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HDMI-Schnittstelle 1.4 Fit fürs Heimnetzwerk

24.09.2009 ·  HDMI transportiert über eine einzige Kabelverbindung Bilder in hoher Auflösung verlustfrei. Mehrkanalton nach den klassischen Standards von Dolby und DTS passiert die Leitung ebenso unbeschadet. Die neue Version 1.4 kann nun noch mehr.

Von Wolfgang Tunze
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Was hat die analoge Welt doch für einen langen Atem: Seit mehr als 40 Jahren funkt das Farbfernsehen (PAL) nach nahezu unveränderten Spezifikationen, seit immerhin drei Jahrzehnten schicken wir Bild- und Tonsignale von Videogeräten über die Scart-Verbindung an den Fernseher. Die aber kommt uns nun doch recht altertümlich vor: Ein Kabel, fast so dick wie ein Wiener Würstchen, sperrige Verbindungsstecker mit 21 rustikal dimensionierten Metallkontakten und eine Übertragungsart, die, je nach Kabellänge und -qualität, die Wiedergabe von Bild und Ton beeinträchtigt - das überzeugt im Digitalzeitalter nicht mehr so recht, auch wenn viele digitale Empfangs-Settop-Boxen und die meisten Flachbildschirme die archaische Schnittstelle immer noch anbieten.

Doch ihr Aussterben ist in Sicht, denn in den vergangenen Jahren hat sich eine digitale Alternative namens HDMI etabliert, die alles besser macht: Eine einzige, eher dünne Kabelverbindung transportiert selbst Bilder in hoher Auflösung verlustfrei, Mehrkanalton nach den klassischen Standards von Dolby und DTS passiert die Leitung ebenso unbeschadet, Metadaten informieren den Bildschirm über das Darstellungsformat der Bildsignale, damit lästiges Umschalten von Hand überflüssig wird, und die Steckverbindungen sind so zierlich, dass sie auf den Geräterückseiten kaum noch zusätzlichen Stauraum brauchen.

Das vierte Update innerhalb von vier Jahren

HDMI allerdings konfrontiert uns mit einem Phänomen, das bisher eigentlich nur in der Computerwelt als selbstverständlich galt. Technischer Schnelllebigkeit folgend, präsentiert uns nun auch die wichtigste Schnittstelle der Unterhaltungselektronik in kurzer Folge neue, zum Glück rückwärtskompatible Versionen, die jedesmal mehr können. Ein Beispiel: Das vierte Update innerhalb von vier Jahren, verabschiedet im Juni 2006 und heute Standard-Ausstattung aller aktuellen Fernseher und Heimkino-Anlagen, heißt HDMI 1.3. Zu seinen Errungenschaften zählt die Fähigkeit, auch die jüngsten, hoch aufgelösten Heimkino-Tonformate der Bluray Disc zu transportieren und somit Heimkino-Verstärkern die verlustfrei codierten Signale in Dolby TrueHD und in DTS HD Master Audio unverdünnt zuzuführen. Version 1.3 bringt auch mehr Farbe ins Spiel, erweiterte Farbräume, wie die Experten sagen: High-End-Kamkorder und Foto-Kameras differenzieren Farbnuancen deutlich feiner als Geräte nach den klassischen Fernsehstandards, erkennbar etwa an kryptischen Begriffen wie Deep Clour oder xvYCC. HDMI 1.3 transportiert sie klaglos, und wenn der Fernseher mitspielt, kommen die Motive somit in zarteren Tönen auf die Bildfläche.

Zur IFA nun stellte das HDMI-Konsortium seine Version 1.4 der europäischen Fachwelt vor, und was diese Schnittstelle an Verbesserungen bringt, macht sie wohl für Jahrzehnte zukunftssicher. So führt die Ausgabe 1.4 einen zusätzlichen Ethernet-Kanal mit Datenraten bis zu 100 Megabit je Sekunde ein. Folglich können internettaugliche, über HDMI miteinander verbundene Geräte gleichzeitig Radioprogramme aus dem World Wide Web saugen und Youtube-Filmchen auf die Mattscheibe bringen, ohne nach zusätzlicher Verkabelung zu verlangen - ein äußerst sinnvolles Angebot, denn der Online-Zugriff zählt in der Unterhaltungselektronik immer mehr zu den Selbstverständlichkeiten. Praktisch ist auch der "Audio-Return"-Kanal. Angenommen, ein Fernseher mit einem eingebauten Digitalempfangsteil greift ein Programm mit Mehrkanal-Ton aus der Luft. Eine Verbindung nach HDMI 1.4 kann dieses Audio-Signal dann an einen angeschlossenen Heimkino-Receiver zur Mehrkanal-Wiedergabe leiten; bisher funktioniert der Tontransport zwischen Heimkino-Zentrale und Bildschirm nur in umgekehrter Richtung.

HDMI 1.4 unterstützt auch sogenannte 4k-Bildauflösungen

Andere Errungenschaften zielen auf das Wohnzimmer künftiger Dekaden: HDMI 1.4 unterstützt auch sogenannte 4k-Bildauflösungen, also eine kinotaugliche Pixelfülle, die unser eben erst keimendes HDTV um den Faktor 4 übertrifft. Und es macht auch dann noch klaglos mit, wenn künftige Bildquellen 3D-Videos liefern; alle derzeit im Umlauf befindlichen 3D-Normenansätze sind in den HDMI-Spezifikationen schon berücksichtigt. Dass auch noch ein paar weitere Farbraum-Optionen hinzugekommen sind, die spezielle Anforderungen aus der Computerwelt noch besser berücksichtigen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

HDMI 1.4 erweitert auch die Festlegungen der Mechanik. Neben den heute schon existierenden Standard-Steckverbindungen und ihren auf Mobilgeräte zugeschnittenen Mini-Ausgaben wird es künftig auch elektrisch voll kompatible Mikrostecker und -buchsen geben, die dann sogar in Handys, iPods und andere Winzlinge passen. Und fürs Auto hat die HDMI-Organisation spezielle Steckverbindungen mit Zugentlastungen spezifiziert, damit die High-Definition-Welt auch auf vier Rädern zu ihrem Recht kommt. Wird sich der Industrie-Verein damit zur Ruhe setzen? Er könnte es wohl für eine Weile, aber wie wir ihn kennen, sammelt der schon Ideen für das nächste Update.

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