? Den liefern die neuen Heimkino-Receiver aller großen Hersteller von Denon über Onkyo bis hin zu Yamaha. Die Elektronik-Zentralen des IFA-Jahrgangs 2007 können erstmals die neuen, hoch auflösenden Tonformate der Blu-ray-Disc und der HD-DVD dekodieren - mit bis zu acht Kanälen in traumhafter Qualität. Yamaha, immer wieder gern Vorreiter auf diesem Gebiet, setzt noch eins drauf: Der jüngste Heimkino-Bolide des Hauses, DSP-Z11 genannt, erzeugt mit seinen eingebauten Raumakustik-Programmen gleich noch ein paar zusätzliche Signale und gibt, summa summarum, elf Kanäle plus zwei zusätzliche Tonzweige für tiefe Bässe wieder, um das Heimkino nicht nur in der Fläche akustisch auszuleuchten, sondern auch noch die Höhendimension realitätsnah zu definieren.

Die IFA präsentiert aber auch die leichtgewichtige Seite des HiFi-Spektrums - mit einem anhaltenden Boom an mobilen und stationären Gerätschaften, die sich rund um die Zwillingsphänomene MP3 und iPod tummeln. Sie hier alle aufzulisten wäre uferlos. Aber eine der vielen Neuheiten-Ideen verdient denn doch besonderes Augenmerk: Kopfhörer für den mobilen Musikgenuss, die ihre Träger(innen) im Nebenjob gleich noch mit Schmuckkristallen und filigranen Silberkettchen zieren. Die Lauscher aus dem Hause Philips zeigen am keineswegs einzigen Beispiel: Unterhaltungselektronik ist längst mehr als nur Technik. Sie ist, besonders in ihrer mobilen Ausprägung, immer mehr auch ein Stück Mode.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 02.09.2007, Nr. 35 / Seite 14
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