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High End 2014 : Von Vinyl bis Hochbit-Technik

  • -Aktualisiert am

Circle 25 Anniversary von Wilson Benesch Bild: Hersteller

High End als tönender Lebensstil: Auf der gleichnamigen Messe präsentiert die Creme der HiFi-Zunft in München die Kollektionen der Saison auf ihrer traditionellen Neuheitenschau.

          Dass der Mai den Beinamen Wonnemond trägt, hat für die Hellhörigen nicht nur mit Freude an der sprießenden Natur zu tun: Stets in den schönsten Wochen des Jahres präsentiert die Creme der HiFi-Zunft die Kollektionen der Saison auf ihrer traditionellen Neuheitenschau High End. Die Fachmesse im Münchner Ausstellungszentrum M.O.C. öffnet ihre Tore am 15. Mai für vier Tage voller faszinierender Eindrücke, vermittelt von raumgreifenden Lautsprechern, traumhaft schönen Vinyl-Laufwerken und modernen Audioservern.

          Was Hersteller und Vertriebsfirmen hier ausbreiten, ist nicht für Schnäppchenpreise zu haben; wer Geiz geil findet, reist besser gar nicht erst an. Denn Manufakturfertigung in kleinen Serien, gern auch gepaart mit dem Charme des Exotischen, zählt hier zu den Grundprinzipien. Umso beachtlicher: Alles in allem repräsentiert die Messe einen vitalen Wirtschaftszweig, den High-End-Manager Branco Glisovic stolz beziffert: Mit 440 Ausstellern und rund 1000 Marken stellt die HiFi-Schau in diesem Jahr wieder einen Rekord auf, eine zusätzliche, dritte Messehalle musste her, und mit dem neuen Schwerpunkt „High End on Wheels“ wollen die Veranstalter auch den tönenden Einbauten in Edel-Fahrzeugen ein angemessenes Forum bieten.

          Gerätschaften fürs Wohnzimmer allerdings bilden nach wie vor das Kernsegment. Allen voran natürlich die Lautsprecher. Sie zeigen exemplarisch die ganze Vielfalt der in München vertretenen Denkwelten: Da gibt es höchst konventionelle Konstrukte, schlanke Tonmöbel etwa von so bewährten Marken wie Canton, Elac oder Nubert, es gibt aber auch jede Menge Apparate, die Philosophien weit abseits des Mainstreams verkörpern. Dazu zählt das Soundboard des französischen Herstellers JMC Lutherie: Als dünne Holzscheibe aus abgelagerter Fichte, der Instrumentenbau lässt grüßen, schmückt es die Wand und musiziert obendrein.

          Futuristische Anlage von MiZik
          Futuristische Anlage von MiZik : Bild: Hersteller

          Ein deutsches Unternehmen namens Voxativ setzt ebenfalls auf natürliche Materialien, vor allem in Gestalt konzentrisch miteinander verbundener Membranen von Vollbereichs-Chassis, die alle Frequenzen des Tonspektrums von einem Ort aus abstrahlen. Die Idee ist nicht neu, aber es kommt stets darauf an, den theoretischen Vorteil der lokalen Kohärenz mit der nötigen Amplitudenlinearität zu verbinden - und das gelingt nur selten wirklich überzeugend. Voxativ jedenfalls traut es sich zu - mit korpulenten Lautsprechern, die so ganz anders aussehen als die üblichen Modekonstrukte mit ihren ultraschmalen Gehäusen.

          Ein anderes Credo lautet: Das ideale Lautsprechergehäuse ruht in sich wie ein Fels in der Brandung. Die Weimarer Manufaktur Concrete Audio nimmt diesen Grundsatz wörtlich und gießt die Gehäuse seiner Schallwandler aus Beton, damit sie sich unerschütterlich jeglicher Klangeinmischung enthalten. Zur High End präsentiert der Hersteller das neue Zweiwege-Modell N1, das, wie alle seine Lautsprecher, in handwerklicher Produktion und in limitierter Auflage entsteht.

          Die idealen Zulieferer für die Schallwandler, so sieht es eine immer noch starke Fraktion der High-End-Anhänger, erzeugen die nötige elektrische Leistung mit heißen Röhren statt mit lauen Transistoren. Für diese Sichtweise spricht oft schon die Schönheit einschlägiger Konstrukte. Die High End zeigt sie zuhauf; stellvertretend für die Gerätegattung mit dem ewigen Leben stehen etwa die Pretiosen der serbischen Manufaktur Auris Audio, die ihre Röhrengeschöpfe mit Gehäusen aus feinem Leder und schimmernd polierten Hölzern einkleidet.

          Röhrenendstufe von Auris
          Röhrenendstufe von Auris : Bild: Hersteller

          Andere Hersteller, etwa die japanische Traditionsmarke TEAC, leiten die Ästhetik ihrer Elektronik eher aus metallischer Wucht ab - zu bewundern anhand der neuen Flaggschiff-Komponenten Esoteric Grandioso. Hinter dem unbescheidenen Namen steckt ein SACD-Player, der aus Laufwerk, externem Netzteil und zwei Mono-Digital-Analogwandlern besteht. Die Wandler verarbeiten die Audiosignale extrem genau mit 32 Bit, können Musik mit niedrigerer Auflösung durch Upsampling verfeinern und konvertieren sogar PCM- in DSD-Signale. Dazu passen die beiden Mono-Endstufen, die jeweils 64 Kilogramm auf die Waage bringen.

          Eher mit pfiffigem Outfit lockt eine Anlage, die auf den Markennamen MiZiK hört. Sie bricht mit allen Konventionen: Die Elektronik steckt in glänzenden Gehäusen ohne rechten Winkel, aufrechter Stand oder horizontale Lage stehen zur Wahl, bunte Touch Screens laden zur Bedienung ein. Auch mit ihren Funktionen setzten sich die Komponenten vom Mainstream ab: dPlay ist ein Digital-Analogwandler mit mehreren Eingängen, dVin ist ein Phono-Vorverstärker mit schaltbaren Entzerrungs-Kennlinien und USB-Ausgang für digitalisierte Vinylklänge, dStream gibt als Streamer Musik aus dem Netzwerk wieder.

          Immer wichtiger wird auf der High End auch das Thema des kunstgerechten Umgangs mit Musik in hochauflösenden Digitalformaten. Das Notebook ist als Quelle solcher aus dem Internet geladenen Tonschätze prädestiniert, und die HiFi-Hersteller greifen den Trend auf: Immer mehr Wandler-Bausteine oder Gerätekombinationen haben USB-Eingänge, die Musik aus dem Mobilrechner in ungeschmälerter Qualität entgegennehmen und weiterleiten können. So demonstriert Denon in München, wie seine feinsten SACD-Spieler auch Musik über den USB-Anschluss wiedergeben - in den allerhöchsten Auflösungen, versteht sich.

          Für manche High-End-Besucher aber bleibt der ganze Digitalzauber zweite Wahl: Mehr Auflösung, als in einer Vinyl-Schallplatte steckt, geht gar nicht - so sehen sie das und arbeiten folglich alles ab, was die Messe an klassischen Scheibendrehern zu bieten hat. Die Auswahl ist gewaltig. Allein schon am Messestand von Transrotor, wo stets eine ganze Armada feinster Plattenspieler antritt, aber auch vielen Ständen internationaler Provenienz, etwa beim britischen Anbieter Wilson Benesch, der sein 25-jähriges Firmenjubiläum mit einem Vinylspieler der Extraklasse feiert: dem Circle 25 Anniversary mit seinem speziellen, aus ultraleichtem Carbonfiber hergestellten Tonarm A.C.T. 25, der zum Raffiniertesten gehört, was die Zunft zu bieten hat.

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