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Großlabore : Jedes richtige Bild will aufs Papier

  • -Aktualisiert am

Erste Station: Filmentwicklung Bild:

Fotos zum Anfassen liegen in der Natur des Menschen. Die digitale Fotografie hat keineswegs das gedruckte Bild abgelöst. Im Gegenteil - das klassische Papierfoto liegt im Trend.

          Ist von diesem Bilderberg heute nur jedes 20. digital aufgenommen, so sieht die Industrie diesen Anteil in den kommenden vier Jahren auf mehr als 40 Prozent wachsen. Aber das Vertrauen auf weiteres Wachstum gründet sich nicht nur auf die Fortschreibung heutiger Tendenzen. "Die Attraktivität des Bildes, das man auch in die Hand nehmen kann", meint Wulf Schmidt-Sacht, bei Cewe in Oldenburg, dem größten Fotolabor der Welt, für Technik zuständiges Vorstandsmitglied, "scheint in der Natur des Menschen zu stecken." Dessen weitere natürliche Eigenschaft sei die Bequemlichkeit, weshalb man nicht nur in Oldenburg das heimische Ausdrucken von Fotos mit Gelassenheit sieht. Mit den Prints der Großlabors verglichen, seien die Ergebnisse dieser privaten Dunkelkammer recht teuer, zeitaufwendig herzustellen und von eher mäßiger Qualität. Unbestritten jedoch ist die Anziehungskraft auf vorwiegend männliche Technikfexe. Doch glaubt man Untersuchungen, so stellen selbst die nach einem Vierteljahr den Fotodruck ein, und aus den teueren Bildtintenkartuschen spritzt es nur noch Briefe, farbige Präsentationen sowie bunte Partyeinladungen. Und für die Fotos müssen wieder die Profis ran.

          Die haben im vergangenen Jahrzehnt kräftig investiert, dabei einige Kollegen verloren und bieten nun eine nie gekannte Vielfältigkeit. Der Kunde kann von der Filmpatrone über das Dia bis zum Anhang an eine E-Mail alles abliefern, was ein latentes, sichtbares oder virtuelles Bild enthält. Ein solches steht immer am Anfang und am Ende des Prozesses, innerhalb dessen es lediglich seine Erscheinungsform wechselt. Seit etwa zwei Jahren findet der Kunde jene Vielfalt von Zugängen zu diesem Prozeß vor, die der Heterogenität seiner Bilder entspricht: Patrone aus seiner analogen Kamera, ein Bild vom Dia oder Papierbild sowie digitale Aufnahmen. "Wir haben den Eindruck", so Schmidt-Sacht, "daß schon jetzt etwa ein Prozent der zur Weiterverarbeitung ankommenden Digitalfotos aus Kamerahandys stammt." Womöglich zarter Vorbote einer Entwicklung, die - stoßfeste Zoom-Objektive vorausgesetzt - die ganze Klasse der nicht nur digitalen Schnappschußkameras unter sich begraben könnte. Noch aber kommen 99 von 100 Datenbildern auf CD gebrannt oder über das Internet. Beliebt sind sogenannte Kiosksysteme, in die man die der Kamera entnommene Speicherkarte steckt, die gewünschten Bilder als Display auswählt und die Daten der markierten Aufnahmen dann auf CD gebrannt erhält. Heutige Apparate sind eingängiger bedienbar als die Fahrkartenautomaten der Verkehrsgesellschaften, schließlich haben die Labore kein Monopol.

          Geringe Reklamationsquote

          Steht ein solcher Bilderkiosk in einem Fachgeschäft, so lauert dahinter oft genug eine Minilab genannte automatische Entwicklungsstation, so daß das Papierbild einen großen Eiskaffee später gleich mitgenommen werden kann. Diesen Zeitvorteil erkauft der Ungeduldige mit 25 bis 50 Cent je Bild, während der gewinnversprechende Preis für einen Abzug aus dem Großlabor bei etwa 13 Cent startet. "Noch etwas kommt hinzu", sagt Hardy Schwerger, Leiter der "Anwendungstechnik Film" bei Agfa, und verweist mit dem Fadenzähler auf die vor uns liegende Reihe bunter Bilder. "Diese alle haben dasselbe Negativ zur Vorlage, von dem wir im Blindtest bei unterschiedlichsten Anbietern in ganz Deutschland Minilab-Prints fertigen ließen." Was da in Leverkusen auf dem Tisch unter farbneutralen Lampen liegt, läßt nicht nur den Laien blaß werden. Kein Abzug gleicht einem anderen. Selbst die guten interpretieren das Negativ in sichtbar verschiedener Farbigkeit. Und es gibt ein paar wirklich verschossene, bei denen offenbar die Chemie im Minilab nicht mehr stimmte.

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