06.09.2008 · Zu gutem Klang führt ein langer Weg. Viele Komponenten sind nötig, die gut aufeinander abgestimmt sein sollten. High End am Anfang einer HiFi-Kette erzwingt High End auch am Ende. Also Ohren auf beim Kauf von Verstärkern und Lautsprechern.
Von Gerold LingnauEnde gut, alles gut - das könnte die zweite These für den High-End-Beflissenen sein, wenn er die erste beherzigt hat: dass am Anfang einer anspruchsvollen HiFi-Anlage, bei den Quellengeräten, unbedingt auf Qualität geachtet werden muss.
Denn so wahr es ist, dass Versäumnisse an der Quelle im weiteren Verlauf einer High-End-Kette nicht mehr korrigiert werden können, so richtig ist auch, dass erst Verstärker und Lautsprecher den Musikgenuss komplett machen - oder ihn verderben, wenn sie das Niveau ihrer Zuspieler nicht halten können. Und so lohnt es sich, auch bei der Endverarbeitung des hoffentlich optimalen Musiksignals von Schallplatte oder Disc keine Kompromisse bei der Güte der Komponenten einzugehen.
Auf die Wahl des Verstärkers kommt es an
Schon am Verstärker scheiden sich die Geister. Zwei- oder Mehrkanal? Nun, High End ist ganz überwiegend noch Stereo-Land. Vollverstärker oder Vor- und Endstufe in getrennten Gehäusen? Der Audiophile neigt zur zweiten Alternative, aber das ist fast schon Perfektionismus, denn es gibt auch überragende Vollverstärker. Ist ein Plattenspieler anzuschließen, braucht man einen Phonovorverstärker, der das zarte Signal der in High-End-Kreisen bevorzugten Moving-Coil-Tonabnehmer aufpäppelt; er ist heute meist ein eigenes Gerät, denn integrierte Phonostufen sind selten geworden, vielfach gibt es sie nur als Option.
Verstärker sollen verstärken und den Klang sonst unbeeinflusst lassen: Das erwartet man besonders von der Vorstufe, für die das alte Idealbild vom „Draht mit Verstärkung“ (und hochwertiger Lautstärkeregelung) immer noch gültig ist. Von Endverstärkern verlangt ein Teil der High-Ender vor allem Leistung: Sie verlieben sich in zentnerschwere Boliden, die überreichlich Watt bieten und damit Reserven, die ebenso selten zum Einsatz kommen wie das PS-Potential einer Oberklasse-Limousine. Oft fällt die Entscheidung auch auf Monoblöcke, also je eine baugleiche Mono-Endstufe pro Stereo-Kanal.
Sie kann man direkt beim Lautsprecher aufstellen und damit Länge bei den bisweilen kritischen Boxenkabeln sparen. Eine andere Gruppe von Verstärker-Interessenten pfeift auf Leistung zugunsten von Klanggewinn: Statt der Transistor- kauft sie Röhrenverstärker, die heute zwar dank raffinierter Schaltungen schon recht nette Wattzahlen erreichen, aber vor allem durch ihre feinsinnige Spielweise gefallen, die sie einem höheren Anteil „guten“ Klirrs verdanken. Noch wenig im High-End-Bereich verbreitet ist die dritte Endstufen-Kategorie, die Digitalverstärker, die mit hohem Wirkungsgrad und daher fast „kalt“ arbeiten.
High End zum guten Preis
Teure und voluminöse Verstärker sind für manchen eine Prestigesache. High End findet man aber durchaus schon in der gemäßigten Preiszone: Unternehmen wie Marantz und Rotel aus Japan oder NAD aus Kanada, aber auch breiter aufgestellte Marken wie Sony, Denon und Yamaha (Japan) oder Harman (Vereinigte Staaten) bieten erschwingliche Modelle, die den aufwendigeren nur wenig nachstehen. Im Spitzensegment dominieren andere Namen: in Deutschland der Berliner Oberklasse-Hersteller Dieter Burmester - berühmt nicht zuletzt durch seinen modularen Vorverstärker 808 -, T+A aus Herford oder AVM aus Malsch, mit Röhrengeräten Andreas Hofmanns Firma Octave im badischen Karlsbad, Lua aus Frickingen am Bodensee oder die deutsch-chinesische Marke Cayin in Kelkheim.
In Japan brillieren Accuphase und MacIntosh mit Top-Technik in eher konservativem Design, in den Vereinigten Staaten Mark Levinson (das heute zu Harman gehörende Unternehmen trägt immer noch den Namen seines charismatischen Gründers), Pass (Heimat des kalifornischen Verstärker-Gurus Nelson Pass) und Krell, die Marke des Entwicklers Dan D'Agostino in Connecticut. Aus britischer Produktion wählen High-Ender gern die Verstärker der schottischen Marke Linn (gegründet 1972 vom exzentrischen Ivor Tiefenbrun) und ihres Konkurrenten Naim aus Südengland, ebenso die nach ihrem Entwickler Michael Creek benannten Geräte und die Produkte von Musical Fidelity, deren Chef Antony Michaelson auch als begabter Klarinettist bekannt ist. Italien ist mit aufregend gestylten Modellen von Unison aus Vicenza präsent, China mit der Marke Vincent (beide auch mit Röhrengeräten) und die Schweiz mit dem wiedererstandenen Namen Thorens.
Lautsprecher - letzte Instanz zwischen Musikquelle und Hörer
Abschluss und zumindest optische Krönung jeder HiFi-Anlage sind die Lautsprecher, die letzte Instanz zwischen Musikquelle und Hörer. Sie und, sehr wichtig, ihre Aufstellung im Raum haben den größten Einfluss aufs Hörerlebnis, und ihnen nimmt man einen Eigenklang - der auch ein Markenklang sein kann - weniger übel als den anderen HiFi-Komponenten, ja man sucht ihn oft sogar ganz bewusst zur Befriedigung des persönlichen Hörgeschmacks. Und nebenbei sind sie Möbel, die ins heimische Ambiente passen sollen: Das macht die Auswahl nicht leichter.
Das Erzeugen von Luftschall durch die Lautsprechermembranen braucht elektrische Energie, die von der Endstufe zusammen mit dem Tonsignal bereitgestellt wird. Endverstärker und Boxen müssen daher zueinanderpassen: Ein leistungsschwaches Röhrengerät etwa wird mit Lautsprechern geringen Wirkungsgrads nicht harmonieren. Als in Tonstudios bewährte, aber selbst im High-End-Bereich immer noch selten genutzte Lösung bieten sich da Aktivboxen an: Hier ist für jedes Chassis, also die auf bestimmte Frequenzbereiche spezialisierten Schallwandler, eine passende Endstufe gleich mit eingebaut, als Zuspieler genügt also ein Vorverstärker.
Viele Aspekte für guten Klang
Das Gros der Lautsprecher, aktiv wie passiv, folgt der elektrodynamischen Bauweise, bei der Membranen durch Magnete und Schwingspulen in Bewegung gesetzt werden. Bei identischem Prinzip kann sich also die High-End-Qualifikation nur aus den Details ergeben: Membranform und -material, Leistungsfähigkeit des Antriebs, Layout und Güte der Frequenzweiche (die das Signal auf die jeweils „zuständigen“ Chassis verteilt), interne Verkabelung, Gehäusekonstruktion, Bassverstärkung, Entkoppelung vom Standplatz.
Einigen Bauarten wird das Adelsprädikat schon per se zuerkannt, so den ebenfalls elektrodynamischen Hornlautsprechern mit ihren meist ungewöhnlichen Formen und Abmessungen, die mit geringer Leistungsaufnahme hohe Lautstärke erreichen, oder den wie Paravents anmutenden Elektrostaten, bei denen eine Flächenmembran zwischen zwei Gitterelektroden schwingt.
Nicht wenige Hersteller von High-End-Lautsprechern sind sehr kleine Betriebe, die flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Aber Größe ist auch kein Makel: Das beweisen Unternehmen wie B & W aus England - 1966 gegründet und spätestens durch seine Nautilus-Topmodelle auch auf dem Kontinent bekannt geworden -, Dynaudio aus Dänemark oder Canton, der deutsche Marktführer. In ihren breiten Programmen wird technischer Fortschritt von den teureren Modellen meist rasch zu den billigeren weitergereicht. Andere Große wie der amerikanische Gigant Bose oder die dänische Design-Ikone Bang & Olufsen finden bei High-Endern dagegen weniger Anklang.
Jede Marke ist eine Persönlichkeit.
Fast jeder Lautsprecherhersteller hat ein Flaggschiff in seinem Angebot, das mit fünf-, mitunter gar sechsstelligem (Euro-)Paarpreis den Stand seiner Kunst repräsentiert. Aber High End ist auch für weniger als 10.000 Euro zu kaufen. Von den Marken, die hier etwas zu bieten haben, können nur stellvertretend einige genannt werden: aus Großbritannien KEF und das Traditionshaus Tannoy (seit 1926, bekannt als Vorreiter der koaxialen Anordnung von Tief- und Hochtöner), aus Frankreich Cabasse (von Georges Cabasse, Spross einer Geigenbauerfamilie, 1950 gegründet) und Focal von Jacques Mahul, aus Italien die für edelste Gehäuseverarbeitung bekannte Marke Sonus Faber, aus den Vereinigten Staaten Thiel (vom renommierten Entwickler Jim Thiel) und der Elektrostaten-Spezialist Martin Logan in Lawrence, Kansas, der nach den zweiten Vornamen seiner Gründer Sanders und Sutherland heißt.
Dali gehört zur regen dänischen HiFi-Szene, und Deutschland repräsentieren Namen wie Elac in Kiel, die Schwestern Heco und Magnat in Pulheim, Quadral in Hannover mit ihrem Entwickler Berndt Stark, Roland Gauders Isophon im schwäbischen Renningen, der Aktivlautsprecher-Spezialist Backes & Müller in Saarbrücken, Audio Physic - technischer Kopf ist Manfred Diestertich - in Brilon und der Aachener Peter Schippers mit seiner Marke Audiodata.
Der Audiophile weiß: Jede Marke ist eine Persönlichkeit. Die richtige zu suchen ist der Aufbruch in ein schönes Abenteuer. Ein Tipp: Dabei die Ohren nicht vergessen.