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Osmo Mobile von DJI im Test : Gegen das Zittern hilft ein Zauberstab

Stabil: Smartphone mit Osmo Mobile Bild: Wolfgang Eilmes

Kameramänner und Drohnenpiloten kennen die Wunderwaffe gegen zitterige Aufnahmen schon seit Jahren. Das sogenannte Gimbal kommt nun auch bei Smartphones zum Einsatz.

          Drohnen fliegen mit hoher Geschwindigkeit durch die Luft und liefern trotzdem ruckelfreie Videos. Möglich macht das der Stabilisator, der sogenannte Gimbal, er trägt die Kamera und gleicht Wackler stetig mit kleinen Motoren aus. Auch die Kamerahand zittert mitunter. Da liegt die Idee nahe, Technik aus der Drohnenwelt dem Kameramann auf der Erde zur Verfügung zu stellen. Beim Drohnenhersteller DJI heißt der Zauberstab Osmo. Statt wie bisher eine Kamera kann der Osmo Mobile jetzt ein Smartphone stabil halten. Das Smartphone darf allerdings nicht für die Halterung zu klein sein. Beim iPhone klappt es erst ab der fünften Generation.

          Andreas Brand

          Redakteur für Multimedia bei FAZ.NET.

          In wenigen Schritten ist man startklar. Das Smartphone wird eingeklemmt und ins Gleichgewicht gebracht. Erforderlich ferner: die zugehörige App und Bluetooth. Sofort geht der Osmo Mobile nach dem Einschalten in Habachtstellung. Mit einem kurzen Ruck wird das Phone in die Startposition gedreht. Wir spüren in unserer Hand ein feines Vibrieren und bewegen vorsichtig den Gimbal nach links und rechts. Man merkt sofort, wie ausgereift die Technik des Zenmuse ist, so nennt DJI seinen Gimbal. Wir umkreisen unseren Kollegen am Nachbartisch und freuen uns über das stabile Bild. Ein Interview beim Spaziergang wurde zum ersten Test.

          Für einen Journalisten keine ungewöhnliche Situation. Mit normaler Kamera hätten wir uns auf die ruhige Haltung konzentrieren müssen. Das nimmt uns der Gimbal ab, und wir können besser zuhören. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Zuschauer glaubt, er schwebe neben dem Protagonisten. Nicht nur für Interviews eignet sich der Osmo Mobile. Auch bei Action-Aufnahmen bleibt die Smartphone-Kamera im Gleichgewicht. Neben einem Skateboard herzulaufen und die Fahrt ohne Zittern aufzunehmen ist kein Problem. Dreht man die Kamera auf den Kopf, erhält man spannende Froschperspektiven. Der Kameraschwenk will allerdings geübt sein. Den Osmo Mobile muss man bestimmt und sanft führen, sonst schaut die Linse nicht zum Ziel.

          Zum Gerät lieferte DJI eine Fahrradhalterung mit. Das hätten sie sich sparen können, denn die Aufnahmen auf einer glatten asphaltierten Straße sind katastrophal. Der Dämpfer der Halterung ist nicht für das Gewicht des Osmo Mobile ausgelegt, und der Gimbal kann das stetige Auf und Ab nicht ausgleichen. Zu Hause angekommen, gelang es sofort, die Kinder beim Trampolinspringen ohne Wackler zu filmen. Der Preis von etwa 340 Euro ist aber ausschließlich für Familienaufnahmen hoch. Ernstzunehmende Konkurrenzgeräte kosten rund 100 Euro weniger.

          Doch der Osmo Mobile hat den reinen Stabilisatoren der Mitbewerber eines voraus: die App mit ideenreichen Funktionen. Am beeindruckendsten ist der Verfolgungsmodus. Der Osmo Mobile kann Motive erkennen und folgt ihnen selbsttätig. Perfekt für Selfie-Videos: Man schraubt das Gerät auf ein Stativ, wählt das eigene Gesicht im Bild aus, und die Kamera folgt automatisch. Der Youtuber muss nicht mehr vor der Linse sitzen bleiben, sondern kann sich frei im Raum bewegen. Wem solche Aufnahmen wichtig sind, muss für die nötige Stativkombination weitere 120 Euro investieren. Der Verfolgungsmodus hat allerdings seine Grenzen. Wer sich zu schnell bewegt oder im Gegenlicht steht, wird vom Tracking verloren.

          Panoramabilder wie von Geisterhand

          Bei Hobbyfotografen beliebt sind Panoramabilder, aber nicht immer gelingen solche Rundumaufnahmen auf Anhieb. Hier kann der Osmo Mobile ebenfalls helfen. Wie von Geisterhand bewegt sich das Smartphone in sieben verschiedene Positionen und errechnet daraus das Panoramabild mit 330 Grad Rundumblick. Auch eine künstliche Weitwinkelaufnahme ist möglich. Bei dieser werden neun Bilder zu einem Gesamtbild addiert. Enge Räume oder Landschaftsaufnahmen mit ungewohnter Weite sind damit gut zu erfassen. Die App stürzte uns indes beim Berechnen des Bildes etliche Male ab.

          Zeitraffer-Aufnahmen gehören mittlerweile zur Trickkiste von Internetvideos. Die dramatische Entwicklung eines Gewitters am Himmel wirkt noch lebendiger, wenn sich die Kamera leicht bewegt. In der App von DJI kann man bis zu fünf Positionen vorab festlegen, zwischen denen das Smartphone innerhalb einer bestimmten Zeit schwenkt. Dabei dunkelt sich der Bildschirm ab, damit der Akku geschont wird. Trotzdem wird er während aller Einsätze stark beansprucht, das Gerät war stetig heiß, und nach drei Stunden musste es erst einmal ans Netz. Weil die Halterung den Stromanschluss des Smartphones verdeckt, kann leider während der Aufnahmen nicht geladen werden. Das führt beim iPhone der neuesten Generation zu einem weiteren Problem: Dort ist kein Klinkenanschluss mehr vorhanden, ein externes Mikrofon kann in der Halterung nicht angeschlossen werden.

          Mit dem Stabilisator, der auf die Smartphone-Kamera setzt, bietet DJI ein Gerät für Filmer, die ihre Videos nicht an einem Computer bearbeiten, sondern in der Smartphone-Welt bleiben möchten. Die Hardware ist ausgereift, die Videos haben kaum einen Ruckler, mit Ausnahme der zittrigen Aufnahmen am Fahrrad. Die App überzeugt mit guten Ideen. Doch angesichts wiederholter Abstürze und Abbrüche der Bluetooth-Verbindung wirkt sie noch nicht ausgereift.

          Quelle: F.A.Z.

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